Politik | 26.02.2018

Sinziger Werksausschuss tagte

Gibt’s 20 Parkplätze auf der Panzerstraße?

Sinzig. „Sinzig am Rhein“, diese Bezeichnung ist schon etwas geflunkert. Vor allem für die älteren Sinziger ist der Strom aber noch ein Stück weiter weggerückt, seitdem die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord im Jahr 2011 ein absolutes Park- und Halteverbot direkt am Rhein in der Wasserschutzzone zwei erlassen hat. Parkplätze könnten nun auf der bestehenden Panzerstraße entstehen.

„Sinzig am Rhein liegt heute nicht mehr am Rhein“, so hatte es Sinzig neuer Bürgermeister Andreas Geron zu Beginn der jüngsten Werksausschuss-Sitzung bezeichnet. Die recht komplexe Thematik wurde in Sinzig erstmals in einem politischen Gremium öffentlich diskutiert.

Grundvoraussetzung für die Parkplätze auf der bestehenden Panzerstraße: Der Regenwasserkanal in der Straße wird komplett saniert und damit neu gebaut. Kostenschätzungen liegen im Bereich zwischen 900.000 und einer Million Euro. Dies legte der Leiter der Stadtwerke, Bernd Lischwé, dar. Die Überlegungen innerhalb der Stadtwerke und der Planer zur Situation um den Kanal gestalten sich aber noch wesentlich komplexer.

Denn zum einen ist der Regenwasserkanal in der Panzerstraße nicht an das Sinziger Kanalnetz angeschlossen. Zum anderen werden das Sinziger Gewerbe- und Industriegebiet ebenso wie das Wohnviertel Sinzig Ost bisher vom Oberflächenwasser her über einen Kanal entsorgt, der direkt oberhalb des Naturschutzgebiets Ahrmündung in die Ahr fließt. Dies hatte in der Vergangenheit durch menschliches Fehlverhalten für die eine oder andere Problematik gesorgt.

Grundüberlegung in Sinzig: den neuen Regenwasserkanal in der Panzerstraße an das Kanalnetz anschließen und über einen weiteren, neu zu bauenden Stichkanal das gesamte Oberflächenwasser aus Sinzig Ost in den Rhein einleiten.

Die Planungsvarianten und Überlegungen zeigte Peter Terporten vom gleichnamigen Planungsbüro aus der Kreisstadt vor. Allerdings: Stadtwerke und auch Planer wollen diese Planung nicht weiter verfolgen, da Kosten zwischen 2,3 Millionen und 3,5 Millionen Euro entstehen würden. Einen entsprechenden Beschluss fasste einstimmig auch der Werksausschuss.

Für die von der SGD Nord als dringend eingestufte Kanalsanierung wollte der Ausschuss allerdings noch eine ganze Reihe von Fragen geklärt wissen. Bei der nächsten Ausschusssitzung im April soll sich noch einmal mit der Thematik befasst werden.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Sanierung des Kanals in der Panzerstraße steht sowieso an. Nach dem bisher vorliegenden Sachstand würde die SGD Nord dem Markieren von mindestens 20 Parkplätzen auf der bestehenden Straße wohl ihre Zustimmung erteilen. In der Wasserschutzzone zwei eine absolute Ausnahme.

Über die Jagd nach einem schwer fassbaren Phantom berichtete Werkleiter Lischwé anschließend in einem Sachstandsbericht zum Störfall in der Trinkwasserversorgung Sinzig. Seit dem 12. August 2016 werden bei den Stadtwerken die nur in ganz geringer Anzahl festgestellten coliformen Keime. gejagt.

Sämtliche Anlagen von den Brunnen über die Hochbehälter bis hin zu den Tiefbehältern wurden bis ins Detail untersucht, bis heute haben die Stadtwerke 1633 Proben entnommen. „Wir haben uns wirklich jedes Anlageteil vorgeknöpft“, so Lischwé.

Zur Zeit wird das Trinkwasser in Sinzig und für Bad Breisig immer noch gechlort, die Tiefbehälter werden neu verfugt. Lischwé machte auch klar, dass - obwohl nur sporadisch Keime in sehr geringer Anzahl gefunden wurden - die Chlorung unumgänglich sei. Bei den Stadtwerken gilt das Prinzip „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“.

Dauerhaft laufen bereits die Planungen und Überlegungen für eine Desinfektion des Sinziger Trinkwassers mit UV-Licht-Anlagen. Die Bevölkerung kann übrigens alle Störfall-Informationen online sehr aktuell abrufen.

Einstimmig gebilligt hat der Werksausschuss jeweils die Wirtschaftspläne für das Jahr 2018 in Sachen Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. Im Bereich Abwasser stellten die Ausschussmitglieder ebenso wie Lischwé fest, dass die Betriebskostenzuschüsse für die Kläranlage des Abwasserzweckverbands „Untere Ahr“ kontinuierlich ansteigen.

Lischwé machte klar, dass die Anlage, die in ihren Ursprüngen ja auf die sechziger Jahre zurückgeht, in die Jahre gekommen sei und ein erheblicher Sanierungsbedarf bei der Technik bestehe. Der Abwasserzweckverband wird in den kommenden Jahren dort erhebliche Investitionen zu stemmen haben. Und die Stadtwerke und die Stadt Sinzig sind als Mitglied des Abwasserzweckverbands ja jeweils mit rund 20 Prozent an diesen Kosten beteiligt. Es könnten also erhebliche Ausgaben auf die Stadtkasse zu kommen.

BL

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