Buchvorstellung im Friedensmuseum Remagen
Nach dem Ende des Krieges kam der Schrecken
„Die Rheinwiesenlager“, eine Dokumentation von Wolfgang Gückelhorn und Kurt Kleemann
Remagen. Es ist ein Lebenswerk, das Schlagzeilen gemacht hat, das Fakten um das Ende der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges zurecht gerückt hat, das die Stadt Remagen weltberühmt gemacht hat: das „Friedensmuseum Brücke von Remagen“. Altbürgermeister Hans Peter Kürten hat es nach Arbeit und Forschung ohne Ende 1980 einweihen können. Seitdem ranken sich Märchen, Geschichten und auch Falschmeldungen um das historische Bauwerk. Aber auch zahllose Veröffentlichungen haben sich mit den Kriegsereignissen um den 7. März 1945 befasst, Daten und Fakten richtig gestellt. Mehr als 20.000 Besucher jährlich kommen in die Türme der Ludendorffbrücke, um sich zu informieren. Tausende von Menschen lauschen seitdem den Worten von Kürten und des städtischen Archivars Kurt Kleemann, der einen Großteil seiner Kraft und seiner Freizeit in den Dienst des Museums stellt.
Leidvolle Erinnerungen ausgetauscht
Doch zu den Brückentürmen gehört auch das „Rheinwiesenlager Goldene Meile“, sowie die dort geschaffene „Schwarze Madonna“. Tausende von „Ehemaligen“, Soldaten der Alliierten und der Wehrmacht, sowie „Prisoners of War“ des Lagers haben zwischenzeitlich die Stätten besucht, leidvolle Erinnerungen und Erfahrungen ausgetauscht. Hunderte von „Braunen Wirrköpfen“ benutzen aber auch alljährlich die Stätte, um sie für ihre haltlosen Ziele zu missbrauchen. Denen, die mit der Wahrheit grotesk umgehen, Fakten entgegen zu stellen, ist seit Jahren nicht nur die Aufgabe von Hans Peter Kürten. Fachhistoriker wie Wolfgang Gückelhorn haben sich ebenfalls unermüdlich mit der Geschichte rund um die Brücke befasst. Jetzt stellten Gückelhorn und Co-Autor Kurt Kleemann das Buch „Die Rheinwiesenlager Remagen und Sinzig - Fakten zu einem Massenschicksal 1945 - Eine Dokumentation“ vor. Mit dabei, zwei „Betroffene“: Robert Willscheid aus Dattenberg und Josef Ketter aus Polch. Die heute über 80-Jährigen erlebten die „schlimmste Zeit des Lebens“ im Lager „Goldene Meile“. Und wie vielen „Ehemaligen“ ist es ihnen anzumerken, dass sie diese Zeit niemals verarbeiten konnten. Gückelhorn und Kleemann wollen helfen, diese Zeit aufzuarbeiten. Dazu dienen Fotos, die deutsche Soldaten im Lager Goldene Meile heimlich gemacht haben - und das bei Todesstrafe. Fotos, die von außen gemacht wurden, Fotos der amerikanischen Militärpolizei. Rund um die Welt ist Kürten gefahren, das Material zu sammeln, im Friedensmuseum auszustellen. Aber auch Zeitzeugen haben dem Remagener Friedensmuseum geholfen in den Jahren und Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkriegs.
Bislang unveröffentlichte Fotos
Fotos, die noch nirgends veröffentlich worden sind, wie die beiden Autoren versichern, erlebt der Leser des Buches, Zeitzeugen kommen zu Wort, die Besatzer schildern ihre Eindrücke. Der Leser erfährt einiges auch über das Frauenlager, manchmal wirkt es eher, wie ein Campingplatz. Aber immer wieder bringen die Autoren Fakten. Sie belegen, es hat in den knapp vier Monaten des Bestehens kein Massensterben gegeben. 260.000 Gefangene haben das Lager durchlaufen, 1212 Soldaten sind auf dem Bad Bodendorfer Ehrenfriedhof beigesetzt. „Ihre Gräber mahnen uns - in jedem Krieg gibt es nur Verlierer und Opfer“, diese Botschaft geben die Autoren weiter. Auch der renommierte Militärhistoriker Rüdiger Overmans, der bereits einige Male schon vor den „Ehemaligen beim Treffen in der Rheinhalle gesprochen hat, kommt in dem Buch zu Wort. Er bemüht sich seit Jahren die Behauptung der „häufig kahl rasierten Wirrköpfe zu widerlegen, in den Lagern der Alliierten seien eine Million deutsche Soldaten umgekommen. Overmans hatte bereits in der Rheinhalle zum Ausdruck gebracht: „Die deutsche Wehrmacht ließ bewusst 3,5 Millionen Gefangene der Roten Armee verhungern.“ Wolfgang Gückelhorn und Kurt Kleemann gelingt es vortrefflich, zwar die katastrophalen Lebensumstände im Lager ins Bild zu rücken, doch sie begründen auch: Die deutschen Soldaten litten bereits vorher unter Hunger und Unterernährung, sie erkannten, alles war verloren, wurden depressiv „und nicht wenige starben“ Mit der Anzahl der Kriegsgefangenen waren die US-Streitkräfte total überfordert, häufig litten sie selbst unter mangelnder Verpflegung. Das Wetter im April 1945 war miserabel - Matsch, Kälte, Erdlöcher - so entstand die „Schwarze Madonna“ Das Buch besticht durch seine Intensivität, der Vielzahl an Fakten und Informationen, die nicht nur für historisch interessierte Leser zu einem Ereignis werden. Das Buch ist im Friedensmuseum, sowie bei „Hauffes Buchsalon“ an der Marktstraße zum Preis von Euro 26,50 erhältlich
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Im Lager hausten die Gefangenen bei allen Temperaturen in Erdlöchern und auf dem nackten Boden. Mehr als 1212 mussten ihr Leben lassenRepro: ab
