Dialogforum Windenergie in Ollheim
„Wildwuchs“ von Windrädern verhindern
Mit Konzentrationszonen will die Gemeinde das Heft des Handelns in der Hand behalten
Ollheim. Ein weites Themenfeld wurde abgedeckt bei der zweiten Auflage des „Dialogforums Windenergie“, zu der die Gemeinde Swisttal und der Dorfgemeinschaftsverein Ollheim in den Ollheimer Dorfsaal eingeladen hatten. Ziemlich genau 100 Interessierte aus ganz Swisttal ließen sich hier erneut über die Pläne der Gemeinde informieren, voraussichtlich drei Konzentrationszonen für Windenergie im Flächennutzungsplan auszuweisen. Dafür stünden insgesamt 77 Hektar zur Verfügung, die auf beiden Seiten der Autobahn A 61 zwischen Ollheim und Heimerzheim liegen.
Planer Dr. Detlef Naumann machte noch einmal darauf aufmerksam, dass mit dem Flächennutzungsplan lediglich die künftige Art der Nutzung auf den vorgesehenen Konzentrationszonen festgelegt werde. Wie viele Energieanlagen an welchen genauen Standort aufgestellt werden, wie hoch sie sind und wie sie aussehen, könne erst im nächsten Schritt festgelegt werden. Das geschehe dann mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan, sobald ein potentieller Investor sich für diese Fläche als Standort einer Windenergieanlage interessiere. „Darin kann die Gemeinde Swisttal so gut wie alles vorgeben, bis hin zur Farbe der Rotorblätter“, versicherte er den Bürgern, dass die Gemeinde stets das Heft des Handelns in der Hand behalten und zum Wohle der Bürger entscheiden werde.
Schädliche Wirkung kann ausgeschlossen werden Konzentrationszonen einf+ühren
Allerdings könne man auch dann erst konkrete Aussagen zu möglichen Beeinträchtigungen durch Schattenwurf, Lichtreflexe, Schallemissionen und Ähnlichem treffen, denn dafür müsse man nun einmal genau wissen, welche konkrete Anlage mit welcher Gesamthöhe und welcher Nennleistung an welchem Standort geplant sei. Vor allem das Thema „Infraschall“ beschäftigte nämlich einige der anwesenden Bürger, die davon eine gesundheitliche Gefahr ausgehen sahen. Da half es auch nichts, dass Diplom-Ingenieur Manfred Heppekausen versicherte: „Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft kann eine schädliche Wirkung des Infraschalls auf die Wohnbevölkerung ausgeschlossen werden.“ Dafür sei der Abstand einfach viel zu groß, denn nach neuesten Studien sei bereits in einem Abstand von 250 Metern von einer Windenergieanlage keinerlei Infraschall mehr wahrnehmbar.
Eine Konzentrationszone sei dringend notwendig, um einen „Wildwuchs“ von Windrädern überall im ganzen Gemeindegebiet zu verhindern, ergänzte Rechtsanwalt Dr. Felix Pauli. Ansonsten könne jeder Grundstücksbesitzer einen Antrag auf Errichtung eines Windrades stellen und habe dann sogar einen Rechtsanspruch darauf, dass dieser auch genehmigt werde. Die Windenergie genieße eine gesetzliche Privilegierung, ähnlich der Landwirtschaft. Mit den Konzentrationszonen könne man jedoch den Mindestabstand zum Dorfrand auf 900 und zu Kleinsiedlungen auf 500 Metern festschreiben und den Rest des Gemeindegebietes zur Tabuzone erklären. „Ich weiß, dass nicht alle froh und glücklich sind mit den Ergebnissen. Das kann man bei so einem schwierigen Thema aber auch nicht erwarten“, fasste der Vorsitzende des Dorfgemeinschaftsvereins, Wilfried Hein, am Ende zusammen. Die Energiewende sei anfangs euphorisch von der Bevölkerung aufgenommen worden, „doch wenn es ins Detail geht, wird es immer kritischer.“ Dennoch sei man fair miteinander umgegangen, lobte er die sachliche Diskussionsatmosphäre. „Und wenn jeder das Gefühl hat, dass hier transparent, offen und ehrlich informiert wurde, haben diese beiden Abende ihr Ziel erreicht.“ Der Ball werde jetzt an die Politik zurückgespielt, der über die weitere Vorgehensweise entscheiden müsse.
Ausschuss tagt am 10. Oktober
Aus den Ergebnissen der bisherigen Bürgerbeteiligung und den Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange will die Verwaltung nun eine umfassende Entscheidungsgrundlage für den Planungsausschuss zusammenstellen, der in seiner nächsten Sitzung am 10. Oktober um 17.30 Uhr im Ratssaal des Ludendorf Rathauses die einzelnen Argumente noch einmal politisch bewerten muss. Das erläuterte die Erste Beigeordnete Petra Kalkbrenner zur weiteren Vorgehensweise. Dank der engagierten Mitarbeit der interessierten Bürger seien zahlreiche sinnvolle Fragen und Anregungen in die Debatte eingeflossen, die durchaus auch Berücksichtigung finden könnten.
