Integrierten Stadtentwicklungskonzept für Unkel
Projektgruppe stellt Maßnahmen zum Straßenverkehr in der Innenstadt vor
Entwicklungsagentur lädt junge und alte Bürger zum Workshop „Promenadengestaltung“ ins Christinenstift
Unkel. Seinen Abschlussbericht „Autoverkehr in der Stadtmitte“ legte des Projektteam der Entwicklungsagentur (EA) „Kulturstadt Unkel am Rhein“ Anfang voriger Woche dem Hauptausschuss vor. Neben einer Verkehrszählung und einer Geschwindigkeitsmessung war vor allem eine Meinungsumfrage ausgewertet worden. „Von den verteilten und zusätzlich ausgelegten Fragebögen sind nur 95 wieder abgegeben worden, sodass die Rücklaufquote bei 19 Prozent liegt. Zweifel an der Repräsentanz der Stichproben können deshalb nicht ausgeräumt werden, gestand Hubert Groß ein. Zu beachten sei generell, dass in der Innenstadt mit Bewohnern, Gewerbetreibenden und Freiberuflern, aber auch Besuchern mehrere Interessengruppen vertreten sind, von denen die Verkehrssituation durchaus unterschiedlich bewertet wird.
So akzeptieren Anwohner größtenteils , dass sie ihre Autos nicht in der Innenstadt parken können, wünschen sich aber Be- und Entlademöglichkeiten. Unkeler aus anderen Stadtteilen tendieren wiederum dazu, Geschäfte in der Innenstadt direkt anzufahren und irregulär in dem „verkehrsberuhigten Bereich“ zu parken.
Je nach Motivation reichen die Vorschläge von dem Hinweis, dass in asiatischen Ländern ein größeres Verkehrschaos herrschen würde und dass Kinder nicht in dem, fälschlich als „Spielstraße“ bezeichneten Bereich, sondern im Henkel-Park spielen können, bis hin zu von einem generellen Fahrverbot in der Fußgängerzone vom Neven-Dumont-Platz bis zur Einmündung der Frankfurter Straße in die Linzer Straße. „Eigentlich würde es reichen, wenn die bestehende Regelung, die eine Anlieferung nur in den Vormittagsstunden vorsieht, eingehalten würde“, so Hubert Groß. Damit wäre auch das unerlaubte Parken auf dem Willy-Brandt-Platz weitgehend ausgeschlossen. Das könnten auch durch Hindernisse, die zur Entwicklungsstrategie von Unkel als einer attraktiven, mittelalterlichen Stadt mit Tourismusverkehr passen, verhindert werden. Das EA-Projektteam schlug einen Erprobungsphase vor, die als „vorläufig“ im Projekt „Historische Stadtmitte“ und damit im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) gekennzeichnet werden sollte.
Außerdem sollte der vorhandene Poller in der Frankfurter Straße Höhe „Löwenburg“, nachdem der Fußweg vom „Am Graben“ wieder genutzt werden kann, werktags und samstags zwischen 12.30 Uhr und 5 Uhr gesetzt werden.
Damit wäre aber nur der südliche Teil der Frankfurter Straße gesperrt und das auch nur für Autos. Mopedfahrer, von denen die Innenstadt nachts zur Rennstrecke umfunktioniert wird, könnten den Poller bequem passieren, sodass das Problem der nächtlichen Ruhestörung weiter bestünde.
„Eine durchweg erforderliche Reduzierung der Geschwindigkeit könnte durch Hindernisse wie etwa Bremsschwellen oder etwa Blumenkübel erreicht werden, die seitenversetzt so nah bei einander gestellt werden müssten, dass zwischenzeitliches Beschleunigen und damit das Aufheulen von Motoren ausbleibt“, so Hubert Groß. Generell schlägt die Projektgruppe vor, das Thema „Verkehr“ als Element der Stadtentwicklung sicherzustellen und möglichst auch als vorgezogenen Maßnahme umzusetzen.
Blumenpyramiden verhindern Parken am Neven-Dumont-Platz
Umgesetzt worden ist bereits auf Initiative von Stadtbürgermeister Gerhard Hausen, dass man am Neven-Dumont-Platz gegenüber von dem Stadt-Weinberg nicht mehr parken kann. Blumenpyramiden sperren den früher verbotenerweise als Parkfläche genutzten Freiraum so ab, dass sich die Frankfurter Straße so verengt, wodurch Autofahrer zwangsläufig die Geschwindigkeit reduzieren müssen. „Jetzt ist es Aufgabe der Ratsmitglieder, in Kooperation mit der Unkeler Verwaltung, die für den ruhenden Verkehr zuständig ist, und der Polizei, die den fließenden Verkehr überwacht, aus den Vorschlägen zur Lösung der Probleme Verkehrsführung, Parken und Geschwindigkeitsübertretung ein Verkehrskonzept aufzustellen, mit dem möglichst viele Bürger leben können“, so der Stadtchef.
Schandfleck auf dem ehemaligen Güterbahnhof wird beseitigt
Der hatte mit den Mandatsträgern zuvor das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs inspiziert, das nicht erst seit dem Brand im März 2011 immer wieder als Schandfleck bezeichnet worden war und für reichlich Unmut gesorgt hatte, waren die Müllberge doch kein geeigneter Willkommensgruß für Besucher der Kulturstadt, die mit dem Zug in die Kulturstadt reisen. Das ganze Ausmaß der bis unters Dach mit vergammeltem Müll vollgestopften Schuppen und Bauwagen, das Ergebnis einer ungezügelten Sammelleidenschaft des Vorbesitzers, verschlug der Ratsmitgliedern dann aber doch die Sprache.
„Nachdem wir zusammen mit VG-Chef Karsten Fehr und dem für die Müllentsorgung zuständigen 1. Kreisbeigeordneten Achim Hallerbach seit dem Brand vergeblich eine Lösung gesucht hatten, das Gelände zu räumen, wozu der Besitzer finanziell nicht in der Lage war, hat die Stadt das etwa 3.400 Quadratmeter große Areal bei einer Zwangsversteigerung im Dezember für 2737 Euro erworben“, Gerhard Hausen. Damit ist es jedoch nicht getan, schlägt die Entsorgung des Mülls nochmals mit gut 200.000 Euro zu Buche. Dafür hat man nur bis September Zeit, denn dann will die Deutsche Bahn das angrenzende, zur Zeit noch stillgelegte dritte Gleis wieder nutzen. „Achim Hallerbach hat nicht nur zugesagt, dass die Abfallentsorgung des Kreises den Müll entfernen wird, sondern nach der Versteigerung auch erklärt, dass der Kreis bis zu 60.000 Euro der Kosten übernehmen würde“, informierte der Stadtchef die Ausschussmitglieder.
Die wurden von den EA-Vorsitzenden Rex Stephenson und Daniel Schmitz auf einen Bürgerworkshop aufmerksam gemacht, der unter dem Motto „Wir gestalten unsere Promenade“ am Sonntag, 25. Juni, von 11 bis 14 Uhr im Garten des Christinenstifts stattfindet. „Wir haben die schönste Promenade am Rhein, muss man denn daran noch was verändern? Mann muss nicht, aber man kann“, so das Credo der EA. Eine ihrer Projektgruppen kümmert sich seit dem Workshop Ende Juni 2016 zum Bund-Länder-Förderprogramm „Historische Stadtbereiche - Städtebaulicher Denkmalschutz“ um Gestaltungsmöglichkeiten. Damals stand die Rheinpromenade noch ganz vorne beim ISEK, aus den Augen verloren hatte die EA das Projekt aber nicht, nachdem die Gestaltung des Bahnhofvorplatzes auf Platz eins gerückt war. „Alle Unkeler Familien von Kindern bis zu den Senioren sind Ende des Monats bei der von Vera Peters moderierten Veranstaltung gefragt, welche Ansprüche sie an die Promenade stellen“, so Daniel Schmitz. DL
