Neophytenvortrag in Ehlscheid
Neophyten - invasive Pflanzen im Westerwald verstehen
aus Ehlscheid
Dr. Lutz Neitzert informierte beim Dorf- und Heimatverein Ehlscheid lebendig über Neophyten, ihre Ausbreitungsgeschichte und die Herausforderungen invasiver Pflanzenarten für heimische Ökosysteme im Westerwald. Ein aufschlussreicher Abend über Natur, Klima und Umweltschutz.
Ehlscheid. Vielen in unserer Region ist Dr. Lutz Neitzert durch seine Pilzexkursionen im vorderen Westerwald gut bekannt. Seine Vorträge zur heimischen Pilz- und Pflanzenwelt sind immer sehr lebendig und interessant. Zu einem Infoabend zum Thema „Neophyten – jenseits von Gut und Böse“ hatte der Dorf- und Heimatverein ihn nach Ehlscheid eingeladen. Gemäß dem Titel der Veranstaltung portraitierte Dr. Neitzert die „eingewanderten Pflanzen“, die oft sehr faszinierend sind.
Vielen Anwesenden war gar nicht bewusst, welche Gewächse in unserem Kulturraum alles Neophyten sind. Dr. Neitzert beleuchtete die Wege, die diese Pflanzen nahmen – viele von ihnen wurden durch Königs- und Fürstenhäuser nach Europa gebracht.
Besonders durch Kriegsgeschehen kam es über viele Jahrhunderte dazu, dass sich Neophyten aus Barockgärten und Orangerien heraus unkontrolliert ausbreiteten und vermehrten. Daher empfinden viele Menschen sie heute als heimische Pflanzen: Nachtkerzen, Goldrute, Robinien gehören für viele zum „normalen Bewuchs“. Dr. Neitzert brachte mit seinem detaillierten Wissen seine Zuhörer zum Staunen und Schmunzeln. So widersteht das Berufkraut zum Beispiel sogar Glyphosat und das Riesenbärenklau schaffte es sogar durch einen Song von Genesis zu zweifelhafter Berühmtheit.
Fokus auf invasive Arten und deren Auswirkungen
Doch es war vielen Gästen in der Runde anzumerken, dass für sie besonders die Informationen zu den „invasiven Arten“ von Interesse waren. Dr. Neitzert bestätigte, das viele Fachleute den vormaligen Kampf gegen Pflanzen wie das Indische Springkraut, den japanischen Knöterich, die Kanadische Goldraute aufgegeben haben. Vielfach herrsche die Meinung vor, dass es sich nur lohne intakte Ökosysteme, die von invasiven Arten bedroht sind, zu schützen.
Die Zuhörenden fragten sich aber – berechtigterweise – wieviel intakte Naturgebiete es überhaupt noch gibt. Die Bekämpfung von invasiven Arten ist aufwändig und kann vielerorts nur noch durch engagierte Bürger aufrechterhalten werden. Da auch die Klimaverschiebung das Ausbreiten von sogenannten „Klimaeinwanderern“ begünstigt, verschärft sich die Situation zusätzlich. Dass nicht nur die Pflanzen-, sondern auch die Insektenwelt in einem kritischen Zustand ist, weiß bald jedes Kind.
Auswirkungen auf Ökosysteme durch invasive Pflanzen und Klimawandel
Hochgezüchtete, insektenfeindliche Ziersträucher, Gartenblumen und Stauden, die Auswahl von ungeeigneten Samen in Blühstreifen-Mischungen schwächen unsere Ökosysteme zusätzlich.
Zum Ende des hochinteressanten Vortrages spürten alle, dass das Thema nicht mit einem zufriedenstellenden Fazit beendet werden konnte. Die Vorsitzende des Dorf- und Heimatvereins dankte Herrn Dr. Neitzert für seinen Vortrag und allen Anwesenden für ihr Interesse.
