Politik | 09.12.2022

Beschluss bezüglich einer „Verbindungsspange Rheinanlagen Süd“ bringt Bürger auf den Plan

„Bad Hönninger gegen Verschwendung“

Etliche Bad Hönninger folgten der Einladung zur Gründung einer Bürgerinitiative

Bei einem Treffen Bad Hönninger Bürger im Gemeindesaal der evangelischen Kirche führte der durch den geplanten Straßenbau beeinträchtigte Nachbar Wolfram Baudach durch den Abend. Presbyter Marcel Schmitz führte Protokoll.  Fotos: CD

Bad Hönningen. Seit etwa vier Wochen brodelt es in den Gemütern der Bad Hönninger Bürger. Anlass ist die am 5. November im Bad Hönninger Stadtrat beschlossene Aufstellung eines Bebauungsplanes zur „Verbindungsspange Rheinanlagen Süd“ (siehe Blick aktuell Linz/Unkel Nr.45/2022) mit neun Stimmen und einer Gegenstimme.

Dabei soll ein für drei Parteien geeignetes Haus (Hauptstraße 58) abgerissen werden, um eine neu zu bauende Straße als Verbindung von der Hauptstraße zwischen der evangelischen Kirche und dem Gästehaus Sonnenschein bis hinunter zu den Rheinanlagen und weiter zum Campingplatz einzurichten.

„Ich habe davon am 11. November aus dem amtlichen Mitteilungsblatt blick aktuell gehört“, erzählte der direkt an das abzureißende Haus angrenzende Nachbar, Wolfram Baudach, der mit seiner Lebensgefährtin dort eine Pension führt. „Ich sehe keine Möglichkeit, das Haus abzureißen, ohne, dass mein Haus in Mitleidenschaft geraten wird“, meinte Baudach, der unter anderem sein Haus um einen Aufzug für die Gäste ergänzt habe, der direkt an das abzureißende Haus grenze. Der zweite Anlieger ist die Evangelische Kirchengemeinde mit ihrem Kirchgarten, in dem Gottesdienste und Chorabende sowie Kinderspieltreffen stattfänden, so deren Vertreter Pfarrer Christoph Schwaegermann.

Beide Anlieger haben große Bedenken ob der neu zu errichtenden Straße, welche von etlichen Bad Hönningern geteilt werden. „Es ist so ärgerlich, dass gar nicht über Alternativen gesprochen wird“, setzt sich auch Bad Hönningerin Jutta Häger ein.

Das abzureißende Haus aus dem Besitz der Firma Kandelium Barium Strontium GmbH & Co. KG (ehemalige Solvay) sollte laut Baudach einer Mitarbeiterin verkauft werden, die bereits Finanzierung, Renovierungsarbeiten und Notartermin fest gemacht hatte und mit drei Parteien als Mehrgenerationennutzung dort einziehen wollte. „Die Stadt hatte allerdings schon im Frühjahr Interesse kundgetan“, berichtete Stadtbürgermeister Reiner W. Schmitz im Telefonat. „Das war unglücklicherweise von der beauftragten Immobilienfirma nicht beachtet worden“, so Schmitz weiter. Die Stadt habe dann im Oktober von ihrem kommunalen Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht.

Die Bürger wollen den Beschluss nicht einfach hinnehmen. „Bei ersten Unterschriftensammlungen waren bereits 98 Prozent gegen den geplanten Bau“, wusste Baudach. So luden engagierte Bürger am 7. Dezember alle Interessierten in den Gemeindesaal der evangelischen Kirche ein, mit dem Ziel, eine Bürgerinitiative zu gründen, um den geplanten Bau der Verbindungsstraße zu verhindern. Eine solche braucht man, um später mit einem Bürgerbegehren Einspruch erheben zu können.

Der Andrang war groß. „Uns scheint der Beschluss der Stadt eine Maßnahme zu sein, die nicht im allgemeinen Interesse der Stadt und der Bürger liegt, sondern im Interesse des Thermenbetreibers und des Campingplatzes. Wer sonst hätte davon Nutzen?“, so der Tenor auf der Bürgerversammlung.

Mehrere Kritikpunkte

Neben eventueller Mitleidenschaft der Nachbarhäuser, Lärmbelästigung und Vernichtung von etwa 2250 Quadratmetern Grünfläche der Rheinanlagen (laut Berechnung Baudachs) stand für die Bürger die herrschende Wohnungsnot im Vordergrund. So wurde der Fokus bei der Bürgerversammlung besonders auf drei Punkte gelegt:

1. Kostenfaktor: Die Stadt sei hoch verschuldet. Wer soll das bezahlen? Bestünde eventuell sogar die Absicht, Kosten auf Bürger umzulegen oder die Anlieger zu belangen?

2. Abriss eines intakten dreistöckigen Wohnhauses

3. die Alternativlosigkeit, mit der der Stadtrat die Bürger vor Tatsachen gesetzt habe.

Die anwesenden Bad Hönninger diskutierten energisch und mit breit gefächerten Argumenten die Konsequenzen des geplanten Projektes. „Wohnraum wird auch in Bad Hönningen dringend benötigt“, sagte Häger, die unter anderem in der Flüchtlingshilfe aktiv ist. Zu den diskutierten Abriss-Konsequenzen gab es verschiedene Alternativ-Vorschläge, den Bau der Straße zu verhindern, indem man bereits bestehende Wege nutzen könne, Schilder umsetzen und Einbahnstraßen bei leichter Verbreiterung aufheben könne, einen bereits genutzten Zuweg zum Campingplatz am Rhein auszubauen und damit sämtlichen Camping-Verkehr aus der Stadt zu lassen.

Doch wie gibt man dem Kind einen Namen? „Gegen den Irrsinn“ und „Wir für Bad Hönningen“ waren nur zwei der vielen Vorschläge. Nach ergiebigem Gespräch wurde die Bürgerinitiative „Bad Hönninger gegen Verschwendung“ mit über 20 Beteiligten gegründet. Dabei wurde die Verschwendung von Wohnraum, Grünanlagen und Geldern genannt. Die drei Ansprechpartner, die man für eine solche Bürgerinitiative und dann später das eventuelle Bürgerbegehren braucht, sind Wolfram Baudach (baudach@hotmail.de, 0 26 35 92 26 66), Christoph Schwaegermann (christoph.schwaegermann@ekir.de, 0 26 35 237 5) und Michelle Weißenfels (wfelsmi@gmail.com, 01 57 34 87 85 27). Die Ansprechpartner helfen bei Fragen weiter. Neue Mitglieder sind willkommen. Mit dieser Bürgerinitiative besteht nun die Möglichkeit, sich auf ein „Bürgerbegehren“ vorzubereiten. Das Bürgerbegehren bereitet dann einen Bürgerentscheid vor.

In Rheinland-Pfalz erhebt mit einem Bürgerbegehren nicht ein einzelner Bürger, sondern ein gemeindliches Organ Einspruch gegen eine Angelegenheit der Gemeinde. Bis zu vier Monate nach Ratsbeschluss könne man Unterschriften sammeln und mit 15 Prozent Unterschriften der Wahlberechtigten offiziell Einspruch erheben.

Nächstes Treffen der Bürgerinitiative ist am Mittwoch, 4. Januar 2023 um 19 Uhr im unten liegenden Gemeindesaal der Evangelischen Kirche, Hauptstraße 52 in Bad Hönningen.

Dieses für drei Parteien geeignete Wohnhaus in der Hauptstraße 58 müsste für den Bau einer neuen Verbindungsstraße zu den Rheinanlagen geopfert werden.

Dieses für drei Parteien geeignete Wohnhaus in der Hauptstraße 58 müsste für den Bau einer neuen Verbindungsstraße zu den Rheinanlagen geopfert werden.

Ansicht von hinten, Rheinanlagen: Mittig ist das abzureißende Drei-Familien-Wohnhaus zu sehen, das direkt an die Ferienpension stößt, auf der anderen Seite an den Kirchgarten der Evangelischen Kirche.

Ansicht von hinten, Rheinanlagen: Mittig ist das abzureißende Drei-Familien-Wohnhaus zu sehen, das direkt an die Ferienpension stößt, auf der anderen Seite an den Kirchgarten der Evangelischen Kirche.

Bei einem Treffen Bad Hönninger Bürger im Gemeindesaal der evangelischen Kirche führte der durch den geplanten Straßenbau beeinträchtigte Nachbar Wolfram Baudach durch den Abend. Presbyter Marcel Schmitz führte Protokoll. Fotos: CD

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 1

  • Rüdiger Knieps: Kesseling im Kreis Ahrweiler
  • Michael Kroeger: Bestätigung Wahlergebnis am 13.4.2026. Mark Geimer wird Stadtbürgermeister. Unterschrift Nutzungsvertrag Windkraft am 17.4.2026 durch den 1. Beigeordneten Werner Lahme. Die Vereidigung Mark Geimer als...
Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Kirmes in Polch
Rund ums Haus
Schulhausmeister
Empfohlene Artikel
Der marode Zustand der L 83 ist in Kempenich Dauerthema.  Foto: Jochen Seifert
334

Der Artikel zeigt deutlich das Dilemma mit der Sanierung von Landes- und Kreisstraßen im Kreis Ahrweiler. Dem LBM ist der Zustand der L 83 von der K 18 bis nach Kempenich bekannt – das freut mich. Offensichtlich nicht bekannt ist der miserable und verkehrsgefährdende tatsächliche Zustand, denn dann hätte man die Straßen längst saniert. Der benannte Abschnitt der L 83 stand schon im Investitionsplan Landesstraßen der Landesregierung von 2019 – 2023 mit insgesamt 1,934 Millionen Euro.

Weiterlesen

Die CDU Rheinbreitbach freut sich auf viele Gäste beim Burgfest am 26. April.  Foto: Heinz-Werner Lamberz
23

Rheinbreitbach. Der CDU-Ortsverband Rheinbreitbach lädt ein zum Burgfest am Sonntag, 26.04.2026 ab 15:00 Uhr in und um die Obere Burg, Schulstraße 7a in Rheinbreitbach. Angeboten werden leckere, von Mitgliedern gebackene Kuchen, selbstverständlich auch Kaffee, Tee sowie andere alkoholische und alkoholfreie Getränke. Natürlich besteht Gelegenheit zu Gesprächen untereinander sowie mit Abgeordneten und Kommunalpolitikern.

Weiterlesen

Flutschäden im Juli 2021.  Foto: ROB
1049

Als Bürger dieses Landkreises fühle ich mich nicht gut beraten und auch nicht sonderlich beschützt, wenn man beim lesen des Artikels, in dem der Leiter der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz im Kreis Ahrweiler Stellung bezieht. Man könnte den Eindruck erhalten, dass die PR-Maßnahme der Verwaltung auf jeden Fall eines bewirken soll – und zwar zu Beschwichtigen. In dem Artikel war besonders und in erstaunlicher Weise zu erfahren, was alles nicht geht oder länger dauern wird.

Weiterlesen

Weitere Artikel
15

Kostenlose Beratung und Unterstützung

Beratungsleistungen der Gemeindeschwesterplus

Kreis Neuwied. Die Gemeindeschwesterplus bietet kostenlose Beratung und Informationen zu gesundheitlichen Themen wie Sturzprävention, Ernährung, Bewegung und vielen weiteren Aspekten - auch bei Hausbesuchen.

Weiterlesen

Symbolbild.
103

Astrologische Vorschau für die KW 18: Gesundheit, Liebe und Erfolg im Fokus bei den Sternzeichen

Sterne im Blick: Horoskop für die Woche 27. April bis 3. Mai 2026

Mit dem Übergang vom April in den Mai beginnt eine Woche, die von Aufbruch, Begegnungen und kleinen Wendepunkten geprägt ist. Rund um den 1. Mai rücken Feste, Traditionen und zwischenmenschliche Beziehungen in den Mittelpunkt. Das Feiern in den Mai hinein sorgt für Leichtigkeit, während alte Bräuche wie das Aufstellen des Maibaums für romantische Zeichen und neue Impulse stehen. Gleichzeitig fordert die Woche dazu auf, auf die eigene Balance zu achten und Chancen bewusst zu nutzen.

Weiterlesen

14

Jiddische Musik und Märchen

Klezmer märchenhaft

Koblenz. Klezmer märchenhaft - Jiddische Musik und Märchen am Samstag, 2. Mai 2026, 18 Uhr in der Christuskirche Koblenz, Friedrich-Ebert-Ring / Hohenzollernstraße.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag
Dauerauftrag 2025
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Kirmes Polch 2026
Kirmes Polch 2026
Rund ums Haus Daueranzeige
Heizölanzeige
Suchen Auslieferungsfahrer
Kirmes Polch
Kirmes Polch
Kirmes in Löhndorf
Löhndorfer Kirmes
Stellenanzeige Auszubildung zum/zur Umwelttechnologen/in
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Titelanzeige
Maibaumstellen in Heimersheim