Allgemeine Berichte | 21.08.2015, 12:48 Uhr

Neuwieder Hospizvereins und seine Sterbebegleitung

Jeder Tag ist ein Geschenk

Hanna Kohl engagiert sich seit 15 Jahren im Neuwieder Hospizverein. Privat
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Neuwied. Seit 15 Jahren schon engagiert sich Hanna Kohl in der Hospizbewegung. Als ehrenamtliche Hospizhelferin des Neuwieder Hospizvereins begleitet die Linzerin schwerstkranke und sterbende Menschen in der letzten Phase ihres Lebens. Einen Fall wird Hanna Kohl nie vergessen. Denn diese Begleitung eines Sterbenskranken hat ihr wie keine andere so deutlich vor Augen geführt, wie wichtig ihr Engagement und das ihrer Mitstreiter ist. Als wäre es gestern gewesen, kann sich Hanna Kohl noch gut an die erste Begegnung mit Herrn M. erinnern. Der Mittvierziger lag im Krankenhaus und es gab keine Hoffnung auf Genesung. Seit vielen Jahren schon war er Diabetiker. Er sagte damals zu Hanna Kohl: „Ich habe schlimme Angst vor dem Tod und möchte noch nicht sterben“. Deshalb hatte er sich für das Leben entschieden und nicht für die Möglichkeit, auf die Dialysebehandlung zu verzichten. Stattdessen freute er sich über den Besuch von Hanna Kohl und die Abwechslung, die sie in den Krankenhausalltag brachte. „Nach dieser ersten Begegnung mit dem Mann war es mir recht mulmig, ich konnte mir noch nicht einmal vorstellen, ihn überhaupt anfassen zu können“, erinnert sich Hanna Kohl. Doch Hanna Kohl ging am nächsten Tag wieder ins Krankenhaus, las Herrn M. etwas vor und ließ eine Klangschale erklingen. „Wenn man nichts sieht, dann ist es schön, zu hören“, sagte er. Wieder einen Tag später löst Hanna Kohl eine Krankenschwester beim Essenanreichen ab. „Seinen Anblick und auch den Geruch des Schwerkranken habe ich völlig ausgeblendet, ich sah nur noch den Menschen und warf alle Berührungsängste über Bord“, berichtet Hanna Kohl. „Ich spürte, wie sehr er die Zuneigung genoss und mir signalisierte, dass er leben möchte“.

Hanna Kohl konnte sich fantastisch mit Herrn M. unterhalten und mit ihm prima über das Leben philosophieren. Sie las dem ehemaligen Kraftfahrer Reiseliteratur vor und schmiedete auch mit ihm Zukunftspläne. Denn es standen Überlegungen an, ob Herr M. in ein stationäres Hospiz verlegt werden soll. Doch dann rückte die Möglichkeit einer Betreuung in einem nahe gelegenen Pflegeheim in den Fokus. Herr M. freute sich auf diesen Umzug, denn er hatte Heimweh und wäre so wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Doch dazu kam es nicht mehr. „Drei Tage später erhielt ich die Nachricht, dass er nachts völlig überraschend verstorben ist“, sagt Hanna Kohl. Für sie war die diese Begleitung etwas Besonderes.

„Sie war in vieler Hinsicht ein Geschenk. Diesen Menschen werde ich nicht vergessen“, fügt sie hinzu. Hanna Kohl ist eine von vielen Ehrenamtlichen im Neuwieder Hospizverein, die für ein menschenwürdiges Leben bis zum letzten Augenblick eintreten. Ganz im Sinne der Hospizidee „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“ wandten im vergangenen Jahr die ehrenamtlichen Hospizhelfer insgesamt 3246 Stunden für 242 Menschen im Kreis Neuwied in ihrer letzten Lebensphase auf.

Hanna Kohl engagiert sich seit 15 Jahren im Neuwieder Hospizverein. Foto: Privat

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