„Sonnenkönig“ thront über der Marienstatue
Solarworld-Chef Frank Asbeck ist neuer Besitzer von Schloss Marienfels
Remagen. Wenn das die Remagener Stadtsoldaten eine Woche früher gewusst hätten, ihr Orden sähe anders aus. „Gottschalk geht - wir bleiben“, heißt die karnevalistische Botschaft auf dem Ehrenzeichen der Blau-Weiß-Roten.
Spektakulärer Kauf
„Gottschalk geht - Sonnenkönig kommt“ hätte sie vielleicht gelautet, wäre Frank Asbeck mit seinem spektakulären Kauf früher an das Licht der Öffentlichkeit getreten. „Ich wollte mir zu meinem 50. Geburtstag einen Traum erfüllen, eine eigene Jagd zu bewirtschaften,“ hatte der Vorstandsvorsitzende des Bonner „Solarworld-Unternehmens“ vor vier Jahren verkündet, als er Schlagzeilen damit machte, dass er neuer Besitzer von Schloss Calmuth geworden sei. Zwischenzeitlich ist das Gebäude aus der Gründerzeit, das jahrzehntelang das Kopierwerk der Internationalen Film Union beherbergte, wieder prächtig hergerichtet. Wie einst im Mai, so könne man vermuten, als derer von Gulliaume noch prächtigere Festivitäten in dem Jagdschlösschen feierten, residiert der Sonnenkönig im einstigen Besitz der Verkabelungsmillionäre aus der nahen Domstadt. Aber nein, Frank Asbeck hatte in der jüngsten Zeit, in der er Gebäude und Umgebung für einen Millionenaufwand renovierte und sanierte, immer ein Herz für den Bürger. Nicht nur Besichtigungen hat er für die ehemaligen Mitarbeiter der einstigen Filmfabrik zugelassen, persönliche Erläuterungen, Drinks zur Begrüßung und ein herzliches „auf Wiedersehen“ gehörten zu den Umgangsformen des Weltunternehmers. Ob er dieses bei seinem neuen Besitz, Schloss Marienfels, auf dem noch Fernsehmoderator Thomas Gottschalk einen Monat wohnen bleibt, ausdehnt, bleibt abzuwarten. Der Erwerb des Anwesens, das seinen Namen der Marien-Statue in der unterhalb gelegenen Felsenhöhle verdankt, sei schon länger her, bestätigte Frank Asbeck nun der Presseagentur dpa.
Zukünftiger Sitz einer Stifung
Schloss Marienfels werde nun Sitz einer gemeinnützigen Stiftung, sagte Asbeck. Er bestätigte damit Presseberichte, die in den jüngsten Tagen in der Republik die Runde machten. Der Preis für das Schloss mit 800 Quadratmetern Wohnfläche, 14 Zimmern, drei Terrassen sowie freskenverziertem Pool lag danach bei mehr als 5 Millionen Euro. Diese hatte Gottschalk über eine Maklerfirma aus Bad Neuenahr-Ahrweiler auch verlangen lassen. Zu dem Anwesen gehören 100.000 Quadratmeter Waldgelände in der Nähe des „Gottesackers“, die Asbeck nach und nach von anderen Jagdpächtern rund um Remagen erworben hat. Gottschalk hatte das Anwesen 2008 für rund 3,5 Millionen Euro gekauft und seinen Angaben gemäß 1,5 Millionen in die Sanierung investiert. Laut Asbeck besteht aber in dem Gebäude, das unter Paul Spinat zu einem Disney-Schloss geworden war, erheblicher Modernisierungsbedarf.
Prächtige Bauwerke rund um Remagen
Dass es rund um Remagen so prächtige Bauwerke gibt, ist der spektakulären Rheinlandschaft zu verdanken. Sie brachte der Stadt am Rhein bereits im 19. Jahrhundert den touristischen Aufschwung. Die sogenannte bessere, gute Gesellschaft aus dem Schmelztiegel des Ruhrgebietes, der Stadt Köln und dem preußischen Berlin zog es an den Rhein. Der Uerdinger Zuckerfabrikant Eduard Frings hatte damit mit seinem Einzug in Schloss Marienfels 1860 den Anfang gemacht. Die Gebrüder Gulliaumes folgten 1904 mit dem Bau von Schloss Ernich. 1907 übernahm Otto von Guillaume, der Millionen mit der Verlegung von Überseekabel gemacht hatte, auch Schloss Marienfels. 1936 ging das Schloss in den Besitz des Türenfabrikanten Otto Becher über. In den Jahren 1949 bis 1952 siedelte sich das Trickfilmstudio Fischerkoesen in unmittelbarer Nähe der der damaligen Internationalen-Film-Union auf Schloss Calmuth an. Als der Exzentriker Paul Spinat, der später auf die Drachenburg zog, das Schloss erwarb, schlossen sich die Tore am Eingang des Tales für Unbefugte. Burgenkönig Herbert Hillebrand widmete das Schloss seiner Tochter Katharina, allerdings lediglich von 1989 bis 1994, dann zog die Republik Kasachstan kurzfristig oben ein. Nach dem Zusammenbruch des Hillebrand-Imperiums gab es im November 1994 die Schlagzeile: „Wettkönig“ zieht auf Schloss Marienfels, jetzt sogar ein „Sonnenkönig“.
AB
Frank Asbeck, neuer Besitzer von „Marienfels“, hatte seine Umbaupläne für Schloss Calmuth auch dem Remagener Stadtrat vorgestellt.
