Stadtrat Meckenheim beschließt einstimmig die Wiederaufnahme des Teilnahmewettbewerbs
Neubau zweier Schulen wird die größte Investition in der Geschichte der Stadt
Auf dem Schulcampus sollen das Konrad-Adenauer-Gymnasium und die Geschwister-Scholl-Hauptschule für 142,3 Millionen Euro neu gebaut werden - Stadtrat sieht das als Investition in den Bildungsstandort
Meckenheim. Einstimmig brachte der Meckenheimer Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung die „größte Investition in der Geschichte der Stadt“, so CDU-Fraktionschef Joachim Kühlwetter, auf den Weg: Der Teilnahmewettbewerb für den Neubau des Konrad-Adenauer-Gymnasiums und der Geschwister-Scholl-Hauptschule auf dem Schulcampus wird neu gestartet. Die Gesamtkosten des Projektes haben sich, auch aufgrund einer Reihe von zusätzlichen Maßnahmen, von ursprünglich geplanten 77 auf mittlerweile 142,3 Millionen Euro fast verdoppelt. Doch weder Rat noch Verwaltung sehen eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative. Zumal mit der Investition auch der Bildungsstandort Meckenheim gestärkt und für die kommenden Jahrzehnte attraktiv gehalten werde.
Kostensteigerung hat Auswirkungen auf andere Projekte
„Wir wollen es wieder wagen, den Teilnahmewettbewerb zu starten - wenn es uns auch in diesen schwierigen Zeiten nicht leichtfällt“, schickte Bürgermeister Holger Jung (CDU) voraus. Er wusste auch: „Die Kostensteigerung ist kein Pappenstiel, aber eine Sanierung der bestehenden Gebäude als Alternative wäre vermutlich sogar noch teurer.“ Die Stadt habe zudem keine Zeit, noch länger zu warten, denn sonst müssten mehrere Millionen Euro in die Sanierung der bestehenden Gebäude gesteckt werden, womit man gutes Geld schlechtem hinterherwerfe. Ein Projekt in dieser Größenordnung stelle einen finanziellen Kraftakt dar, sei aber dennoch der richtige Schritt, weil damit in den Bildungsstandort Meckenheim investiert werde. Künftig werde der Rat jedoch an der einen oder anderen Stelle den Gürtel enger schnallen und Prioritäten verschieben müssen. Dabei dürfe auch die Einnahmeseite nicht außer Acht gelassen werden.
„Die Entscheidung stellt ein kleines Bekenntnis zum attraktiven Bildungsstandort Meckenheim dar, für den wir auch in der Vergangenheit schon sehr viel getan haben“, fand Joachim Kühlwetter (CDU). Es sei auch nach seiner Ansicht ein finanzieller Kraftakt, aber alle Alternativen seien noch unwirtschaftlicher, so würde etwa eine Sanierung im Bestand auch noch eine sehr teure Containerlösung erforderlich machen. Es sei jedenfalls nicht vernünftig, in ein 50 Jahre altes Gebäude zu investieren, das nicht mehr den modernen pädagogischen Anforderungen entspreche. Unterm Strich handele es sich um eine richtige und wichtige Investition für die Zukunft der Stadt.
Zeitgemäße Bildung mit Nachhaltigkeit vereinen
Ähnlich sah es Rebecca Stümper (Grüne), die die Wiederaufnahme des Teilnahmewettbewerbs begrüßte, obwohl die aktuelle Lage viele Unwägbarkeiten mit sich bringe. Doch ein Neubau sei der einzige Weg, zeitgemäße Bildung für die Meckenheimer Kinder mit dem Thema Nachhaltigkeit zu vereinen. Deshalb sehe sie in der Kostensteigerung nicht nur einen Fluch, sondern auch einen Segen, denn durch die zusätzlichen Investitionen erhalte die Stadt ein modernes und an die veränderten Bedürfnisse von Schule angepasstes Gebäude und zusätzliche Außenanlagen, die an die Erfordernisse des Klimawandels angepasst seien. Sie war zuversichtlich: „Wir werden an Attraktivität gewinnen!“
Klaus-Jürgen Pusch (BfM) bestätigte, dass die Projektsteuerungsgruppe zu einem von allen Beteiligten getragenen guten Ergebnis gekommen sei. „Auch wir sind natürlich über die Preissteigerungen erschrocken, aber als familienfreundlich verortete Stadt müssen wir auch etwas für die Familien tun, und für die Zukunft der kommenden Generationen auch als Bildungsstandort Investitionen tätigen.“ Er hoffe auf eine schnelle Verwirklichung der Pläne.
Wichtige Signal auch an die Eltern
Stefan Pohl (SPD) sah ebenfalls in der Sanierung keine Alternative, „denn keiner weiß, was dabei auf uns zukäme.“ Die Beethovenhalle in Bonn sei ein abschreckendes Beispiel. Außerdem wäre es für die Kinder, die dort lernen sollten, eine Zumutung, jahrelang auf einer Baustelle zu leben. Es handele sich nicht nur um eine wichtige Investition in die Zukunft Meckenheims, sondern auch ein ganz wichtiges Signal an die Eltern, dass in die Bildung investiert werde.
Heribert Brauckmann (FDP) sah mit dem Projekt genau das erreicht, was der Rat immer anstrebe, nämlich eine vernünftige Bildung für die Meckenheimer Kinder. Die FDP akzeptiere die Mehrbelastung, wohl wissend, dass die künftigen Haushalte sehr schwierig würden. Aber vielleicht ergebe die Neuberechnung der Grundsteuer ja neue Möglichkeiten für den Haushalt. „Ich freue mich auf einen guten, neuen Campus“, schloss er.
Bürgermeister Jung: Alles wird nicht gehen
Zwar wollte Hans Erich Jonen (UWG) eine Zwangsläufigkeit nicht akzeptieren, dass Schulgebäude nach 50 Jahren bereits pädagogisch unbrauchbar seien, dennoch sei er der Überzeugung, dass dieses Projekt jetzt und in der vorgeschlagenen Form umgesetzt werden müsse, „weil wir damit in der Zukunft unserer Kinder und in den Bildungsstandort Meckenheim investieren.“
Altendorfs Ortsvorsteher Otmar Soukup warb darum, bei alledem nicht die notwendigen und schon beschlossenen Erweiterungen der Kindergärten zu vergessen, besondere in Altendorf sei dies nach der Erschließung des Neubaugebiets unabdingbar. Wobei Jung entgegnete, dass der Stadtrat noch über Prioritäten sprechen müsse und auch gefasste Ratsbeschlüsse, die noch nicht umgesetzt seien, erneut auf den Prüfstand stellen und vielleicht auch noch einmal schieben müsse. „Wir haben sehr viele Baustellen, an denen wir arbeiten müssen, aber alles wird nicht gehen“, gab Jung zu bedenken.
JOST
