Architektur mit regionalem Flair
Kastanienhof Neuwied: Moderne Architektur mit regionaler Baukultur
Neuwied. Mit dem geplanten „Kastanienhof“ am Sohler Weg entsteht in Neuwied ein größeres Wohn- und Gewerbeprojekt mit 39 Wohnungen. Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland e. V. begrüßt grundsätzlich die Schaffung von neuem Wohnraum und die Entwicklung innerstädtischer Flächen. Zugleich regt der Verband an, bei der architektonischen Gestaltung stärker auf die Besonderheiten des Mittelrheintals einzugehen.
Der derzeit präsentierte Entwurf setzt vor allem auf eine moderne, kubische Formensprache mit hellen Fassaden und großformatigen, dunkel gerahmten Fenstern. Aus Sicht des Regionalverbandes bietet gerade ein Projekt dieser Größe jedoch die Möglichkeit, moderne Architektur und regionale Baukultur miteinander zu verbinden, ohne in eine historisierende Gestaltung abzurutschen.
„Wir wollen ausdrücklich keine Kopie historischer Gebäude und auch kein künstlich auf alt getrimmtes Quartier“, erklärt der Regionalverband. „Vielmehr wünschen wir uns eine Architektur, die erkennbar aus unserer Region heraus entwickelt ist und trotzdem eindeutig ein Gebäude des 21. Jahrhunderts bleibt.“
Regionale Materialien statt austauschbarer Fassaden
Für den Kastanienhof könnten nach Auffassung des Verbandes insbesondere Materialien eine wichtige Rolle spielen, die seit Jahrhunderten das Erscheinungsbild des Mittelrheintals prägen: Schiefer, Basalt und regionaler Bruchstein, Holz und Lehmputz.
Eine Kombination aus warmen Erdfarbtönen und natürlichen Materialien könnte dem Gebäude eine deutlich stärkere Verbindung zu seinem Umfeld geben. Ein Sockel aus Basalt oder Bruchstein, darüber eine helle Lehmputzfassade sowie Holz an Balkonen und Laubengängen wären beispielsweise Möglichkeiten, regionale Elemente zeitgemäß umzusetzen.
Auch bei den Fenstern sieht der Regionalverband Gestaltungspotenzial. Statt ausschließlich großformatiger, schwarzer Fensterflächen könnten helle, gegliederte Fenster mit stehenden Proportionen für eine ruhigere und menschlichere Fassadengestaltung sorgen.
Kein großer Kubus, sondern ein Ensemble
Besonders wichtig ist dem Regionalverband die Gliederung des Baukörpers. Ein größeres Wohnprojekt müsse nicht zwangsläufig als einheitlicher kubischer Baukörper erscheinen. Unterschiedliche Baukörper, Rücksprünge und Dachformen könnten dafür sorgen, dass sich die Anlage besser in ihre Umgebung einfügt.
Auch geneigte, mit Schiefer gedeckte Dächer könnten nach Ansicht des Verbandes eine moderne Interpretation der regionalen Bautradition ermöglichen.
„Regionalität bedeutet nicht, Fachwerkhäuser zu kopieren oder Fassaden künstlich zu historisieren. Regionalität kann auch bedeuten, mit den Materialien, Farben und Proportionen unserer Landschaft und unserer Baugeschichte zu arbeiten und daraus etwas Neues zu entwickeln.“
Die Kastanie als Mittelpunkt des Quartiers
Besonderes Potenzial sieht Stadtbild Deutschland im geplanten Innenhof. Der Name „Kastanienhof“ könnte dabei tatsächlich gestalterisch aufgegriffen werden.
Eine große Kastanie als Mittelpunkt eines begrünten Innenhofes könnte dem Quartier eine eigene Identität geben. Sitzbereiche, Bepflanzung und natürliche Materialien könnten den Hof zu einem Aufenthaltsort für Bewohner und Besucher machen.
Interessant wäre zudem ein offener Durchgang vom Sohler Weg in den Innenhof. Dadurch könnte der Hof nicht ausschließlich als abgeschlossener privater Bereich wahrgenommen werden, sondern als Teil einer lebendigen städtebaulichen Struktur.
„Ein solcher Durchgang würde eine Verbindung zwischen Straße und Hof schaffen. Gerade bei einem Projekt mit dieser Größe kann dadurch ein Ort entstehen, der nicht wie eine abgeschlossene Wohnanlage wirkt, sondern sich selbstverständlich in das Stadtgefüge einordnet.“
Stadtentwicklung mit regionaler Identität
Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland e. V. möchte mit seinen Anregungen ausdrücklich eine konstruktive Diskussion über die Qualität des Projektes anstoßen.
Neuwied brauche Wohnraum und eine zeitgemäße Stadtentwicklung. Gleichzeitig sollte bei größeren Neubauvorhaben die Chance genutzt werden, Orte mit eigener Identität zu schaffen.
„Wir sehen im Kastanienhof nicht nur ein Bauprojekt mit 39 Wohnungen und Gewerbeflächen. Wir sehen darin auch die Möglichkeit zu zeigen, wie moderne Architektur am Mittelrhein aussehen kann: zeitgemäß, funktional und wirtschaftlich – aber zugleich verwurzelt in Landschaft, Geschichte und Materialität unserer Region.“
PM Regionalverband Unteres Mittelrheintal
Stadtbild Deutschland e. V.
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Alternativer Architekturstil für das Gelönde des Kastanienhofs. Foto: Thomas Napp mit Ki verfeinert