Blaulicht | 17.10.2022, 14:23 Uhr

Mal diente die defekte Bankkarte, eine Strafzahlung oder eine Krankheit als Grund für die finanzielle Hilfe.

Love-Scam: Frau aus dem Rhein-Sieg-Kreis zahlt rund 100.000 Euro an angeblichen Franzosen

Symbolbild. Foto: Pixabay.com
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Siegburg. Ein kurzer Chat oder eine nette Mail von einem Unbekannten - das sogenannte Love- oder Romance-Scamming fängt in der Regel harmlos an. Die Scammer suchen auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken wie Instagram, Snapchat oder Facebook nach Opfern und durchforsten dort die Mitgliederlisten. Eine kurze Online-Einladung zum Chat dient vielen als Erstkontakt. Um sich beim potenziellen Opfer interessant zu machen, legen sich Romance-Scammer ungewöhnliche Lebensgeschichten zu - und sie hinterlassen zunächst einen seriösen Eindruck.

So begann bereits im Herbst 2016 der Betrug an einer 72-jährigen Frau, die mittlerweile rund 100.000 Euro an die Täter bezahlt hat. Bis September 2022 hielt sie ein angeblicher Franzose über unterschiedliche Internet-Plattformen hin. Er fragte die Geschädigte in den vergangenen sechs Jahren immer wieder nach Geld. Mal diente die defekte Bankkarte, eine Strafzahlung oder eine Krankheit als Grund für die finanzielle Hilfe. Die 72-Jährige überwies immer wieder Geldbeträge auf verschiedene Konten, ohne ihre Internetbekanntschaft jemals persönlich getroffen zu haben. In der Summe waren es bereits über 90.000 Euro.

Mitte September 2022 brach der Onlinekontakt dann völlig ab. Vor wenigen Tagen meldete sich eine weitere unbekannte Person über einen Messenger Dienst bei der 72-Jährigen und behauptete, von einer Bank zu sein. Er stellte der Geschädigten in Aussicht, das an den betrügerischen Onlinebekannten überwiesene Geld zurückholen zu können. Gutgläubig überwies die Geschädigte mehr als 6.000 Euro für Transaktionsgebühren, Steuern, usw. an den nächsten Betrüger. Erst bei neuerlichen Geldforderungen schöpfte das Opfer Verdacht und erstattete Anzeige bei der Polizei.

Scam-Männer geben sich als Ingenieure, Architekten, Soziologen, Konstrukteure in der Ölindustrie, als Tierärzte, Computerspezialisten und U.S. Soldaten aus. Auf den Fotos des Scammer-Profils bekommen weibliche Opfer eine attraktive Person präsentiert - die Bilder sind allerdings gestohlen. Und auch wenn der „Neue“ vorgibt, in Amerika oder im europäischen Ausland zu leben, so sitzt er wahrscheinlich in Westafrika. Davon merken die Opfer allerdings nichts, denn diese Chat-Bekanntschaften sprechen perfekt Englisch oder benutzen kostspielige Übersetzungstools für ihre Mails.

Scam-Frauen geben sich bevorzugt als Krankenschwestern, Ärztinnen, Mitarbeiterinnen im Waisenhaus oder als Lehrerinnen, Schauspielerinnen sowie als Geschäftsfrauen jeder Art aus. Die Frauen auf den Bildern in Netzwerken und auf Dating-Seiten sind äußerst attraktiv. Aber auch diese Bilder sind meist gestohlen oder einzig für das Scamming fotografiert worden. Das ist an Fotostrecken mit ähnlichen Posen und Kleidung zu erkennen. Viele Frauen geben sich als Russinnen aus. Sie können aber auch aus Südamerika, Thailand, Afrika oder Europa stammen. Auch alle Scam-Frauen beherrschen die englische Sprache, manchmal sogar die deutsche Sprache, perfekt.

Grundsätzlich sollte man Menschen, die man nie persönlich kennengelernt oder gesehen hat, kein Geld überweisen oder auf sonstige Forderungen eingehen. Gerade im Internet tummeln sich viele Betrüger, die an der Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen viel Geld verdienen wollen. Seien Sie also immer misstrauisch bei unglaublichen Angeboten, ob bei der Wohnungs- oder der Partnersuche.

Ausführliche Tipps und Informationen zum Thema finden Sie unter https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/scamming/

Pressemitteilung der Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis

Symbolbild. Foto: Pixabay.com

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