Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club engagiert sich
Neues Radwegekonzept für sicheres und einfaches Radfahren
Projektgruppe erstellte Ranking möglicher Maßnahmen – Meist reicht ein Eimer Farbe und ein Verkehrsschild aus
Rheinbach. Der Fahrradklimatest 2015 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hatte es im vergangenen Jahr ans Licht gebracht. Rheinbach war Schlusslicht in Nordrhein-Westfalen in der Kategorie der Städte unter 50.000 Einwohner. Politik und Stadtverwaltung hatten darauf reagiert und eine „runden Tisch“ initiiert, der bereits konkrete Empfehlungen erarbeitet hat. Außerdem trug eine „Bürgermeistertour“ dazu bei, die Situation für Radfahrer in Rheinbach zu verbessern. Darauf aufbauend legte der ADFC Rheinbach gestern ein 60-seitiges „Radwegekonzept 2016 für die Kernstadt Rheinbach“ vor. „Damit existiert jetzt eine Grundlage, auf der alle, die für den Radverkehr in Rheinbach zuständig sind, über vernünftige Lösungen zum Radverkehr diskutieren können“, freute sich ADFC-Sprecher Dietmar Pertz bei einem Pressegespräch.
Die Vereinsmitglieder Edith Nörthemann, Klaas de Boer, Fritz Spiering und Georg Wilmers hätten demnach Anfang dieses Jahres eine Projektgruppe gebildet und in monatelanger Arbeit Ziele überlegt, formuliert, diskutiert, abgewogen und ein „Zieleranking“ aufgestellt.
Zu den Themen Durchgangsrouten, Schulrouten, Einkaufsrouten und Fahrradfreundliche Innenstadt haben sie konkrete Empfehlungen erarbeitet. Entstanden ist ein Plan für den gesamten Innenstadtbereich der Stadt Rheinbach mit Anschluss an die Ortsteile, eingebunden in das Fernradwegenetz.
Für schwierige Probleme sollen Experten hinzugezogen werden
Lösungen wurden dabei insbesondere für drei als besondere „Herausforderung“ zu bezeichnende Kreuzungssituationen in Rheinbach erarbeitet. „Wir mussten aber auch feststellen, dass für drei weitere Problembereiche keine Lösung gefunden werden konnte. Hier empfiehlt es sich, Experten zu befragen, da sich auch größere Baumaßnahmen ergeben könnten“, erläutert Fritz Spiering von der Projektgruppe. Die von den ADFC-Mitgliedern erarbeiteten Vorschläge wurden mittlerweile an Bürgermeister Stefan Raetz übergeben. Aber auch weitere Interessierte können das „Radwegekonzept 2016 für die Kernstadt Rheinbach“ in digitaler Form beim ADFC Rheinbach erhalten.
Konkrete Vorschläge
Ein essentieller Vorschlag ist es, die drei Straßen im nördlichen Teil der alten Innenstadt zu Radfahrstraßen umzuwidmen. Es handelt sich um die Langgasse, die Schweigelstraße und den „Kallenturm“. Hier soll der motorisierte Verkehr so stark wie möglich eingeschränkt werden.
Weiter schlägt der ADFC vor, den Villeneuver Kreisel so zu gestalten, dass der Fahrradverkehr ohne absteigen zu müssen von der Münstereifeler Straße direkt in die Bahnhofstraße fahren kann. Um eine bessere innerörtliche West-Ost-Verbindung zu erhalten, soll diese durch die Kriegerstraße, Kleine Heeg und Eulenbach bis zum Kreisel der Meckenheimer Straße geführt werden. Eine Nord-Süd-Route sei derzeit noch nicht wirklich etabliert, zumal die Kreuzung Gerbergasse/Grabenstraße für Fahrradfahrer ein sehr hohes Gefahrenpotenzial bergen. Der ADFC empfiehlt eine eindeutige und verkehrssichere Nord-Süd-Route mit Routenführung durch die Innenstadt. Diese führt von der Bahnunterführung beim Hochschulviertel durch die kleine Stichtrasse in die Schweigelstraße, kreuzt dann die Grabenstraße und wird weiter durch die Schweigelstraße geführt. Weiter geht es durch die Langgasse zum Kallenturm und anschließend südlich über die Hauptstraße in die Bachstraße. Am Himmeroder Wall kann die Route über die Neugartenstraße zum Ölmühlenweg oder über den Stadtpark nach Süden geführt werden. Außerdem sollen nach Ansicht des ADFC verschiedene Straßen zu „Schul-Fahrrad-Straßen“ definiert und für Schüler sicher sowie fahrradfreundlich gestaltet werden.
Notwendigkeit, das Radfahren in die Entwicklung zu integrieren
Die derzeitigen Probleme seien einer jahrzehntelangen Stadtentwicklung geschuldet, in der die Bedürfnisse der Radfahrer eine meist untergeordnete Rolle gespielt hätten, so Pertz. „Die Notwendigkeit, das Radfahren in die Entwicklung zu integrieren, ist inzwischen verstärkt sichtbar geworden.“ Es gebe ohnehin mehrere Gründe, gute innerstädtische Verbindungen für Radfahrer zu etablieren. Zum einen werde die Zahl der Rentner, die die Innenstädte genießen möchten, immer größer – gleichzeitig werde vermehrt der Ruf laut, kleine Fahrten nicht mehr mit dem Auto, sondern auf dem Rad zu erledigen. Die Stadt Rheinbach sei wie geschaffen für einen Einkaufsbummel und habe viele Ecken, wo man gut verweilen könne. „Aber in der Stadt auf dem Fahrrad einzukaufen ist nicht immer einfach.“
Die Umsetzung dieser Vorschläge müsse in Anbetracht knapper Stadtfinanzen nicht teuer sein, meint de Boer, „da reicht ein Eimer Farbe und ein paar Verkehrsschilder“. Meist handele es sich um das Anbringen von besseren, radfahrerfreundlichen Markierungen oder eben um eine bessere Beschilderung, die die Stadt in Eigenregie mithilfe des Bauhofs durchführen könne. „Markierungen und Schilder sollen auch den Autofahrern klarmachen, dass es an den angedeuteten Stellen Radverkehr gibt“, so de Boer.
JOST
