Gedenkveranstaltung in der Marien-Kapelle des Vinzenz-Pallotti-Kollegs
„Schwarzer Tag von Rheinbach“ gerät nicht in Vergessenheit
Der ehemalige Bürgermeister und Ehrenbürger Heinz Büttgenbach erinnerte an den Schreckenstag
Rheinbach. Vier Monate vor dem Ende des 2. Weltkrieges wütete der Luftkrieg noch einmal in Rheinbach. Um die Mittagszeit am 29. Januar 1945 heulten die Sirenen, jedoch fühlte sich die Rheinbacher Bevölkerung zunächst nicht betroffen. Doch dann ging ein Bombardement von ungeahnter Stärke auf die Stadt nieder. Betroffen war besonders die heutige Altstadt, in der nach dem Bombenhagel 70 Prozent der Gebäude zerstört waren. Circa 100 Personen, darunter auch Soldaten und Zwangsarbeiter wurden an diesem Tag getötet und das Leben in der Stadt verlor seine Normalität. „Rheinbach lag in Schutt und Asche“, berichtete der ehemalige Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadt, Heinz Büttgenbach, der selbst an diesem Tag nicht in Rheinbach war, im Gegensatz zu einigen anwesenden Zuhörern. Bürgermeister Stefan Raetz leitete die Feierstunde ein und appellierte, angesichts der unschuldigen Opfer des 2. Weltkrieges in Rheinbach mit 536 Kriegstoten und 184 Ziviltoten, im Kampf gegen Hass und Menschenverachtung nicht nachzulassen. „Wir gedenken der Zerstörung unserer Stadt, wir gedenken der millionenfachen Opfer des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Barbarei und wir wollen der Opfer aller Kriege und Gewaltherrschaft gedenken“, sagte Raetz. Er dankte der CDU- und FDP-Fraktion für die Anregung, dieses Gedenken erneut zu begehen. Büttgenbach wusste zu berichten, dass seit September 1944 der Unterricht eingestellt wurde. Und, wie Kinder so sind, erzählte er zu Hause, dass solange Schulferien sind, bis der Krieg zu Ende sei. Seiner Mutter versetzte die Ansage einen Schock und einige graue Haare. Wie viele Personen an diesem 29. Januar 1945 genau umgekommen sind und welche Baugrundstücke von dem Bombardement betroffen waren, konnte zunächst nicht beantwortet werden, da das Sterbebuch selbst ein Opfer der Bomben wurde und erst acht Monate später mit Hilfe Rheinbacher Bürger neu angelegt werden konnte. Erst 1946 gab es ein neues Register über die Baugrundstücke.
Es darf nicht vergessen werden
Büttgenbach ermahnte die Anwesenden in der überfüllten Marien-Kapelle, dass wir nicht vergessen dürfen, wer den Krieg begonnen hat. Demut und Reue sind angesagt und der Stadtverwaltung empfahl er, dass man den 29. Januar 1945 als Gedenktag nicht vergessen soll und diesen Tag vor allem der Jugend und den Neubürgern nahe bringen muss. Dass die Gedenkstunde ausgerechnet in der Marien-Kapelle stattfand, kommt nicht von ungefähr. Die Trümmer vieler Häuser blieben zunächst liegen, bis sich 1947 Pallotti-Schüler, die sich mit der Marien-Verehrung in Schönstadt verbunden fühlten, entschlossen, auch in Rheinbach eine Marien-Kapelle zu errichteten. Dafür wurde im Jahr 1949 der Schutt der zerstörten Häuser zu einem Hügel auf dem hinteren Pallotti-Gelände aufgeschüttet. In Eigenregie wurde die Kapelle dann dort errichtet und 1950 eingeweiht. Pater Franz-Josef Ludwig, auch liebevoll „Pater Ton“ genannt, modellierte ein bronzene „Pietà“, die seit 2005 vor der Kapelle steht, sozusagen als „Trümmermadonna“. Pallotti-Pater Heinz-Willi Rivers, als einer der Hausherren der Marien-Kapelle, freute sich über die Anteilnahme und das starke Interesse der Bevölkerung. Mit einem Gebet begann und beschloss er diese denkwürdige Veranstaltung, die auf jedem Fall im nächsten Jahr fortgesetzt werden sollte.
