Historische Esche im Rheinbacher Stadtpark musste radikal gestutzt werden
Stadt Rheinbach musste handeln
Im Herbst war 1000 Kilo schwerer Ast abgebrochen - Drei Jugendliche Ukrainer waren 1945 an dem Baum erhängt worden
Rheinbach. Die über 100 Jahre alte Esche im Rheinbacher Stadtpark, an der am 26. Januar 1945 drei junge ukrainische Zwangsarbeiter aus nichtigem Grunde von Schergen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes erhängt wurden, wurde jetzt vom städtischen Bauhof radikal gestutzt. „Aus Sicherheitsgründen war diese Maßnahme unumgänglich“, so Bürgermeister Stefan Raetz, denn erst im vergangenen Herbst sei ein starker Ast von fast 1000 Kilo Gewicht abgebrochen und auf den darunter herführenden Spazierweg gefallen. Bei näherer Untersuchung durch das Forstamt habe sich gezeigt, dass der Baum innen völlig morsch sei und deshalb eine Gefahr für vorbeikommende Spaziergänger darstelle.
Aus diesem Grund habe die Stadt den Bereich seit einiger Zeit abgesperrt und nach einer akzeptablen Lösung für das Problem gesucht. Wäre es ein anderer Baum gewesen, hätte man ihn vermutlich einfach unten abgesägt, so Raetz, doch das schied bei diesem erinnerungsbehafteten Baum von vornherein aus. „Das hätte so ausgesehen, als wollten wir die Erinnerung absägen“, schüttelte Raetz den Kopf.
Deshalb habe man beschlossen, den Baum zwar gründlich zu stutzen, um die Verkehrssicherheit herzustellen, den Stamm mit einigen abzweigenden Aststümpfen aber in einer Gesamthöhe von etwa zwölf Metern stehen zu lassen, wie es jetzt geschehen ist.
Auch Peter Mohr, der das Schicksal der drei jungen Ukrainer akribisch recherchiert hat und sich seit Jahren für eine Gedenkstätte an diesem Platz einsetzt, zeigte sich einverstanden mit der Maßnahme: „Damit ist gewährleistet, dass hier irgendwann einmal ein Symbol des Gedenkens errichtet werden kann.“ Das dazu passende Holzkreuz habe Hubert Pfahl bereits angefertigt.
Erst vor einer Woche hatten hier etwa 100 Bürger bei einer städtischen Gedenkfeier der jugendlichen Ukrainer Peter Spaak, Wladislaus Talzschaview und Wladislaw Dedjarew gedacht, die wegen einer Damenstrickjacke und einigen Flaschen Wein dort gehängt worden waren. Dabei war auch Pfahls Holzkreuz kurzzeitig dort aufgestellt worden.
