Sensibilisierungsparcours, Fachvorträge und ein Workshop: Arbeitsagentur schärft das Bewusstsein für Menschen mit Behinderung
Wenn Perspektiven wechseln: Sensibilisierung für Inklusion im Arbeitsalltag
Region. Wie fühlt es sich an, im Rollstuhl unterwegs zu sein? Welche Herausforderungen erleben Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen im Alltag? Und warum ist es so wichtig, auch unsichtbare Behinderungen besser zu verstehen? Mit gleich mehreren Aktionen hat Mario Dieninghoff, Teamleiter im Bereich Berufliche Rehabilitation und Teilhabe der Arbeitsagentur Rhein-Wied-Westerwald, Mitarbeitende und KundInnen der Agentur für Arbeit für das Thema Inklusion sensibilisiert.
Ein zentraler Bestandteil war ein Sensibilisierungsparcours, bei dem Teilnehmende verschiedene Einschränkungen selbst erleben konnten. Besonders eindrucksvoll war dabei der Rollstuhlparcours, welcher durch das Berufsbildungswerk Neuwied gestellt und betreut wurde. Hier wurde schnell deutlich, wie sehr sich die Perspektive verändert und mit welchen Hürden Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer im Alltag – auch in Gebäuden – konfrontiert sein können. „Erst wenn man selbst im Rollstuhl sitzt, merkt man, wie viele kleine Barrieren es gibt“, berichtete ein Teilnehmer. „Das verändert den Blick ungemein.“
Unterstützt wurde die Aktion außerdem vom Demenznetzwerk Mayen-Koblenz. Mit dem Alterssimulationsanzug konnten Teilnehmende altersbedingte Einschränkungen der sensomotorischen Fähigkeiten nachempfinden – etwa einen veränderten Gang, eingeschränktes Greifvermögen oder nachlassende Beweglichkeit der Gelenke. Auch Sehbehinderungen, Schwerhörigkeit und Gelenkversteifungen ließen sich simulieren. Viele Mitarbeitende, aber auch KundInnen nutzten die Gelegenheit, diese Erfahrungen selbst zu machen.
„Sensibilisierung ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu echter Inklusion“, betont Mario Dieninghoff. „Nur wenn wir verstehen, mit welchen Herausforderungen Menschen mit Behinderungen im Alltag konfrontiert sind, können wir unsere Angebote und unsere Beratung wirklich inklusiv gestalten.“
Dem Reha-Experten war es ein Anliegen, den Blick verstärkt nach innen zu richten. So entwickelte Dieninghoff zusätzlich ein breitgefächertes Programm. In einstündigen digitalen Veranstaltungen informierte er die KollegInnen der Arbeitsagentur über unterschiedliche Behinderungen und Erkrankungen wie Zwangsstörungen, ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen oder Depressionen. Ziel war es, Wissen zu vermitteln und Berührungsängste und Unsicherheiten abzubauen.
„Viele Behinderungen sind nicht auf den ersten Blick sichtbar“, erklärt Dieninghoff. „Gerade deshalb ist es wichtig, darüber Bescheid zu wissen. Nur so können wir Vorurteile abbauen und Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen besser verstehen.“
Ein weiterer Baustein war der abschließende Workshop, der sich gezielt an Führungskräfte der Arbeitsagentur richtete. Als externe Referentin war Rebecca Lefèvre eingeladen. In ihrem Vortrag „Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen sichtbar machen – Inklusion durch Reizarmut“ sprach sie über Herausforderungen für neurodivergente Menschen und darüber, wie Arbeitsumgebungen inklusiver gestaltet werden können.
Lefèvre ist Initiatorin der „Stillen Stunde“, einem Konzept, das insbesondere Menschen zugutekommt, die auf eine reizärmere Umgebung angewiesen sind. Sie ist selbst Autistin und lebt zudem mit ADHS und Mastocytose. Als Gründerin des Vereins „Gemeinsam zusammen e. V.“ setzt sie sich dafür ein, neurodivergente Menschen sichtbarer zu machen und Vorurteile abzubauen.
Für Mario Dieninghoff steht fest: Die Aktionen waren ein wichtiger Schritt. Doch er weiß: „Inklusion ist es kein einmaliges Projekt, kein Ziel, das man einmal erreicht und dann abhakt. Sie ist ein fortlaufender Prozess, der kontinuierlich mitlaufen muss – im Denken, im Handeln und in unserer täglichen Arbeit.“
Das Team Berufliche Rehabilitation und Teilhabe der Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald unterstützt Menschen und begleitet mit gesundheitlichen Einschränkungen und Behinderungen auf ihrem Weg in Ausbildung und Arbeit. Ziel ist es, eine nachhaltige Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Nähere Informationen unter www.arbeitsagentur.de/vor-ort.
Pressemitteilung Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald
