Stadtrat von Mayen erhöht ab 2023 die Kartenpreise für die Burgfestspiele
Über Kunst lässt sich nicht streiten? Über Kunst am Bau doch!
Mayen. Zu seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause kam am vergangenen Mittwoch der Mayener Stadtrat zusammen. Die nur 26 anwesenden Mitglieder hatten im öffentlichen Teil dreiundzwanzig Punkte auf der Tagesordnung, wovon die Beschlüsse zu Flächennutzungs- und Bebauungsplänen wie oftmals üblich ohne weitere Aussprache und deshalb in wenigen Minuten beschlossen waren. Zwei Punkte wurden teilweise mit juristischen Finessen abgesetzt und in den Bauausschuss zurückverwiesen, in dem es schon bei der letzten Behandlung keine verwertbaren Ergebnisse gab. Alles in allem dauerte der öffentliche Teil nur eine gute Stunde.
Einsparungen bei den Burgfestspielen
Die Hälfte der Saison 2022 der Burgfestspiele ist gerade erreicht, da wird schon lange an der kommenden Saison gearbeitet. Der Kulturausschuss hat die Auswahl der Stücke bereits im April einstimmig beschlossen. Eine erste Etatkalkulation stellte erhebliche Kostensteigerungen in allen Bereichen fest. Allein die Honorare für künstlerisches und technisches Personal stiegen durch die Berücksichtigung des Mindestlohns und die Anhebung der Verdienstgrenze bei geringfügig Beschäftigten um rund 95 Tsd. Euro. Hinzu kommen die höheren Preise für Energie und vieles andere. Diverse Änderungen am Spielplan sowie Einsparungen, aber auch weitere Kostensteigerungen führen nach jetzigem Stand zu einer Kostenbeteiligung der Stadt in Höhe von 483 Tsd. Euro und damit etwa 166 Tsd. Euro mehr als für die Saison 2022. Zur Verbesserung der Einnahmesituation waren von Stadt und Intendanz schon Preissteigerungen vorgesehen in Höhe von 1 Euro auf alle Eintrittskarten außer denen des Familienstücks. Der Stadtrat hatte also Entscheidungen zu treffen über die künftige Höhe der städtischen Beteiligung, die Freigabe von knapp 700 Tsd. Euro aus dem endgültigen künftigen Budget zur frühzeitigen Verpflichtung der Schauspieler, des künstlerischen und technischen Personals sowie für frühzeitige Werbung für die Festspiele.
Über die erhöhte Beteiligung der Stadt an den Festspielen sowie die vorzeitige Freigabe von Mitteln wurde im Rat nicht weiter geredet. Gestritten wurde jedoch über die Anhebung der Eintrittspreise. Um den Stadtrat und die Zuschauer in den kommenden Jahren nicht alljährlich mit einer Preiserhöhung beschäftigen zu müssen, schlugen die Freien Wähler eine Anhebung von 6 Euro je Karte vor außer denen des Familienstücks. Der Vorschlag löste allgemeines Kopfschütteln aus. Aber auch die AfD sah die Erhöhung von 1 Euro als zu niedrig an, teilte die Befürchtungen der Freien Wähler weitgehend und beantragte eine Erhöhung um 2 Euro. Darauf konnte sich eine Mehrheit des Rates verständigen.
Die Technik und Herzblut machten es möglich: Der für die Burgfestspiele verantwortliche Verwaltungsleiter Ralf Fuß befand sich zur Stadtratssitzung zwar im Erholungsurlaub, hatte sich von dort aber per Video zuschalten lassen, um Fragen der Ratsmitglieder zur Beschlussvorlage zu beantworten oder Erläuterungen zu geben.
Kunst am Bau der Kita Weiersbach
„Die 40 Tsd. Euro hätte man besser sparen sollen“ meinte Oberbürgermeister Meid zur Vergabe des Auftrags Kunst am Bau für die Kita Weiersbach. Doch so einfach ist das nicht. Öffentliche Bauherren sind nämlich gehalten, für Kunst an ihren Gebäuden Geld zu investieren, dass sich nach der Höhe der Bausumme richtet. Der Stadtrat hatte dazu ein 2-stufiges Bewerberverfahren vorgesehen, das inzwischen durchgeführt wurde. In der ersten Stufe wurden aus 24 Künstlern sechs für die 2. Stufe ausgewählt. Eine Jury aus sechs Fach- und Sachpreisrichtern erwählte dann mit deutlicher Mehrheit das Kunstwerk „Auf und davon“ zum Preis von 39.964,50 Euro der Künstlerin Maria Hill.
Grundsätzlich muss jemand, der einen Künstler beauftragt, sich vorher mit dessen künstlerischen Eigenarten vertraut machen, denn er trägt natürlich das Risiko, dass ihm das Werk später nicht gefällt. Diesen Grundsatz, den der Rat schon bei der Vorgabe des Bewerberverfahrens hätte beachten sollen, haben wohl die Mitglieder des städtischen Bauausschusses bei der von ihnen erwünschten Vergabe des Auftrags an Frau Hill auch nicht eingesehen und damit gleichzeitig als Politiker die Kompetenz der fachbesetzten Jury in Zweifel gezogen. Jetzt soll der Bauausschuss über die Auftragsvergabe nochmals beraten. Vermutlich muss es am Ende aber doch wieder der Stadtrat richten.
Grundschule Clemens
Für die Grundschule Clemens gab es in der Stadtratssitzung eine gute und eine ungünstige Nachricht. Für noch ausstehende Malerarbeiten nach dem Hochwasserschaden darf die Stadtverwaltung jetzt den Auftrag erteilen und er soll durch den gefundenen Auftragnehmer sogar in den Sommerferien fertig gestellt werden.
Durch das Hochwasser vom Juli 2021 wurde die Heizungsanlage der Grundschule Clemens zerstört. Der Stadtrat hat in seiner Mai-Sitzung beschlossen, dass die Grundschule zukünftig mit einer Luftwasserwärmepumpe beheizt werden soll. Damit die Betriebskosten niedrig gehalten werden können, ist die Errichtung einer PV-Anlage erforderlich. Diese soll aus Denkmalschutzgründen auf dem benachbarten Dach der Turnhalle Clemens errichtet werden. Doch dabei gibt es Probleme mit dem alten Schieferdach. Als sinnvolle und deutlich kostengünstigere Alternative bietet sich die Eindeckung des durch die PV-Anlage verdeckten Daches mit Zinkblechen an. Aber auch diese Entscheidung vermochte der Stadtrat nicht zu fällen ohne vorherige Beratung im Bauausschuss. Und der tagt erst wieder Ende September.
WEC
