Leserbrief zum geplanten „Windpark für Bad Hönningen“, Blick aktuell Ausgabe 17/2026
Windkraft in Bad Hönningen – Chancen, Risiken und Transparenz
Das Vorhaben wird als wichtiger Schritt in Richtung Versorgungssicherheit und Energiewende sowie als Einnahmequelle für die Stadt Bad Hönningen dargestellt. Gleichwohl erscheint es geboten, zentrale Aspekte kritisch zu hinterfragen.
Im Artikel ist die Rede von „vielversprechenden Ergebnissen der ersten naturschutzfachlichen Untersuchungen“.
Das 2011 ursprünglich auf Ebene der Verbandsgemeinde gestartete und u.a. aufgrund naturschutzfachlicher und artenschutzrechtlicher Bedenken seit 2013 nicht mehr weiter verfolgte Projekt, wird sich nun über weitere Jahre erstrecken, da wesentliche planungsrechtliche Voraussetzungen fehlen. Eine umfassende und frühzeitige Information über Chancen und Risiken ist daher besonders wichtig.
Auch die Gewichtung privater und öffentlicher Interessen wirft Fragen auf. Der nur wenige Tage vor der letzten Stadtbürgermeisterwahl geschlossene und kurz vor der Amtseinführung des neu gewählten Stadtbürgermeisters unterzeichnete Nutzungsvertrag zwischen der Stadt Bad Hönningen, der BMR-Süwag-Projektentwicklungsgesellschaft mbH und den Privateigentümern betroffener Waldparzellen schafft zwar eine Grundlage, lässt jedoch offen, inwieweit damit bereits Vorfestlegungen getroffen wurden, bevor eine öffentliche Abwägung erfolgt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass das 38-seitige Vertragswerk der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich gemacht worden ist.
Ebenso sollten wirtschaftliche Interessen klar benannt werden: Ist die Stadt Bad Hönningen der zentrale Nutznießer? Wie hoch sind die zu erwartenden Erträge tatsächlich und in welchem Umfang sind die anderen Projektbeteiligten, einschließlich der Privateigentümer, vertraglich begünstigt? Auf welcher Grundlage wurden entsprechende Vereinbarungen getroffen, wenn bislang nicht einmal gesichert ist, ob die Anlagen wirtschaftlich betrieben werden können, weil die erwartete Windhöffigkeit in dem beplanten Bereich bisher nur auf Annahmen beruht, und wer trägt das Risiko im Fall einer Unwirtschaftlichkeit?
Die Errichtung von acht Windrädern im Bad Hönninger Teil des Naturparks Rhein-Westerwald bedeutet nicht nur das Aufstellen von knapp 250 m hohen Anlagen in rund 700 Metern Entfernung zum nächstgelegenen Wohngebiet Oelsberg, sondern bringt erhebliche ökologische und soziale Herausforderungen mit sich, darunter großflächige Rodungen, Verbreiterung und Befestigung von Zufahrtstrassen, zahlreiche Schwerlasttransporte durch den Wald, 3.500 Tonnen schwere Stahlbetonfundamente, mögliche Artenschutzkonflikte sowie Schall- und Infraschallbelastungen. Im Betrieb können zudem Emissionen entstehen, etwa durch Materialabrieb, deren mögliche Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit ebenfalls berücksichtigt werden sollten. Auch Auswirkungen auf Landschaftsbild, Tourismus, Immobilienwerte und Lebensqualität sind zu berücksichtigen, unweit der geplanten Anlagen verläuft auch das UNESCO-Welterbe Obergermanisch-Raetischer Limes – ein hoher Preis für Bad Hönningen, zumal die Region als windarm gilt und bislang keine vergleichbaren Anlagen in einem größeren Umkreis existieren.
Wir wünschen uns, dass die weitere Diskussion von Transparenz, sachlicher Information und einer ausgewogenen Abwägung aller Interessen geprägt ist - bevor das Projekt in die Tat umgesetzt wird.
Sandra Casol,
Susette & Ralf Hannig,
Ute Lotzmann,
Klaus Mehren,
Anke Sultan
- Bad Hönningen
