Remagener Grüne diskutieren über europäische Landwirtschaftspolitik und ihre Auswirkungen auf Stadt und Kreis
Echter Naturschutz wird kaum gefördert
Remagen. Wirklicher Naturschutz wird in Europa nicht einmal auf fünf Prozent der gesamten Agrarflächen gefördert. Dabei gibt alleine die EU-Kommission in Brüssel pro Jahr fast 60 Milliarden Euro für die Bauern in Europa aus. 6,2 Milliarden Euro fließen dabei alleine nach Deutschland. Auf der Mitgliederversammlung der Remagener Grünen in der „Casa Antonio Lopez“ referierte Simon Keelan zum Thema „Auswirkungen der europäischen und deutschen Landwirtschaftspolitik auf die kommunale Ebene“. Sehr schnell wurde dabei deutlich, dass hier sehr viel Geld umgesetzt wird, aber der Großteil der Brüsseler Gelder unabhängig von ökologisch wertvollen Beiträgen der Landwirtschaft gezahlt wird.
So bekommt der Schweinezüchter in Niedersachsen, der seine Äcker nur als Deponie für die Schweinegülle betrachtet und damit das Grundwasser mit Nitraten verseucht, ebenso viel Grundförderung wie der Biobauer, der ganz ohne chemischen Dünger auskommt, und weder Pflanzengifte noch Pestizide einsetzt. Der Referent wies allerdings auf zusätzliche Förderprogramme hin, die Europa-, Bundes- und Landesmittel vereinen und zum Beispiel in Rheinland-Pfalz unter dem Kürzel EULLE Umweltmaßnahmen in der Landwirtschaft förderten, wie den Anbau besonders umweltverträglicher Pflanzen, die ökologische Landwirtschaft, die Anlage von Streuobstwiesen oder, im Ahrtal besonders wichtig, den Erhalt der Steilstlagen im Weinbau. Leider würden aber nur Einzelmaßnahmen gefördert und, im Gegensatz etwa zu den Niederlanden, nicht das Zusammenwirken von Bauern, die beispielsweise ihre Beiträge zum Erosionsschutz dadurch besser aufeinander abstimmen könnten.
Letzteres Thema spielt in Remagen eine wichtige Rolle, wo es bei und nach Starkregen wiederholt zu Wasserfluten gerade auch aus dem Felderbereich kommt. In der anschließenden Diskussion wurde kritisiert, dass einerseits der Naturschutz in Deutschland gebiete, Eingriffe in Natur und Landschaft zu vermeiden, aber dennoch täglich Flächen im Umfang Dutzender Fußballplätze zubetoniert würden. Sogenannte Ausgleichsflächen würden dabei nicht dort entstehen, wo die Beeinträchtigung der Natur erfolge, sondern wie ebenfalls in Remagen gerne praktiziert, weit von neuen Baugebieten entfernt im Wald. Hinzu käme, dass für die Erfassung der tatsächlichen Schäden und die Festlegung des Umfangs für ihren Ausgleich kaum objektive Kriterien herangezogen würden, sondern lediglich politische Behauptungen aufgestellt würden. Dies führe am Ende dazu, dass ein der Natur und damit auch der Tierwelt verlorener Acker am Ende allenfalls symbolisch ausgeglichen würde, so die Meinung zahlreicher Besucher, und am Ende verliere immer die Umwelt.
Pressemitteilung
Bündnis 90/Die Grünen
Ortsverband und Stadtratsfraktion
