Politik | 08.01.2026

Bürgerinitiative „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“

Ringlösung: 24.000 zusätzliche Buskilometer, mehr Emissionen, neue Gefahren

Begegnungsverkehr der Busse auf dem Oberheckerweg.Fotos: Bürgerinitiative „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“

Oberlahnstein. Die neue Verkehrsführung in Oberlahnstein verursacht durch vermeidbare Umwege jährlich zehntausende zusätzliche Kilometer, verschärft Umwelt- und Gesundheitsbelastungen, erzeugt neue Gefahrenpunkte und führt zu Schäden an der Infrastruktur.

Besonders spürbar sind die negativen Auswirkungen im Öffentlichen Personennahverkehr. Im Zuge der sogenannten Ringlösung wurden Bushaltestellen aus der zentralen Adolfstraße in Randlagen verlegt, ohne die Folgen für den Linienbusverkehr, die Erreichbarkeit sowie den Klimaschutz ausreichend zu berücksichtigen. Bereits ein kleiner - vermessener - Teil der neuen Busfahrrouten zwischen den Bushaltestellen in der St.-Martin- Siedlung und der evangelischen Kirche in Oberlahnstein verlängert die Fahrstrecke gegenüber der früheren Verkehrsführung um rund 1,4 km. Damit hat sich die Busstrecke nahezu verdoppelt.

Busse müssen Umwege in Kauf nehmen

Im Vergleich zur Situation vor der Ringlösung verursacht allein der Busverkehr zusätzliche rund 24.000 Kilometer, einen Mehrverbrauch von etwa 14.000 Litern Diesel sowie eine zusätzliche CO2-Belastung von rund 38 Tonnen jährlich. Seit der Sperrung der Josef-Rätz-Straße für Linienbusse müssen diese erhebliche Umwege in Kauf nehmen: Von den Haltestellen in der Kastanienstraße führt die Strecke in Richtung Koblenz zunächst über die Hermann-Doneth-Straße wieder in Richtung Braubach, anschließend über die Braubacherstraße ins Helmestal sowie weiter in den Oberheckerweg und die Sebastianusstraße.

Aus Richtung Braubach erfolgt die Führung in entgegengesetzter Richtung, da an der Kreuzung Braubacher Straße/Helmestal kein Abbiegen möglich ist. Auf den neuen Strecken verkehren Linienbusse mit rund 50 Fahrten täglich, teilweise im 20- Minuten-Takt. Die daraus resultierenden Mehrkilometer und Abgase belasten nicht nur das Klima, sondern führen auch zu mehr Lärm sowie gesundheitsgefährdendem Feinstaub durch häufigen Stop-and-Go Verkehr. Besonders problematisch sind zudem Leerfahrten von schätzungsweise rund 50 Prozent der Linienbusse sowie der dauerhafte Einsatz von 18 Meter langen Gelenkbussen. Die Folgen sind bereits deutlich sichtbar: In vielen Straßen ist der Fahrbahnbelag massiv beschädigt, da diese nicht für eine dauerhafte Belastung durch schweren Busverkehr ausgelegt sind. Da die Berechnungen der Bürgerinitiative (BI) bislang lediglich einen Teilbereich der Ringlösung erfassen, dürften die tatsächlichen verkehrlichen und ökologischen Auswirkungen insgesamt deutlich höher ausfallen – insbesondere, wenn man den Pkw-Verkehr mit einbezieht.

Gefährliche Verkehrssituationen und Straßenschäden

Zudem kommt es immer wieder zu gefährlichen Verkehrssituationen. Besonders angespannt ist die Lage im Oberheckerweg und in der Sebastianusstraße: Im Oberheckerweg sind Busse im Begegnungsverkehr gezwungen, auf Gehwege auszuweichen. Dadurch werden Fußgänger, insbesondere Schulkinder konkret gefährdet; zugleich können Schäden an Gehwegen und angrenzenden Grundstücken entstehen. In der Sebastianusstraße kommt es - nicht nur zu Schulzeiten - wiederholt zu gefährlichen Fahrmanövern durch regelmäßige Tempoüberschreitungen und Rückstaus, die sich vom Oberheckerweg bis zum alten Friedhof auswirken. Kritik übt die BI auch an der neu eingerichteten Bushaltestelle in der Sebastianusstraße gegenüber der Einmündung der Josef-Rätz-Straße. Für deren Einrichtung wurden 3 Parktaschen ober- und unterhalb der Einmündung ersatzlos entfernt. Ein haltender 18 Meter langer Gelenkbus stellt im unmittelbaren Einmündungsbereich eine erhebliche Gefahrenquelle dar, da dort Durchgangs-, Begegnungs- und Abbiegeverkehr aufeinandertreffen und der Kreuzungsbereich weitgehend blockiert wird.

Dass das Haltestellenschild fest installiert wurde, lässt darauf schließen, dass eine dauerhaft sicherheitskritische Lösung bewusst in Kauf genommen wird. Die Entfernung der Parktaschen widerspricht zudem früheren Aussagen des Oberbürgermeisters, diese ausdrücklich als verkehrsberuhigendes Element und Mittel zur Geschwindigkeitsreduzierung einzusetzen. Statt wie angekündigt Entlastung zu bringen, führt die Ringlösung zu deutlich mehr Verkehr. Zusammen mit dem Pkw-Verkehr, der nach Einschätzung der BI noch deutlich stärker ins Gewicht fällt, steigen Klima- und Umweltbelastungen auf ein Vielfaches der Auswirkungen des Busverkehrs – eine Entwicklung, die den selbst formulierten Zielen des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Lahnstein widerspricht und durch die aktuellen verkehrspolitischen Entscheidungen faktisch verfehlt wird. Mit der ab Juli 2026 anstehenden Sanierung der rechtsrheinischen Bahnstrecke und dem damit verbundenen Schienenersatzverkehr wird sich die Situation voraussichtlich noch weiter verschärfen. Dass diese Belastungen den Lahnsteiner Bürgern zugemutet werden, hält die Bürgerinitiative für inakzeptabel. Sie fordert von der Stadtverwaltung die Aussetzung der Ringlösung sowie eine transparente Analyse der tatsächlichen verkehrlichen und ökologischen Auswirkungen in einer Umweltbilanz. Ziel muss die Entwicklung einer sinnvollen, umweltverträglichen und bürgernahen Alternative sein.

Pressemitteilung Bürgerinitiative „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“

Stau auf der Sebastianusstraße.

Stau auf der Sebastianusstraße.

Die Bushaltestelle Sebastianus-Josef Rätz-Straße.

Die Bushaltestelle Sebastianus-Josef Rätz-Straße.

Die Straßenschäden auf der Kastanienstraße.

Die Straßenschäden auf der Kastanienstraße.

Begegnungsverkehr der Busse auf dem Oberheckerweg. Fotos: Bürgerinitiative „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“

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