Die Hauptverantwortlichen für die Gräueltat wurden nie vor ein Gericht gestellt
Späte Ehre, Demut und Respekt
Gedenkstunde für drei ukrainische Zwangsarbeiter, ermordet am 26. Januar 1945
Rheinbach. Dass die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau von den Soldaten der Roten Armee befreit wurden, war am 27. Januar genau 69 Jahre her. 1996 hat der frühere Bundespräsident Roman Herzog diesen Tag zum Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus bestimmt. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärte den 27. Januar zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.“ Seit 2008 finden an diesem Tag auch in Rheinbach Gedenkfeiern statt, organisiert von der Landtagsabgeordneten Ilka von Boeselager und dem Bürgermeister Stefan Raetz. In diesem Jahr hatten die Organisatoren die Stelle im Stadtpark ausgesucht, wo am 26. Januar 1945 drei ukrainische Zwangsarbeiter wegen eines geringfügigen Diebstahls erhängt wurden von Nazi-Anhägern. Mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger der Stadt, darunter viele Ratsmitglieder und andere Personen des öffentlichen Lebens, erschienen zur Gedenkstunde. Pfarrer Diethard Römheld eröffnete die Gedenkstunde. Er verglich zunächst die Rheinbacher Situation mit der Bibelgeschichte von Kain und Abel. Anschließend stellte er die Frage an das Publikum: „Wer von uns wäre heute so stark, den Befehlen der Nazis zu widerstehen?“
Was war vorgefallen?
Ilka von Boeselager zitierte in ihrer Rede Joachim Fest, der in seinen Aufstellungen bemerkt: „Wie leicht sich Affekte zu jeder Zeit mobilisieren lassen und wie unvermittelt der Mensch zum Bösen verführbar ist.“ Was war nun genau am 26. Januar 45 vorgefallen? Die drei unter achtzehnjährigen Ukrainer, Peter Spaak, Wladislaus Talzschaview und Vladimir Dedjarew waren auf verschiedenen Bauernhöfen eingesetzt als Fremdarbeiter, nachdem sie in ihrer ukrainischen Heimat von der Straße weggefangen worden waren, wie Peter Mohr, ein intensiver Rechercheur, herausgefunden hat. Wegen des Diebstahls einer Damenjacke und diverser Weinflaschen kamen die drei Ukrainer ins Rheinbacher Gefängnis. Damit nicht genug, am 26. Januar 45 wurden sie ohne gerichtliche Verhandlung erhängt im Stadtpark. Bei der Hinrichtung mussten alle Rheinbacher und Bewohner der umliegenden Dörfer, seien es Polen oder Ukrainer, der schrecklichen Tat beiwohnen. Auch 150 Zwangsarbeiter, zwei Polizisten, ein städtischer Mitarbeiter und eine weitere Zivilperson mussten der grauenvollen Tat zusehen, so hat Peter Mohr recherchiert. Die drei jungen Ukrainer wurden zunächst im nahen Stadtwald verscharrt, später exhumiert und auf dem Martins-Friedhof beerdigt. Ihre letzte Ruhestätte fanden sie auf dem Ehrenfriedhof. Die Hauptverantwortlichen für die grausige Tat wurden für die schrecklichen Morde nie vor Gericht gestellt. In seiner Ansprache ermahnte Bürgermeister Raetz die Mitbürger aufmerksam zu sein, hinzusehen und der Fremdenfeindlichkeit, NSU-Affären und rechtsextremen Straftaten einen Einhalt zu gebieten. Wie Peter Mohr zu berichten wusste, blieb den Menschen in Rheinbach das grausige Schmitz`che Bild (Rheinbacher Polizist zu jener Zeit) von den drei Gehängten, „sollen hängen zum Gespött“, erspart, denn am 29. Januar 1945 gab es einen fürchterlichen Bombenangriff auf Rheinbach und die Menschen hatten andere Sorgen, als sich mit Polizist Schmitz`ens grausigen Ausdrücken zu befassen.
Die Recherche geht weiter
Peter Mohr berichtete, dass die feigen Nazi-Täter am 6. März 1945 auf die rechte Rheinseite desertierten. Mohr möchte weiter recherchieren und will in Kürze allen an Rheinbachs Geschichte Interessierte Neuigkeiten bekannt geben. Überraschend meldete sich Irina Jastreb von der Außenstelle der ukrainischen Botschaft zu Wort. Über einen Kontakt mit Peter Mohr hatte sie von der Gedenkstunde für drei Ukrainer gehört. Sie war sehr gerührt, dass die Stadt eine Gedenkstunde für ihre Landsleute veranstaltete. Leider hat auch sie keine Auskunft über die drei Ukrainer bekommen. Verwandte konnten bisher auch nicht ausfindig gemacht werden. Sie war aber zuversichtlich, dass es eine gemeinsame Geschichte zwischen Deutschland und der Ukraine geben wird, wenn die Unruhen in ihrem Land endlich zu Ende sind. Zum Schluss meldete sich Karsten Logemann, der Fraktionsvorsitzende der Rheinbacher FDP zu Wort. Er rundete die Gedenkstunde mit einem Zitat von Tolstoi ab: „Wenn die Pflichten wichtiger sind als die Menschen, können die Menschen unbedenklich Verbrechen begehen.“ Mit der Niederlegung eines Blumengestecks vor dem Holzkreuz von Hubert Pfahl, das vor einiger Zeit für Unmut sorgte, endete die Gedenkstunde.
Das Holzkreuz von Hubert Pfahl zur Erinnerung an die ermordeten Ukrainer im Rheinbacher Stadtpark.
