SPD Ortsverein Rheinbach macht es rechtskräftig
Dietmar Danz tritt bei der Bürgermeisterwahl an
Rheinbach. Jetzt ist es amtlich: Für die SPD wirft der Flerzheimer Dietmar Danz seinen Hut in den Ring bei der bevorstehenden Bürgermeisterwahl in Rheinbach. Einstimmig wählten ihn die Rheinbacher Sozialdemokraten bei der nun auch rechtlich gültigen Kandidatenaufstellung im Haus Streng zum Gegenspieler von Amtsinhaber Stefan Raetz (CDU), der sich bei der Kommunalwahl am 25. Mai vorzeitig zur Wahl stellt.
„Dietmar Danz ist der Gegenentwurf zur Arroganz der Macht der letzten Jahrzehnte in Rheinbach“, erklärte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Folke große Deters diese Personalie. Danz war im November schon einmal nominiert worden, was allerdings nicht rechtsgültig war, weil zu diesem Zeitpunkt Raetz den Verzicht auf seine Restamtszeit noch nicht mitgeteilt hatte und daher noch gar keine Bürgermeisterwahl anberaumt war.
Der 62-jährige Stadtverwaltungsdirektor Dietmar Danz war der einzige Bewerber, nachdem der Wormersdorfer Walter Viethen, der ursprünglich ebenfalls hatte antreten wollen, schon im November seine Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte. Danz erhielt 28 Ja-Stimmen der anwesenden Sozialdemokraten im „Haus Streng“, ein Mitglied enthielt sich. Insgesamt hat der SPD-Stadtverband Rheinbach rund 140 Mitglieder.
Der gebürtige Wuppertaler, der dort unter anderem hauptamtlicher Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion war, wohnt seit 2006 in Rheinbach, ist seit 2010 stellvertretender Vorsitzender der örtlichen SPD und seit kurzem auch Mitglied des Stadtrates. Er leitet seit 16 Jahren das Zentrale Immobilienmanagement bei der Stadt Euskirchen in Form eines Kommunalen Eigenbetriebes.
„Meine Kandidatur ist kein Selbstzweck“, machte Danz klar und erläuterte, dass er durchaus die fachlichen und politischen Voraussetzungen mitbringe, Bürgermeister einer Stadt mit rund 27.000 Einwohnern zu werden. Schließlich leite er einen kommunalen Eigenbetrieb mit rund 50 Mitarbeitern und einem Wirtschaftsplan in Höhe von zwölf Millionen Euro. Viele Jahre lang habe er ehrenamtlich als Ortsvereinsvorsitzender in einem Wuppertaler Quartier Kommunalpolitik mitgestaltet und zudem als hauptamtlicher Fraktionsgeschäftsführer der „Regierungsfraktion“ SPD in Wuppertal, einer Stadt mit rund 360.000 Einwohnern, sieben Jahre lang gesamtstädtische Belange begleitet und beeinflusst. „Ich kann Kommunalpolitik und kommunale Verwaltung!“
Drei zentrale Eckpunkte des Selbstverständnisses
Danz nannte drei zentrale Eckpunkte, die im Mittelpunkt seines Selbstverständnisses stünden. Er räume der Bildung in der Stadt erste Priorität ein. „Das beginnt bei der angemessenen U3-Betreuung, setzt sich fort über ein wohnortnahes Angebot an Grundschulen und schließt ein attraktives schulisches Angebot im Bereich der weiterführenden Schulen mit ein.“
Bildung sei in der Gesellschaft ein bestimmendes Element für individuelle Lebenschancen, Selbstverwirklichung, beruflichen Erfolg sowie soziale, politische und kulturelle Teilhabe. Das Bildungssystem müsse die Voraussetzungen schaffen, jedem Kind die bestmögliche Entwicklung zu ermöglichen. „Bildungschancen dürfen nicht länger von der sozialen Herkunft oder den Kontostand der Eltern abhängig sein“, rief Danz unter dem Beifall der Parteimitglieder. Hier sei auch die Kommune gefordert, die trotz knapper Kassen für eine angemessene schulische Ausstattung zu sorgen habe. Das gelte in besonderem Maße auch für die Dörfer rund um Rheinbach.
Eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen ist für Danz der demographische Wandel. Der werde zu sichtbaren und spürbaren Veränderungen, gerade auf der Ebene der Kommunen, führen. „Praktisch alle Lebensbereiche werden von diesem Strukturwandel erfasst“, sagte Danz voraus. Es sei wichtig, die Rheinbacher Kernstadt als attraktiven Wohnstandort zu erhalten. Gleichzeitig dürfe man aber die Dörfer nicht aus dem demographischen Blickwinkel verlieren, insbesondere unter dem Aspekt der Bereitstellung generationengerechter Wohnformen und der Sicherung des Altwerdens in gewohnter Umgebung.
„Wir leben das offene Rathaus“
„Wir leben das offene Rathaus“, versprach er, ein Bürgermeister zu sein, der mit den Bürgern auf Augenhöhe diskutiere. „Politik der Hinterzimmer, Politik in Kungelrunden entsprechen nicht meinem Verständnis von politischer Diskussionskultur.“ Ihm sei das persönliche Gespräch wichtig, der Ortstermin, um ein Problem im unmittelbaren Umfeld mit den Betroffenen zu diskutieren. Zudem wolle er die Vorbehalte gegenüber der Bürgerbeteiligung innerhalb der Verwaltung überwinden: „Wir brauchen eine neue Kultur der Bürgerbeteiligung und keine Abschreckungshaltung durch das Rathaus.“ Der Umgang mit der Initiative Energiewende und der Initiative Stolpersteine seien Beispiele, wie engagierte Mitbürger bewusst vor den Kopf gestoßen worden seien. Für ihn hingegen sei Bürgerbeteiligung bei den zentralen Zukunftsthemen eine wichtige Voraussetzung, um zu akzeptierten Lösungen zu kommen. Desaströs sei die finanzielle Situation der Stadt, die Ursachen zum großen Teil hausgemacht und Folge eines kommunalen Missmanagements. „Wir brauchen eine schonungslose Analyse und Benennung aller Risiken der nächsten Jahre“, forderte Danz. Abgesehen davon werde es mit ihm keine weitere Änderung bestehender Verträge mit dem privaten Badbetreiber zulasten der Stadt geben. „Monte Mare ist das persönliche Waterloo des noch amtlichen Bürgermeisters Raetz“, behauptete der SPD-Kandidat. Und er werde als Flerzheimer auch die Interessen der Rheinbacher Ortschaften nicht aus dem Auge verlieren.
