Politik | 30.08.2023, 08:00 Uhr

BLICKwinkel – Pro und Contra im Fokus

Reform des Staatsangehörigkeitsrechts: Fortschritt für die Integration?

Die Bundesregierung plant, das Staatsangehörigkeitsrecht zu reformieren.  Foto: pixabay.com
237

Region. Unter der Rubrik „BLICKwinkel – Pro und Contra im Fokus“ betrachten wir regelmäßig das Für und Wider von Themen, die uns alle bewegen. Dieses Mal geht es um die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts.

Geht es nach den aktuellen Plänen der Bundesregierung, wird sich in puncto Staatsangehörigkeit und Einbürgerung zukünftig einiges ändern. Die Reformpläne der Ampel-Koalition sehen etwa vor, die Möglichkeit der Mehrstaatigkeit, sprich der doppelten Staatsbürgerschaft, grundsätzlich zu gewähren. Darüber hinaus soll die sogenannte Vorlaufaufenthaltszeit vor der Einbürgerung von bisher acht auf fünf Jahre und bei besonders guter Integration sogar auf drei Jahre verkürzt werden, und in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern erhalten automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn ein Elternteil seit mehr als fünf Jahren in Deutschland lebt.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) lobt diese Reformpläne als „Meilenstein zur besseren Integration und Einwanderung. Die besten Köpfe kommen nur zu uns nach Rheinland-Pfalz, wenn sie in absehbarer Zeit voll und ganz Teil unserer Gesellschaft werden können.“ Integration könne nur gelingen, „wenn die Menschen auch wissen, hier bin ich willkommen.“ Hat die Ministerpräsidentin damit recht?

Pro: Anerkennung multikultureller Lebensrealitäten

Die Pläne der Bundesregierung sind eine dringend notwendige Modernisierung unseres mittlerweile doch antiquiert anmutenden Staatsangehörigkeitsrechts. Durch die Lockerung der Vorlaufaufenthaltszeiten wird der Integrationswille von Migrantinnen und Migranten gefördert, indem sie schneller die Perspektive auf die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Haben sich Einwanderinnen und Einwanderer bislang oft als unwillkommene Gäste gefühlt, geben wir ihnen nun von Anfang an das Gefühl, dass wir sie in unsere Gesellschaft aufnehmen möchten.

Die angedachten Reformen der Ampel-Koalition, darunter insbesondere auch die Akzeptanz der Mehrstaatigkeit, passen das Staatsangehörigkeitsrecht an die Lebensrealität vieler Migrantinnen und Migranten an, die sich eben nicht nur mit Deutschland, sondern auch mit dem Land identifizieren, in dem ihre Wurzeln liegen. Das Staatsangehörigkeitsrecht erkennt damit endlich die Tatsachen unserer globalisierten und multikulturellen Welt an.

Contra: Integration würde dadurch erschwert

Sollte die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts wirklich wie von der Ampelregierung derzeit geplant über die Bühne gehen, würde die Integration von Zugezogenen dadurch eher behindert als gefördert. Durch die doppelte Staatsbürgerschaft werden absehbar vermehrt Loyalitätskonflikte geschaffen, die die Identifikation mit Deutschland schwächen.

Wenn wir die deutsche Staatsangehörigkeit an hier geborene Kinder ausländischer Staatsbürger gleichsam verschenken, senken wir damit de facto die Standards für eine Einbürgerung. Denn wer garantiert, dass in diesen Familien tatsächlich die notwendigen Grundkenntnisse der deutschen Gesellschaft und Sprache vorhanden sind, um diese dann auch dem frisch geborenen deutschen Staatsbürger zu vermitteln? Die Erlangung der deutschen Staatsangehörigkeit muss weiterhin an hohe Hürden gekoppelt sein!

Wie ist Euer BLICKwinkel

Und nun sind unsere BLICK aktuell-Leser gefragt: Wie ist Euer BLICKwinkel auf die geplante Reform des Staatsangehörigkeitsrechts? Habt Ihr vielleicht selbst eine Migrationsgeschichte und schon persönliche Erfahrungen mit dieser Thematik gesammelt?

Lasst uns Eure Meinung wissen – auf unseren Social Media-Kanälen, unserem Webportal www.blick-aktuell.de oder mit einem Leserbrief unter Nennung des vollen Namens und Wohnorts per E-Mail an blickwinkel@kruppverlag.de. BA

Umfrage

Wie steht Ihr zur doppelten Staatsbürgerschaft?

23 abgegebene Stimmen

Die Bundesregierung plant, das Staatsangehörigkeitsrecht zu reformieren. Foto: pixabay.com

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Die Ahrtal-Werke legten dem Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler für 2025 eine Jahresbilanz von 85,4 Millionen Euro vor.  Foto: GS
131

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Ahrtal-Werke um die Geschäftsführung mit Dominik Neswadba und Thomas Hoppenz sind weiter auf gutem Kurs. Daher folgte der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler am Montagabend dem Aufsichtsrat des kommunalen Energieversorgers und stimmte dem vorgelegten Jahresabschluss 2025 einstimmig zu. Das Gremium beauftragte Bürgermeister Pascal Rowald, in der Gesellschafterversammlung dem Jahresabschluss der Ahrtal-Werke für das 2025 zuzustimmen und den Aufsichtsrat zu entlasten.

Weiterlesen

Die Einrichtung einer IGS an der Regionalen Schule Brohltal wurde bereits im März vom Kreistag abgelehnt. Jetzt scheiterte auch ein FWG-Antrag auf eine neue neutrale Untersuchung der Schülerzahlen im Kreis Ahrweiler.  Foto: GS
138

Kreis Ahrweiler. Im März hat der Kreistag von Ahrweiler den Antrag der Freien Wähler auf Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) an der Regionalen Schule Brohltal in Niederzissen abgelehnt. Dies unter anderem mit der Begründung des beratenden „biRegio“-Planungsbüros in schulpolitischen Entscheidungen, dass „eine „IGS Niederzissen die IGS Remagen empfindlich tangieren würde“.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bestellung Nr.: 4300003040-W100-606  / Kampagne Rheinschiene, KW 30-51
Steampunk-Abendmarkt "Zeitreise im Lichterglanz
Karnevalsauftakt in Mülheim Kärlich
Stellenanzeige Sozialarbeiter
Anzeige Käufmannische Sachbearbeitung Versand
Weitere Artikel
Links: Straßenschild Rheinstraße, Mitte: Nostalgisches Bild der Rheinstraße/Vater Rhein (vom Stadtmuseum Andernach), Rechts: Frau Grafen heute
870

Andernach. Wenn Christina Grafen von ihrer Zeit in der Andernacher Rheinstraße erzählt, klingt es fast so, als würde man für einen Moment die Musik von damals wieder hören. Tanzflächen voller Menschen, mehrere Theken, an denen die Getränke ausgeschenkt wurden, ausgelassene Stimmung und mittendrin sie – meistens hinter dem Tresen, wo es selten ruhig zuging.

Von Dilara Köksal aus Andernach

Weiterlesen

v.l.n.r.: Daniel Phiesel, Christel Engeland, Stefan Raetz, Marcel Richter, Martin Warkentin
319

Rheinbach. Die Bürgerstiftung „Wir für Rheinbach“ hat auch für 2027 wieder einen Rheinbach-Kalender herausgebracht. Die Vorstände Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel und Marcel Richter: „Der Bildkalender erfreut sich auch in der 13. Auflage großer Beliebtheit und zeigt wieder interessante Rheinbacher Motive.“ Mit Martin Warkentin hat die Bürgerstiftung erneut einen jungen Fotografen aus Rheinbach gefunden, der mit einem eigenen Blick auf die Rheinbacher Motive schaut.

Von Stefan Raetz aus Rheinbach

Weiterlesen

Karate Dojo Kitai Dieblich
206

Dieblich. Am 25. Oktober 2026 stand beim Karate Dojo Kitai aus Dieblich nicht nur der Sport im Mittelpunkt, sondern vor allem der gute Zweck. Unter dem Motto „100 Kata“ stellten sich rund 50 bis 60 Kinder, Jugendliche und Erwachsene einer besonderen sportlichen Herausforderung. Gleichzeitig wurden Spenden für einen guten Zweck gesammelt.

Von Jens Mentges aus Koblenz

Weiterlesen