CDU kritisiert: Landes-FDP verabschiedet sich vom Leistungsgedanken in der Schule
Kritik am Morsblech/ Lichtenthäler-Papier
CDU-Arbeitskreis Bildung Koblenz bezieht Stellung
Koblenz. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und Eltern erwarten mit gemischten Gefühlen den Start in das neue Schuljahr.
Die Corona-Pandemie hat das letzte Schulhalbjahr alle am Bildungssystem Beteiligten gefordert und vor große Herausforderungen gestellt.
Der Arbeitskreis Bildung der CDU Koblenz erkennt die herausragenden Leistungen, die in diesen Monaten der Pandemie von allen Beteiligten an Schulen erbracht wurden, besonders hoch an und dankt dafür.
Für manche sei diese unsichere Situation ein willkommener Anlass gewesen, System „Schule“ neu diskutiert oder sogar komplett infrage gestellt. So forderte die Landes-FDP – selbst Teil der Regierungskoalition in Rheinland-Pfalz – einen „Totalumbau“ des Schulssystems. Mit dieser Überschrift berichtete die RZ über ein Papier, das die Vizepräsidentin der SGD-Nord, Nicole Morsblech, und der Landesvorsitzenden der Jungen Liberalen, Luca Lichtenthäler, verfasst hat. Darin wurde insbesondere angeprangert, dass das Bildungssystem hierarchisch geprägten Machtverhältnissen entstamme.
Das zeige sich u.a. an vorgegebenen Lehrpläne, standardisierten Leistungsüberprüfungen sowie in den Ziffernnoten als einzigem Feedback an die Schülerinnen und Schüler über die Ergebnisse ihrer Leistungen.
„Zu behaupten, dass Lehrerinnen und Lehrer als einziges Feedback nur ‚Ziffernoten‘ verwenden, diskreditiert die Arbeit vieler Lehrerinnen und Lehrer. Selbst wenn man die individuelle Feedbackkultur außer Acht lässt, gibt es viele standardisierte Arten, den kleinen ‚Forschern und Entdeckern‘ eine Rückmeldung zu geben, wie gut sie das können - z. B. durch Schüler-Eltern-Lehrergespräche“, erläutert Julia Kübler, Sprecherin des Arbeitskreises. Der Arbeitskreis sieht es als notwendig an, dass es in jedem Bundesland einen im ganzen Land gültigen Lehrplan und für alle verbindliche schulrechtliche Regelungen gibt. Wer das als hierarchisch geprägte Machtverhältnisse kritisiert, sollte sagen, wie es besser geht, wenn er sich als FDP gleichzeitig für mehr Mobilität im eigenen Bundesland ausspricht. Es kann nicht sein, dass schon in einem Land gilt, was sonst oft zwischen Bundesländern eintreten kann: Vater versetzt, Kind sitzen geblieben.
Wer mehr Mobilität will, muss auch für gemeinsame Lehrpläne und schulrechtliche Regelungen sein und sie nicht als hierarchisch anprangern und gerade jetzt infrage stellen, wo stabile Verhältnisse auch in den Schulen nottun.
„Das System als solches infrage zu stellen, bringt die Bildungspolitik aktuell nicht weiter. Wichtig ist es jetzt, dass die Rahmenbedingungen, die seit Jahren in Rheinland-Pfalz schlecht sind, schnell verbessern werden, um Schülerinnen und Schüler sowie auch die Lehrkräfte beim zeitgemäßen Lernen und Arbeiten zu unterstützen. So kann es doch nicht sein, dass Kinder nicht im Home Office arbeiten können, weil sie in einer entlegenen Region wohnen und deshalb noch immer keinen WLAN-Anschluss haben oder ihre Lehrerinnen und Lehrer sie nicht an Videoschaltungen beteiligen können. Außerdem fordern wir, dass die Klassenmesszahlen endlich gesenkt werden, mehr Schulsozialarbeiter/-innen an allen Schularten kommen, für inklusiven Unterricht mehr Lehrerstunden zur Verfügung stehen und für Lehrer/-innen in jeder Schule eine gute technische Ausstattung mit professioneller und gewährleisteter Wartung gegeben ist. Dazu müssen die Kommunen finanziell besser ausgestattet werden.
Ihre Benachteiligung in der finanziellen Ausstattung durch das Land muss darum endlich der Vergangenheit angehören. Wer hier bildungspolitisch mit Recht immer mehr will, muss auch finanzpolitisch dafür sorgen“, so Julia Kübler.
Der Arbeitskreis begrüßt es, dass auch Mitglieder der Regierungsparteien das aktuelle Schulsystem kritisch begleiten. Allerdings hätte er sich neben dem Problembewusstsein der beiden FDP-Repräsentanten mehr Lösungskompetenz mit Sachkenntnissen und ein Beibehalten des Leistungsgedankens gewünscht und nicht dessen Infragestellung. Jede Pauschalkritik, die besonders in dieser besonders schwierigen Zeit die Lehr- und Leitungskräfte an allen Schulen trifft, lehnt der Arbeitskreis daher Zeichen von bildungspolitischer Hilflosigkeit ab.
Das Gegenteil sei richtig gewesen: Die Lehrerinnen und Lehrer gerade jetzt in ihrem verantwortungsvollen Handeln zu bestärken und hinter ihnen zu stehen, das ist das eigentliche Gebot der Stunde.
Pressemitteilung
CDU-Arbeitskreis
Bildung Koblenz
