Politik | 18.11.2019

St. Josef-Krankenhaus Adenau

Adenauer gehen für „ihr Krankenhaus“ auf die Straße

Auf Plakaten und Schildern brachten die Demonstranten ihren Unmut zum Ausdruck. Fotos: CRO

Adenau. Stadt- und Verbandsgemeinde-Bürgermeister von Adenau sowie der Förderverein St. Josef Krankenhaus e.V. bekommen von Bürgern, Vereinen und Institutionen große Unterstützung bei ihrem Kampf für den Erhalt des Krankenhauses und auch ein Schreiben an die Ministerpräsidentin Malu Dreyer soll dazu beitragen, dass noch Lösungen gefunden werden können.

Bereits 1866 wurde das alte Krankenhaus durch Schwestern des Franziskanerordens erbaut und später, der damaligen Neubau 1966 in Betrieb genommen – der letzte große Umbau fand 1986 statt. Noch im September diesen Jahres erklärte die Marienhaus GmbH als Betreiber, dass es geplant sei, eine geriatrisch-internistische Abteilung, eine internistische Notfallversorgung und den Betrieb einer Notfallpraxis anzubieten und den Notarztstandort beizubehalten. Das chirurgische Angebot sollte von der Finanzierung und vor allem der Gewinnung ausreichenden ärztlichen Personals abhängen. Der damals anwesende Leiter der Abteilung Gesundheit des entsprechenden Ministeriums betonte damals die Unverzichtbarkeit des Krankenhauses für die Region und das man sich nicht mit einer Minimallösung zufriedengeben würde.

Am 6. November kam dann die offizielle Verlautbarung eines Vertreters der Marienhaus Holding GmbH, der über die Schließung der Chirurgie des St. Josef-Krankenhauses zum 31. Dezember 2019 und der Kündigung von 34 Mitarbeitern informierte. Die Chirurgie ist das Herzstück der Einrichtung und es wird befürchtet, dass nach und nach weitere Abteilungen geschlossen werden, bis in wenigen Jahren das Krankenhaus ganz dicht macht. Wird hier vielleicht sogar ein Exempel für weitere Klinikschließungen statuiert? Als Unfall-Hotspot Nähe des Nürburgrings, mit der absoluten Notwendigkeit einer Akut- und Unfallchirurgie, könnten so in Zukunft leicht Kliniken mit geringeren Unfallzahlen den Kittel an die Wand hängen.

Schreiben an Malu Dreyer

Um nichts unversucht zu lassen, die Chirurgie und somit auch das Krankenhaus in Adenau langristig zu erhalten, haben Guido Nisius (Verbandsbürgermeister), Arnold Hoffmann (Stadtbürgermeister) sowie auch der Landrat Dr. Jürgen Pföhler ein Schreiben an die Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf den Weg gebracht, da sie sich noch beim Heimatfest äußerte, dass sie alles dafür tun wolle, dass kleine Krankenhäuser erhalten bleiben. Und um Malu Dreyer auf ihrer nachfolgenden Ehrenamtstour durch die Verbandsgemeinde zu zitieren: „Nach allem, was ich weiß, muss man keine Angst haben, dass das Krankenhaus verschwindet. Wir alle arbeiten daran, dass es nicht in Gefahr gerät…“. An diesen Worten und entsprechenden Taten wird sich die Ministerin auf jeden Fall in Zukunft bei den Bürgern der Region messen lassen müssen.

Und nicht nur ihrer persönlichen Aussagen wegen, denn das Landeskrankenhaus-Gesetz (LKG) besagt eindeutig, dass die Gewährleistung der Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen Krankenhäusern eine öffentliche Landesaufgabe ist (Sicherstellungsauftrag), das durch die Aufstellung eines Landeskrankenhausplanes, des Investitionsprogrammes und mittels Förderung erfüllt werden muss. Die Pflichtaufgabe besteht in der Errichtung und Unterhaltung soweit Krankenhäuser nicht von geeigneten Trägern errichtet und unterhalten werden.

Eine Schließung würde eine nachhaltige Schwächung der ärztlichen und pflegerischen Versorgung zur Folge haben und bedeutet das Gegenteil von dem, was die Landesregierung zum Erhalt und der Stärkung des ländlichen Raumes versprach.

Guido Nisius berichtet, dass bereits am 15. November eine Reaktion aus Mainz kam. „Es hat ein langes Gespräch mit dem Staatssekretär für Gesundheit Dr. Alexander Wilhelm stattgefunden, man ist auf uns aufmerksam geworden. Das Ministerium steht bereits in Kontakt mit dem Betreiber und man spricht über die Möglichkeiten auch das chirurgische Angebot in Adenau aufrecht zu erhalten“. Viele Bürger sind noch skeptisch, ob es sich nicht nur um beruhigende Worte handelt, von denen es auch beim Nürburgringverkauf von der Landesregierung viele gab, denen keine Taten folgten.

Alle Möglichkeiten sollen ausgeschöpft werden

Und um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, haben Guido Nisius, Arnold Hoffmann und Bernd Schiffarth zur großen Demonstration vor dem Rathaus in Adenau aufgerufen. Auf die Frage an Nisius, was man sich von der Demonstration verspricht, da der Betreiber die Marienhaus Unternehmensgruppe im entfernten Waldbreitbach ihren zentralen Sitz hat antwortet er entschieden: „Wir müssen unseren Forderungen die Grund- und Regelversorgung entsprechend des LKG zu sichern Nachdruck verleihen, dabei ist auch die Bürgerbeteiligung ein wichtiger Aspekt.“

Der Zuspruch war schon im Vorfeld riesengroß und wurde mittels Social Media weit verbreitet. Kein Wunder also, dass sich zahlreiche Menschen mit Schildern und Transparenten am Samstag vor dem Rathaus einfanden. Nisius, Hoffmann und Schiffarth ergriffen nacheinander das Wort und bei allen Rednern wurde schnell klar, dass man entschlossen für den Erhalt des St. Josef-Krankenhauses kämpfen wird und sowohl die Landesregierung wie den Betreiber in die Pflicht nehmen muss. Man fordere die Förderung der Grund- und Regelversorgung, wie sie festgeschrieben ist. Eine Notversorgung ist mit keinem der umliegenden Krankenhäuser in den festgelegten 30 Autominuten erreichbar, ganz zu Schweigen bei winterlichen Wetterbedingungen. Stadtbürgermeister Hoffmann betonte auch noch einmal die besondere Situation durch den Nürburgring: „Man stelle sich vor bei einer Veranstaltung mit 90.000 Besuchern wie bei Rock am Ring würde was passieren…“. Bernd Schiffarth, Vorsitzender des Förderverein St. Josef-Krankenhaus e.V. wird noch deutlicher, was die Betreibergesellschaft betrifft und widerspricht vehement dem angeblichen Personalproblem, denn obwohl gute Bewerber zur Verfügung ständen, wurde die Chefarztstelle der Chirurgie und weitere Ärztestellen nicht neu besetzt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Zumal der Förderverein zusammen mit Ärzten ein Zukunftskonzept für das St. Josef-Krankenhaus vorgelegt hatte. Seine Antwort auf die Frage, ob er den Vorsitz des Fördervereins beibehalten wolle; „Ich werde noch einige Zeit der Stachel im Fleisch der Marienhaus-Holding sein“.

Bei allen Reden gab es viel Applaus von den schätzungsweise um die 1000 Demonstranten allen Alters, der verschiedenen Vereine und Zünfte und auch viele Mitarbeiter des Krankenhauses waren vor Ort. Nach der Kundgebung setze sich der Demonstrantenzug über die Hauptstraße zum St. Josef-Krankenhaus in Bewegung. Hier bat man jedoch dann um eine schnelle Auflösung, um den Krankenhausbetrieb nicht zu beeinträchtigen – der Patient stehe immer im Vordergrund.

Die Gespräche über den Fortgang sollen direkt in der kommenden Woche fortgeführt werden.

Die Beteiligung bei der Demonstration war gigantisch.

Die Beteiligung bei der Demonstration war gigantisch.

Verbandsbürgermeister Guido Nisius begrüßt die zahlreichen Demonstranten und findet klare Worte für seine Forderungen.

Verbandsbürgermeister Guido Nisius begrüßt die zahlreichen Demonstranten und findet klare Worte für seine Forderungen.

Auf Plakaten und Schildern brachten die Demonstranten ihren Unmut zum Ausdruck. Fotos: CRO

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