Merler Keil III kann kommen
Viel Zustimmung für Gedanken der Verwaltung
Meckenheim. Es ist eine spannende politische Frage in der Apfelstadt, was zu tun ist mit dem nach wie vor ungebrochenen Wunsch nach Zuzug in die Stadt.
Wie all die Wünsche nach Eigentum befriedigen ? Das Thema beschäftigt die Politik und die Verwaltung bereits seit geraumer Zeit, und vor einigen Monaten erläuterte die Beratungsfirma empirica den Kommunalpolitikern die Zusammenhänge zwischen Bautätigkeit und Einwohnerentwicklung („Blick aktuell“ berichtete). Bereits im Vorfeld war der Wunsch der Verwaltung durchgebrochen, an eine Bebauung des sogenannten Merler Keils III zu denken. Vorgeprescht war auch die UWG im Stadtrat, die einen entsprechenden Beschluss herbeiführen wollte.
Das wäre wohl auch im Sinne der Verwaltung gewesen, doch da spielte die Mehrheit der politischen Parteien nicht mit. Schließlich war seinerzeit bei der Bebauung von Merl II eine Bürgerwerkstatt eingerichtet worden, an deren Beschlüsse sich die Politik gebunden fühlte. Sowohl CDU wie auch SPD hatten im Vorfeld klar gemacht, dass man sich hier einer Bebauung nicht verschließen würde, das dies jedoch im Einvernehmen mit der Bürgerschaft geschehen müsse.
100 Bürger nahmen am Dialog der Verwaltung teil
Die Konsequenz war, dass die Verwaltung in der vergangenen Woche zu einem Bürgerdialog eingeladen hatte. Wie richtig das war, zeigte sich auch daran, dass mehr als 100 Bürger den Weg in den alten Ratssaal im Ruhrfeld gefunden hatten. Thomas Abraham vom Institut empirica stellte zunächst noch einmal die Ergebnisse der Untersuchungen vor und erläuterte das Zahlenwerk. Klares Fazit: Eine Stadt die nicht mehr baut ist, nicht zukunftsorientiert und stirbt. Und auch Bürgermeister Bert Spilles verwies darauf, dass die Stadt in den vergangenen Jahren nicht unerheblich in Kinder, Sicherheit und Wirtschaftsförderung investiert habe. Und er machte klar, dass vor allem viele neue Bürger den Weg nach Meckenheim gefunden haben, das liege auch daran, dass Meckenheim ein über dem Schnitt liegendes Wirtschaftswachstum aufzuweisen habe und einen positiven Pendlersaldo aufweise. Für eine Stadt, die ursprünglich einmal den Ruf einer „Schlafstadt“ für Bonn hatte, eine erstaunliche Entwicklung. Denn dies bedeutet, das mehr Menschen nach Meckenheim einpendeln, um dort zu arbeiten, als auspendeln. Auch hält der Zuzug von Bonn in die Region aufgrund der dort geradezu explodierenden Miet- und Wohnungspreise an, und die Stadt ist aufgefordert, eine Planung auch einmal bis in das Jahr 2030 und darüber hinaus vorzunehmen. Dies alles kann die Stadt jedoch nicht allein tun, dies muss in einem Regionalplan mit anderen Kommunen abgestimmt werden. Waltraud Leersch brachte es in einem Satz auf den Punkt, als sie formulierte: „Wenn der Stadtplaner von zeitnah spricht, dann sind das leicht sechs bis sieben Jahre, bis die privaten Bagger rollen können.“
Bebauung noch offener Flächen teils mit Problemen verbunden
Denn nach dem Regionalplan kommt noch der Bebauungsplan, und das alles muss auch mit Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Leersch zeigte anschließend detailliert auf, welche offenen Flächen es in der Apfelstadt überhaupt noch gibt und wie dort der Stand der Planung ist. Vieles davon ist jedoch bereits in der Umsetzung, teilweise sind Investoren am Zug, und ja, es gibt auch noch Baulücken in der Stadt. Das Problem ist aber, dass die Eigentümer nicht verkaufen wollen, da sie für Kinder oder Enkel die Möglichkeit schaffen wollen, ebenfalls Eigentum zu bauen.
Einhelliger Tenor: Merler Keil III wird bebaut werden
Roland Nestler stellte anschließend in der Dialogphase nicht die Bebauung des Merler Keils III infrage, nur den Zeitpunkt, er verwies darauf, dass sich eine Stadt von innen entwickeln solle und dass das Gelände eventuell für zukünftige Generationen freigehalten werden solle. Dass das Gelände bebaut werden soll, das war aktiv oder reaktiv bei durchweg allen Redebeiträgen unterstellt worden, es ging vielfach schon um die Art und Weise der Bebauung. Lediglich ein Redebeitrag stellte das gesamte Zahlenwerk und die Analyse vom empirica in Frage. Ehrenbürgerin Erika Meyer zu Drewer forderte dringend, dass Wohnungen entstehen müssen, in denen die Bürger auch alt werden können, denn es sei immer wichtiger, dass Menschen auch in hohem Alter in ihren eigenen vier Wänden bleiben können. Auch die Frage nach der Geschosshöhe gab einigen Anlass zu Diskussionen, die Mehrzahl der Wortmeldungen wünscht sich hier Ein- und Zweifamilienhäuser, in denen wenig Vermietung stattfinden soll. Die Verwaltung ließ aber durchaus den Wunsch erkennen, auch bei der Höhe möglichen Investoren entgegenkommen zu wollen. Vor allem junge Anlieger machten ganz klar, dass sie eine Bebauung wollen, hier überwiegt der Wunsch nach Haus mit Garten. Und auch die Verkehrsführung wurde schon einmal im Ansatz diskutiert. Auch die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Barbara Bienentreu wünscht sich eine Bebauung, denn derzeit hat man nach einer Talsohle eine halbwegs konstante Schülerzahl, und das soll auch so bleiben. Das sah auch Dirk Bahrouz, Rektor am Konrad-Adenauer-Gymnasium so, denn mehr Schüler stärken die Qualität. Was auf den ersten Blick etwas erstaunlich klingt macht natürlich Sinn, denn viele Schüler bedeuten auch viele unterschiedliche Kurse und damit auch die Möglichkeit einer speziellen und individuellen Förderung. Das die Geschäftswelt sich für einen Ausbau ausspricht, ist jetzt nicht verwunderlich, aber insgesamt betrachtet, war die Veranstaltung ein klares Votum an die Verwaltung, planen zu können, allerdings sollen die positiven Erfahrungen aus dem Merler Keil II zugrunde gelegt werden, und mehrgeschossigen Mietwohnungsbau wollen die Bürger dort wohl auch nicht haben. STF
