Lärmaktionsplan soll Entlastung für Wormersdorf, Niederdrees und Oberdrees bringen
Ausschuss entschied einstimmig
Rheinbach. Einstimmig befürwortete der Ausschuss für Stadtentwicklung den Lärmaktionsplan der Stadt Rheinbach. Darin werden die Maßnahmen festgelegt, um die Lärmbelastung der Anwohner entlang der Autobahn A61 in den kommenden Jahren auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist dabei der Bau einer Lärmschutzwand entlang der Ortslage von Wormersdorf. Die Grundsatzentscheidung für den Bau sei bereits gefallen, hatte erst neulich der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen mitgeteilt. Da man keine Planfeststellung benötige, sei mit einem Baubeginn frühestens Ende 2015 zu rechnen.
In umfangreichen Untersuchungen waren zuvor auf der Grundlage von Lärmkarten die Lärmquellen und die von ihnen ausgehenden Lärmbelastungen sowie die Anzahl der betroffenen Menschen dargestellt worden.
Demnach gibt es rund um Rheinbach fünf Straßen, die einen derartigen Krach verursachen, dass Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssten. Zum einen sei das die Autobahn A 61 mit etwa 14,5 Millionen Fahrzeugen pro Jahr, dann aber auch die Landstraße L 158 Richtung Meckenheim mit etwa 5,1 Millionen Fahrzeugen pro Jahr, die Bundesstraße 266 als Stadtumgehung mit knapp 4,8 Millionen Fahrzeugen pro Jahr, die L 113 Richtung Flerzheim mit 3,1 Millionen Fahrzeugen pro Jahr sowie die L471 Richtung Wormersdorf mit 3 Millionen Fahrzeugen pro Jahr.
20 Prozent des Stadtgebietes betroffen
Rund 20 Prozent des Rheinbacher Stadtgebietes müsse Verkehrslärm von mehr als 55 dB(A) durch Hauptverkehrsstraßen aushalten, erläuterte Fachbereichsleiter Robin Denstorff. Gut ein Drittel davon verspürte erhebliche Belästigungen mit mehr als 65 dB(A), weitere sieben Prozent seien statistisch im Tagesdurchschnitt sogar mit mehr als 75 dB(A) einer derart starken Belästigung ausgesetzt, dass sie ohne Schutzmaßnahmen beim dauernden Aufenthalt von Menschen als besonders gefährdend einzustufen sei.
In diesem Bereich befänden sich jedoch keine Wohnungen, so Fachbereichsleiter Robin Denstorff.
Zwar seien mit etwa 1041 Wohnungen rund acht Prozent des Gesamtwohnungsbestandes von Straßenverkehrslärm betroffen, der mit mehr als 55 dB(A) als störend zu bezeichnen sei. Das betreffe etwa 2100 Menschen in unterschiedlicher Weise. Etwa 70 Personen lebten nach den vorliegenden Daten in Bereichen, in denen der Auslösewert von 70 dB(A) tagsüber erreicht werde, oberhalb dessen Schallschutzmaßnahmen in Erwägung gezogen werden sollten. In den Nachtstunden sehe es ähnlich aus, 84 Einwohner wohnten in Bereichen mit einem nächtlichen Durchschnitts-Schallpegel oberhalb von 60 dB(A).
Westlicher Ortsrand von Wormersdorf im Mittelpunkt
Zwar seien sowohl der östliche Ortsrand von Niederdrees, der ganze Ortsteil Peppenhoven, der westliche und östliche Rand von Ramershoven, der nordöstliche Rand der Kernstadt, der Wohnplatz Klein-Altendorf und der östliche Ortsrand von Wormersdorf davon betroffen. Die Auslösewerte für eine Lärmaktionsplanung werden aber lediglich in einem kleinräumigen Bereich überschritten und reduziere sich im Wesentlichen auf den westlichen Ortsrand von Wormersdorf.
Als wirksame Gegenmaßnahmen empfiehlt der Lärmaktionsplan, auf der Autobahn tagsüber Tempo 100 und nachts Tempo 80 von der nördlichen bis zur südlichen Stadtgrenze einzuführen. Außerdem sollen bei Fahrbahnsanierungen besonders leise Asphaltsbeläge zum Einsatz kommen. Für den östlichen Ortsrand von Wormersdorf soll nicht zuletzt die besagte Schallschutzwand gebaut werden.
Passive Lärmschutz von großer Bedeutung
Die Bewohner der betroffenen Häuser selbst könnten auch etwas tun, indem sie passive Lärmschutzmaßnahmen für ihre Häuser ins Auge fassen, ergänzte Bürgermeister Stefan Raetz. Das könne beispielsweise durch den Einbau von Schallschutzfenstern geschehen. Hier gebe es auch diverse Zuschussmöglichkeiten, über die die Stadtverwaltung in einer Bürgerinformationsveranstaltung Auskunft geben werde.
Wormersdorfs Ortsvorsteher Günter Zavelberg wies darauf hin, dass man schon seit 1984, um die Sache gekämpft habe.
„Daran waren alle Parteien im Stadtrat beteiligt und insbesondere die Bürgerinitiative.“ Schon 1984 habe man in Wormersdorf mehr als 800 Unterschriften gesammelt und sei seither über alle Fraktionen hinweg stets an der Sache dran geblieben. Die Mandatsträger aller Parteien auf allen Ebenen seien immer wieder mit der Sache befasst und sämtliche zuständigen Behörden unablässig auf die Missstände hingewiesen worden. Auch die Rheinbacher Stadtspitze habe das Vorhaben immer tatkräftig unterstützt, die Bürgerinitiative „Lärmschutz für Wormersdorf“ habe sich ebenfalls unermüdlich dafür eingesetzt. Er halte es daher für unverschämt, wenn die UWG sich jetzt in Presseerklärungen anmaße, den Erfolg dank eines 2013 gestellten Antrages auf Errichtung einer Lärmschutzwand für sich allein zu reklamieren. Zum Glück wüssten die Bürger sehr wohl, wie die Wahrheit aussieht und würden der UWG diesen Affront nicht so schnell vergessen, sagte er voraus.
Unterschiedliche Einschätzungen in der Bevölkerung
Auch Ute Krupp (SPD) erinnerte sich daran, „dass diese Geschichte die Wormersdorfer schon lange beschäftigt.“ Allerdings gebe es innerhalb der Bevölkerung auf unterschiedliche Einschätzungen, beispielsweise hätten einige Bewohner der „Beierwiesen“ Befürchtung, dass durch eine Lärmschutzwand der Autobahnkrach verstärkt zu ihren Häusern geleitet werde. Gottlob habe man mittlerweile eingesehen, wie schädlich der Lärm für die Gesundheit sei, und dass man etwas dagegen tun müsse. „Wir dürfen die Bürger in dieser Sache nicht im Stich lassen“, mahnte sie, jetzt nicht den Fuß vom politischen Gaspedal zu nehmen. Auch ihr Dank galt insbesondere der Bürgerinitiative um Richard Feldmann, die die Angelegenheit immer wieder in den Fokus gerückt habe.
Für die UWG bescheinigte Jörg Meyer der BI, die meiste Arbeit geleistet zu haben. Das gewünschte Tempolimit auf der Autobahn komme aber nicht nur Wormersdorf, sondern auch mehreren anderen Ortschaften entlang der Autobahn zugute. „Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Meyer. „Die Grünen freuen sich auch“, erklärte Anne Mäsgen und wies besonders darauf hin, dass die Temporeduzierung vor allem für Oberdrees und Niederdrees Verbesserungen bringen würden.
Kreisstraße 61 fehlt noch
Kurt Brozio (CDU), Ortsvorsteher von Oberdrees, bemängelte allerdings, dass die Kreisstraße K 61, die von Oberdrees über Niederdrees nach Miel zum Autobahnanschluss führt, in der Planung noch fehle, weil wohl die Fahrzeugfrequenz ganz knapp unter den Vorgaben liege. Hier müsse man schauen, ob man diese nicht doch noch nachträglich in den Lärmaktionsplan einbeziehen könne.
Zum Schluss machte Raetz aber auch deutlich, man allein mit den aktiven Maßnahmen, die jetzt mit dem Lärmaktionsplan ergriffen würden, ist alle Probleme gelöst werden könnten. „Wir werden die Straßen hier nicht wegbekommen“, sagte er voraus. Deshalb sei es insbesondere für die Eigentümer von Bestandsimmobilien von größter Wichtigkeit, den passiven Lärmschutz an ihren Gebäuden nicht aus den Augen zu verlieren. Hierzu werde es in absehbarer Zeit eine Bürgerinformationsveranstaltung geben, in der auch Fördermöglichkeiten für solche Investitionen erläutert werden sollen.
