Peter Mohr informiert über das Schicksal der Juden in Rheinbach
Beim Rundgang an Deportation und schreckliche Einzelschicksale erinnert
Hobby-Historiker und Mitglied der Initiative „Stolpersteine“ bietet weitere Stadtführungen zum Thema an
Rheinbach. Nachdenklich begann der Rundgang, und nachdenklich endete er. Eine Handvoll Rheinbacher Bürger ging am Samstagnachmittag zwei Stunden durch die Straßen und Gassen der Stadt und erfuhr dort von Peter Mohr, was vor allem im Februar 1942 in Rheinbach passierte und welche Schicksale hinter den 35 Namen deportierter Juden stehen. Peter Mohr ist Hobby-Historiker aus Leidenschaft und interessiert sich vor allem für die schreckliche Zeit des Naziterrors, in der Juden in Nacht- und Nebelaktionen aus ihren Häusern geholt und deportiert wurden. 35 von ihnen fanden den Tod in den Vernichtungslagern. Die Bürgerinitiative „Rheinbacher für Stolpersteine“ hatte in den politischen Gremien versucht, diese Erinnerungssteine in der Stadt verlegen zu lassen. Im Stadtrat schließlich waren sie gescheitert - wenn auch nur denkbar knapp mit Stimmengleichheit. Peter Mohr ist engagiertes Mitglied dieser Initiative, ebenfalls die anderen Teilnehmer des Rundgangs. Der führte in der City an die Häuser, wo bis 1942 die Juden gelebt hatten, die von den Nazis dann ermordet wurden.
Mit teilweise sehr deutlichen Worten ging Mohr bei seiner Einführung darauf ein, dass es die Mehrheitsfraktionen von CDU und FDP gewesen seien, die das Anliegen der Initiative torpediert hätten. „Unsere Initiative muss nach den bisherigen Aktionen und dem knappen Scheitern unseres Anliegens erst einmal ein wenig Luft holen. Wir werden uns in Kürze treffen und über das weitere Verfahren beraten. Auf jeden Fall wollen wir nicht locker lassen und setzen uns weiter für die Verlegung der Stolpersteine ein“, erklärte auch Gert-Uwe Geerts, ein weiterer Motor der Bürgerinitiative. Aufgegeben haben auch sie nicht, betonten Waltraud Dettling, Kurt Dziubek und Ingrid Schormann, die sich von Mohr noch einmal bei den entsprechenden Häusern informieren ließen. Mit sehr detailliertem Wissen aus der Zeit von 1942 hatte Peter Mohr zu allen 35 deportierten Juden viel zu berichten. Aber er nannte auch etliche Namen damals beteiligter Deutscher. In diversen Archiven von der Stadt bis zum Land hatte er Lebensdaten der Deportierten zusammengetragen. Er fand Informationen über: Religion israelitisch oder mosaisch (später erst jüdisch); Heirat, Scheidung, Tod oder verzogen nach; durch das NS-Regime herbeigeführten Tod, zum Beispiel „für tot erklärt 8.5.1945“ oder „gestorben 5.9.42 in Theresienstadt“.
Einige der Juden waren vor der Deportation geflohen und in alle Welt verstreut worden. Die in der Stadt Gebliebenen wurden größtenteils nach Endenich transportiert, konnten kaum etwas von ihrer Habe mitnehmen. In Zügen zusammengepfercht traten sie von dort den Weg in Übergangslager und schließlich Konzentrationslager an. Dort kamen sie unter teilweise grausamen Bedingungen ums Leben, wie Mohr berichtete. Zu allen Schicksalen konnte er die Familiengeschichten schildern. Fast alle Häuser sind heute nicht mehr wiederzuerkennen, Mohr hatte die Stolpersteine symbolisch mitgebracht. Die Original-Steine werden von dem Kölner Künstler Gunter Demnik in ganz Europa verlegt. 32.000 dieser Mahnmale liegen bereits in 750 Orten. Mehr als 1600 Rheinbacher hatten sich mit ihrer Unterschrift der Initiative angeschlossen. Die Steine sollen daran erinnern, was in der Nazizeit hier passiert ist und dass es keine Art von Extremismus mehr geben dürfe, Ein Thema, das heute wieder aktuell ist und gerade nach den NSU-Morden erneut für viele Diskussionen gesorgt hatte.
Viele Namen, Schicksale, Grausamkeiten und schreckliche Familiendramen schilderte Mohr bei dem Rundgang.
Damit diese Informationen über Rheinbacher Geschichte auch im Bewusstsein der Bevölkerung ankommen, bietet Mohr allen Interessenten an, auch sie zu den betroffenen Häusern zu führen und dabei einen Vortrag zu halten. Wer mehr über die Historie der Stadt in der Nazizeit wissen möchte, wendet sich an Peter Mohr, Tel. (0 22 26) 1 48 06, Gansweide 31, 53359 Rheinbach, barbara.petermohr@yahoo.de. „Wenn sich einige Interessenten gemeldet haben, werden wir einen Termin machen, ich denke da an maximal zehn Leute. Sind es mehr, gehen wir eben ein paar Mal.“
Der Jude Josef Geisel vor seinem Haus an der Rheinbacher Hauptstraße vor einem Aufmarsch 1936. Obwohl er hätte fliehen können, blieb er und wurde abtransportiert. Foto: Repro WM
