Allgemeine Berichte | 18.08.2014

Neuwieder Ehepaar verwirklicht sich seinen Traum in Ostfriesland

„Moin, Moin auf Gut Fiekensholt“

„Moin, Moin auf Gut Fiekensholt“

Thunum/Neuwied. Während andere ihren Träumen ein Leben lang nachlaufen, haben sich die Eheleute Christa und Frank Kern mit 47 und 52 Jahren ihren lang gehegten Traum erfüllt. Sie verlassen Neuwied, um sich in Thunum/Stedesdorf mit einem kleinen Ladengeschäft und einem Café selbstständig zu machen.

Nach fast dreijähriger Suche haben sie ihr Traumobjekt gefunden, den unter Denkmalschutz stehenden Adelssitz Gut Fiekensholt, ein Nonnenkloster oder Jagdschloss aus dem frühen Mittelalter an der ostfriesischen Nordseeküste. Die gute Grundsubstanz des Gebäudes und die Lage gaben den Ausschlag, das Abenteuer mit einem der letzten Profanbauten im Hartlingerland zu wagen. Erbaut wurde das Haupthaus um 1730 auf einem Gewölbekeller von circa 1558. Es gab viele Veränderungen im Zuge der „Modernisierung“ Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre, was den einstigen Glanz des Dreiseithofes mit seiner großzügigen Hofeinfahrt nur erahnen lässt.

Schon vor Beginn der Sanierungen des ortsbildprägenden Gebäudes bestand an den Neuwiedern ein reges Interesse. Die Presse wollte Interviews mit dem Paar, welches nach langem Leerstand des Gebäudes die Ärmel hochkrempelt, um einen Neubeginn zu schaffen. Nachdem der Denkmalschutz die Baupläne der Eheleute freigegeben hatte, konnte es losgehen.

Der Plan ist, das Gut Fiekensholt mit seinem barocken Haupthaus wieder bestmöglich in seinen Urzustand zurückzusetzen: Die Raumaufteilung wird zurückgeführt, herrschaftliche und gebäudetypische, dunkle Eindeckung des Haupthauses durch schwarze Pfannen und Kastenrinnen, uralte Deckenbalken vor dem Jahr 1700 werden wieder freigelegt, ursprüngliche Raum- und Fensterstrukturen durch Exemplare mit Sprossenaufteilung und kippbaren Oberlichtern. Ein Spezialunternehmen hatte zuvor die Farbschicht des Haupthauses entfernt, denn die Steine sollen zukünftig in Sicht bleiben. Zusätzlich wird ein Treppenaufgang neu angelegt, die hierfür erforderlichen Klosterformatsteine stammen aus einem Abbruchhaus aus einer Nachbargemeinde, weitere Steine kommen aus Brandenburg.

Als es um die Sanierung des Unterbaus des Fußbodens ging, fand Christa Kern neben Schutt und Steinresten Plavuizen, die dicken, in den Niederlanden bekannten Terracotta-Fliesen sowie Tierknochen und Reste der Delfter Fliesen, die auch als Wanddekoration aus der Zeit 1730 im Haus vorhanden sind.

Ebenso hat man schon Gruppen durch die Baustelle geführt und den schon teilsanierten, bereits von neuzeitlichen Installationen befreiten Gewölbekeller aus dem Jahr 1500 gezeigt; dieser soll damals der Teil eines Wohnturms gewesen sein. Sehenswert sind ebenso die beiden Naturdenkmal-Buchen auf dem großen Grundstück, das noch viel Arbeit und einen grünen Daumen braucht - aber auch daran fehlt es nicht. Aber auch dies schreckt die Neuwieder „Auswanderer“ nicht ab, denn in Thunum macht Christa Kern in Hobby zum Beruf und bietet bald in ihrem Landlädchen hausgemachte Köstlichkeiten wie Fruchtaufstriche, Chutneys, Sirup, Feingebäck sowie Stein- und Holzofenbrot an.

Wer den Eheleuten bei den Umbaumaßnahmen „folgen“ möchte, der kann dies über www.gut-fiekensholt.de tun. Im Herbst steht der Umzug nach Ostfriesland an und bis dahin müssen noch einige bauliche Nachtschichten eingelegt werden, bevor es heißt: „Moin, Moin auf Gut Fiekensholt“.

Das Gut Fiekensholt soll in seinen Urzustand zurückgesetzt werden.

Christa Kern fand bei der Fußbodensanierung interessante „Reste“.

Auch die Farbschicht des Haupthauses wurde entfernt.

„Moin, Moin auf Gut Fiekensholt“
„Moin, Moin auf Gut Fiekensholt“

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