Initiative für Stolpersteine in Rheinbach meldet sich zurück
„Umdenken und der Verlegung zustimmen“
Bürger erinnern an die ermordeten Juden der Stadt und appellieren an die Politik
Rheinbach. „Hier wohnte Ludwig-W. Weber, Jahrgang 1909, deportiert 11. Februar 1942 nach Minsk, ermordet 24. Juli 1942.“ In schwarzen Buchstaben auf messingfarbenem Untergrund erinnert dieses Schild an einen jüdischen Mitbürger, der in Rheinbach lebte, von den Nazis deportiert und umgebracht wurde. Er war einer von 34. An diese Gräueltaten der Nazis erinnerte die Initiative „Rheinbacher Bürger für Stolpersteine“ am Samstagmittag an der Rheinbacher Hauptstraße, Ecke Weiherstraße. Das Datum war bewusst gewählt: Nach der Ratsentscheidung gegen das Verlegen der Stolpersteine mit Stimmenpatt war die Bürgerinitiative enttäuscht nicht mehr öffentlich aufgetreten, es hatte Rückzüge und neue Mitstreiter gegeben; nun ist dieser Ratsbeschluss genau ein Jahr her, und die Initiative startet neu durch.
„Wir wollen dieses für Rheinbach sehr wichtige Thema bewusst vor der Kommunalwahl ansprechen. In dieser Wahlkampfzeit denken die Bürger über Politik nach, und wir appellieren an die Rheinbacher, an parteilose und politisch Engagierte, noch einmal über die Verlegung der Stolpersteine nachzudenken. Jeder sollte seinen Kandidaten fragen und sich dann für einen oder seine Partei entscheiden - ohne dabei zugleich ins Stolpern zu geraten“, erklärte Peter Mohr für die Bürgerinitiative unmissverständlich. Umdenken verlangt Mohr vor allem von CDU und FDP, sie hatten vor einem Jahr mit ihren Stimmen das Patt herbeigeführt und den Bürgerantrag der Initiative zum Scheitern gebracht. Die Stolpersteine erinnern europaweit an von Nazis deportierte und ermordete Juden. Und die Glasstadt ist laut Ingrid Schormann von der Bürgerinitiative die einzige Stadt im Rhein-Sieg-Kreis, in der eine politische Entscheidung gegen die Verlegung der Mahnmale gefallen sei. Die engagierten Rheinbacher Bürger kämpfen nun erneut dafür, die politische Entscheidung umzudrehen. „Mal sehen, welche Mehrheiten es nach der Kommunalwahl am 25. Mai in Rheinbach gibt. Dann werden vielleicht die Karten neu gemischt“, meinte Mitglied Gert-Uwe Geerdts, an seiner Seite Peter Mohr, Ingrid Schormann, Dietmar Danz und Hans Croullier. Noch vor der Kommunalwahl sollen Informationsstände auf die Initiative und ihre Ziele aufmerksam machen. Spenden brauchen die Initiatoren nicht, denn für alle 34 gewünschten Stolpersteine, die je gut 100 Euro kosten und von dem Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt werden, hat die Initiative eine Kostendeckung. Peter Mohr fasste in einer Mitteilung der Initiative noch einmal zusammen: „Hier wohnten und lebten die Rheinbacher Bürger, die wegen ihrer jüdischen Herkunft und Religion in die Mordmaschine der Nationalsozialisten geraten und darin umgekommen sind. Dies besonders für Jugendliche erlebbar zu machen, ist ein wichtiges Ziel der Initiative.“
Plakat des Protestes gegen die stolpersteinfreie Stadt.
