Traditionelles Schützenfest Neuwied
Neuwieder Schützengesellschaft feiert Schützenfest mit Protektoratsübergabe und neuen Königen
aus Neuwied
Neuwied. Schützenfest der Neuwieder Schützengesellschaft mit besonderem historischem Höhepunkt
Maximilian Fürst zu Wied übernimmt Protektorat – Mona Hanf neue Schützenkönigin, Nils Pickenhahn neuer Jugendkönig
Ein Schützenfest mit besonderer Bedeutung für die Vereinsgeschichte feierte die Neuwieder Schützengesellschaft 1833 e. V. am Samstag, 5. September. Neben dem traditionellen Königsschießen stand in diesem Jahr die Übernahme des traditionsreichen Protektorats durch Maximilian Fürst zu Wied im Mittelpunkt.
Pünktlich um 14 Uhr begrüßte der Vorsitzende Heinz Gräf die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste. Als besonderen Ehrengast hieß er Maximilian Fürst zu Wied sowie den Neuwieder Oberbürgermeister und Ehrenmitglied der Gesellschaft Jan Einig willkommen. Mit drei weithin hörbaren Böllerschüssen aus der Kanone von Joachim Falkenburg wurde das Schützenfest anschließend offiziell eröffnet.
In seiner Begrüßungsansprache erinnerte Heinz Gräf daran, dass sich die 1833 gegründete Neuwieder Schützengesellschaft inzwischen in ihrem 193. Vereinsjahr befindet und damit nur noch sieben Jahre vom großen 200-jährigen Jubiläum im Jahr 2033 entfernt ist. Tradition habe für die Gesellschaft seit ihrer Gründung einen besonderen Stellenwert. Dabei gehe es nicht darum, Vergangenes unverändert zu bewahren, sondern die dahinterstehenden Werte in die Zukunft weiterzutragen.
In einer Zeit ständiger Veränderungen, Digitalisierung und immer schnelleren Wandels sei es wichtig, auch die eigene Herkunft und die gewachsenen Wurzeln nicht aus den Augen zu verlieren. Gräf erinnerte in diesem Zusammenhang an den bekannten Ausspruch: „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“
Besondere Erwähnung fand auch Ehrenmitglied Hans Hartenfels, der der Neuwieder Schützengesellschaft inzwischen seit 70 Jahren angehört und damit das dienstälteste Mitglied der Gesellschaft ist. Am diesjährigen Schützenfest konnte Hartenfels allerdings nicht persönlich teilnehmen.
Es folgte der feierliche Höhepunkt des Nachmittags. Vorsitzender Heinz Gräf bat Maximilian Fürst zu Wied nach vorne, um ihm die Ehrenmitgliedschaft der Neuwieder Schützengesellschaft zu verleihen und zugleich das Protektorat über die Gesellschaft zu übertragen.
Damit wird eine außergewöhnlich lange Tradition fortgeführt, die bis in das Gründungsjahr der Schützengesellschaft 1833 zurückreicht. Nach einem Besuch bei der damals jungen Gesellschaft übernahm der damalige Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen das Protektorat. Nach dessen Tod wurde diese besondere Verbindung durch das Fürstliche Haus zu Wied fortgeführt.
Geschäftsführer Joachim Datzert verlas die eigens für diesen Anlass gefertigte Protektorats- und Ehrenurkunde, die anschließend dem Fürsten überreicht wurde.
In seinen anschließenden Grußworten machte Maximilian Fürst zu Wied deutlich, dass die Übernahme des Protektorats für ihn weit mehr als einen rein förmlichen Akt bedeutet. Er dankte für die Urkunde und besonders für das Vertrauen, das mit ihr verbunden sei. Seit mehr als 150 Jahren begleite seine Familie die Neuwieder Schützengesellschaft von Generation zu Generation. Besonders erinnerte er an seinen Vater, der das Protektorat vor ihm getragen habe und von der Gesellschaft stets als „meine Schützengesellschaft“ gesprochen habe – nicht aus Besitzdenken, sondern aus echtem Zugehörigkeitsgefühl.
Mit einer persönlichen und humorvollen Erinnerung schlug der Fürst zugleich den Bogen zu seinen eigenen ersten Begegnungen mit der Schützengesellschaft. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm das Ostereierschießen. Dabei habe er schon früh gelernt, dass ein erfolgreicher Schütze auch Ausdauer brauche – schließlich müssten die „erlegten“ Eier anschließend zu Hause auch gegessen werden.
Zugleich würdigte Maximilian Fürst zu Wied die Werte, die die Gesellschaft über nahezu zwei Jahrhunderte getragen haben: Disziplin, Ruhe, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, füreinander einzustehen. Sein Dank galt dabei ausdrücklich nicht nur den sichtbaren Akteuren, sondern auch all jenen, die im Hintergrund Verantwortung übernehmen und durch ihr ehrenamtliches Engagement das Fundament des Vereins bilden.
Das Protektorat wolle er daher nicht lediglich als Titel, sondern als Ausdruck der Zugehörigkeit verstehen. Mit Blick auf das bevorstehende 200-jährige Jubiläum der Neuwieder Schützengesellschaft im Jahr 2033 betonte er, diesen Weg gemeinsam mit der Gesellschaft gehen zu wollen. Für die Zukunft wünschte er dem Verein Zusammenhalt, Zulauf, sportlichen Erfolg und ein friedliches Miteinander.
Auch Oberbürgermeister Jan Einig würdigte in seinem anschließenden Grußwort den besonderen Anlass.
Danach eröffneten die scheidende Schützenkönigin Bärbel Bosch und ihr Prinzgemahl Volker Bosch die festliche Kaffeetafel. Gleichzeitig gab Vorsitzender Heinz Gräf das Königsschießen der Jugend und der Erwachsenen frei. Um 14.30 Uhr eröffnete die amtierende Schützenkönigin Bärbel Bosch mit dem ersten Schuss den Wettkampf um die neuen Königswürden.
Bei den Erwachsenen stellten sich 14 Schützinnen und Schützen dem traditionellen Vogelschießen. Bereits mit dem 15. Schuss holte Barbara Bosch den Kopf vom Vogel. Mit dem 26. Schuss folgte Volker Kastrup, der den Schweif abschoss. Den linken Flügel sicherte sich Heinz Gräf mit dem 74. Schuss, der die damit verbundene Auszeichnung an Volker Kastrup weitergab. Joachim Datzert brachte mit dem 123. Schuss den rechten Flügel zu Fall.
Nun ging es um die Königswürde. Nach insgesamt 185 Schüssen war die Entscheidung gefallen: Um 16.42 Uhr löste Mona Hanf den verbliebenen Rumpf vom Königsadler und stand damit als neue Schützenkönigin der Neuwieder Schützengesellschaft 1833 e. V. fest.
Deutlich schneller verlief das Königsschießen der Jugend, bei dem der amtierende Jugendkönig Louis Backes und Nils Pickenhahn antraten. Nils Pickenhahn holte mit dem sechsten Schuss den Kopf und bereits mit dem achten Schuss den Schweif. Louis Backes sicherte sich mit dem 17. Schuss den linken und mit dem 21. Schuss den rechten Flügel. Mit dem 60. Schuss holte Nils Pickenhahn schließlich um 15.45 Uhr den Rumpf vom Vogel und stand damit als neuer Jugendschützenkönig fest.
Auch die Ehrengäste und die anwesenden ehemaligen Schützenkönige bewiesen beim traditionellen Schießen auf die Ehrenscheibe ihre Treffsicherheit. Den besten Schuss gab Volker Kastrup ab, knapp gefolgt von Joachim Datzert. Den dritten Platz belegte Volker Bosch.
Im Anschluss erfolgte die feierliche Inthronisierung der neuen Majestäten. Mona Hanf erhielt die Königskette als sichtbares Zeichen ihrer neuen Würde, ebenso wurde Nils Pickenhahn als neuer Jugendkönig ausgezeichnet. Gleichzeitig wurden die scheidende Schützenkönigin Bärbel Bosch und Jugendkönig Louis Backes mit Dank für ihr zurückliegendes Königsjahr gebührend verabschiedet.
Mit drei weiteren Böllerschüssen aus der Kanone von Joachim Falkenburg wurde der offizielle Teil des Schützenfestes schließlich beendet.
Die neue Schützenkönigin Mona Hanf ließ es sich anschließend nicht nehmen, ihr „Schützenvolk“ zu einem Umtrunk und Imbiss einzuladen. In geselliger Runde klang das gelungene Schützenfest bis in die Abendstunden aus. Durch die Übernahme des Protektorats durch Maximilian Fürst zu Wied wird dieser Tag einen besonderen Platz in der Geschichte der Neuwieder Schützengesellschaft einnehmen.
v.l.n.r. Luis Backes und neeuer Jungschützenkönig Nils Pickenhahn Foto: Heinz Gräf
Jungschützenkönig Nils Pickenhahn, Schützenkönigin Mona Hanf Foto: Heinz Gräf
v.l.n.r. HeinSchützenkönigin Mona Hanf, Bärbel bosch, Jo Datzert, Volker Bosch, S. D. Fürst zu Wied Foto: Heinz Gräf
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v.l.n.r. Vorsitzender Heinz Gräf, S. D. Maximilian Fürst zu Wied, Geschäftsführer Joachim Datzert Foto: Heinz Gräf