Stefan Engstfeld, MdL:
„Milch nicht verramschen, bäuerliche Milchviehhaltung erhalten“
Besuch auf dem Reuterhof in Schlebach und beim Milchbauern Becker in Flerzheim
Flerzheim. Um sich angesichts der Krise des Milchpreises ein Bild von der schwierigen Lage zu machen und sich mit den Betroffenen auszutauschen, besuchten die Abgeordneten der Grünen Landtagsfraktion in der vergangenen Woche Milchviehbetriebe in ganz NRW.
Stefan Engstfeld MdL, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, besuchte mit den Grünen aus Rheinbach, sowohl einen Bio- als auch einen konventionellen Milchbauern.
Preise für Biomilch derzeit konstant
„Heute habe ich mit einem Milchbauern in Flerzheim gesprochen, der seit einigen Monaten nur noch Verluste einfährt und nicht mehr ewig so durchhalten kann. Anders dagegen sieht es auf dem Schlebacher Hof aus, einem Bioland-Hof. Im Gegensatz zum konventionellen Milchmarkt bleibt der Markt für Biomilch von Preisschwankungen derzeit weitgehend verschont. Milchviehbetriebe, die Milch nach ökologischen Richtlinien erzeugen, konnten im Jahr 2014 ein sattes Plus verzeichnen und diese Milchart erreichte ein neues Rekordniveau“, fasste Engstfeld seine Erkenntnisse aus den Besuchen zusammen.
Seit 2004 hat sich der Weltmarktpreis für Milchprodukte nahezu halbiert
Seit Beginn des Jahres 2014 hat sich der Weltmarktpreis für Milchprodukte nahezu halbiert. Aktuell liegt der Preis pro Liter Milch teilweise bei 20 Cent und weniger – etwa 40 Cent wären kostendeckend für die konventionelle Erzeugung, für die biologische sogar einiges mehr. Die Leidtragenden dieser Preispolitik sind die Milcherzeuger – große, aber auch kleine und mittlere. Im Jahr 2015 gaben allein in NRW 223 Milchkuhhalter ihre Betriebe auf.
Für den Bio-Bauern Reuter ist die Situation noch erträglich: 50 Cent bekommt er zur Zeit von dem Vertragsunternehmen, das die Milchproduktion seiner 119 Kühe weiter verarbeitet – die braucht er aber, um einigermaßen kostendeckend zu wirtschaften. „Die Umstellung auf Bio kann in der momentanen Krise die Gesamtproblematik nicht alleine lösen. Sie ist jedoch ein Beispiel dafür, dass das Schielen auf den Weltmarkt mit sehr großen Risiken behaftet ist und eine Produktion hochwertiger Milcherzeugnisse für heimische Märkte langfristig, die bessere Alternative darstellt“, meinte dazu Engstfeld.
Die EU ist mit über 160 Millionen Tonnen der mit Abstand größte Milchproduzent weltweit. In den letzten beiden Jahren wurde die Produktion um sieben Prozent oder 10 Millionen Tonnen jährlich gesteigert. Massive Preissenkungen zulasten der Erzeuger sind die Folge. Dieser Preisverfall geht auch auf das Auslaufen der Milchquote vor gut einem Jahr zurück. Die strukturellen Folgen der Milchmarktkrise für die Landwirtschaft und die Umweltfolgen für die Gesellschaft werden gravierend sein. Gegenmaßnahmen könnten beispielsweise ein tatsächlich wirksames Soforthilfeprogramm für betroffene Bäuerinnen und Bauern sowie der Aufbau von Kleinmolkereien für die direkte und regionale Vermarktung sein.
Pressemitteilung von
Bündnis 90/Die Grünen
OV Rheinbach
