Politik | 18.05.2021

Leserbrief zum Neubau TWIN

Zuschuss aus der Graftschaft?

Einfache Antworten. Wo gibt es diese heutzutage noch? Das Hallenbad TWIN in Bad Neuenahr-Ahrweiler soll abgerissen und neu gebaut werden, und die Kreisstadt hat Finanzierungsprobleme und möchte von der Gemeinde Grafschaft einen Zuschuss erhalten, 1,2 Millionen Euro sind im Gespräch. Einen Anspruch hierauf hat die Kreisstadt nicht.

Als Mittelzentrum bekommt die Kreisstadt pro Einwohner mehr Geld vom Land als die umliegenden Gemeinden. Dieses Mehr an Geld für Mittelzentren ist gerade für solche überörtlichen Leistungen wie ein Hallenbad gedacht. Wie kommt es zu der Finanzklemme in Bad Neuenahr-Ahrweiler? Die Stadt kann die Ausgaben nicht aus ihren Einnahmen stemmen, verkauft ihr Tafelsilber, und es reicht immer noch nicht. Dabei hat die Stadt ihre Gewerbesteuerausfälle wegen Corona vom Bund ersetzt bekommen. In der Kreisstadt wird man sich Fragen stellen müssen: Kann sich die Stadt die Ahrthermen noch leisten? Hat die Stadt sich mit der Landesgartenschau übernommen? usw.

Zum TWIN ist folgendes zu sagen: Das Schwimmbad TWIN ist das einzige Hallenbad im Kreis mit einem 25m-Becken und für den Schulsport und den Schwimmsport unverzichtbar. Insofern ist auch der Kreis in der Pflicht. Der Kreis gibt 1,1 Millionen Euro. Die Gemeinden zahlen an den Kreis Geld, damit er Aufgaben für sie erledigt (Kreisumlage 42,5 Prozent). Mit diesen Zahlungen sind die umliegenden Gemeinden im Kreis Ahrweiler eigentlich bei der Finanzierung des TWIN außen vor. Auch möglicherweise deshalb halten sich andere Gemeinden des Kreises Ahrweiler bedeckt. Der Bund ist großzügig und gibt 3,1 Millionen Euro, was das Land unter Berufung auf eine Vermeidung einer Doppelförderung von einem Landeszuschuss Abstand nehmen lässt. Soll die Gemeinde Grafschaft mithelfen, der Kreisstadt aus der Patsche zu helfen? In der Grafschaft gab es Stimmen, die Zuschüsse an die Kreisstadt quasi als Beruhigungspillen für die Kreisstadt verstanden, damit Einzelhandelsflächen in einer Größenordnung, die der Gemeinde Grafschaft nicht zustehen, keine Proteste der Kreisstadt hervorrufen. In den letzten Jahren konnte die Gemeinde Grafschaft ihre Einnahmen vor allem bei den Gewerbesteuern deutlich steigern. Allerdings musste sie sich zunächst stark verschulden, um die Voraussetzungen für mehr Gewerbesteuereinnahmen zu schaffen. Diese Schulden müssen abgetragen werden. Vor wenigen Jahren noch wurde ein Zuschuss für das Hallenbad strikt abgelehnt. Dann aber bei besserer Finanzlage der Gemeinde Grafschaft wurde doch über einen Zuschuss nachgedacht. Im Haushalt steht insofern eine Summe mit Sperrvermerk, dabei existiert überhaupt keine Grundsatzentscheidung für einen Zuschuss.

Jetzt sind die Gewerbesteuereinnahmen in der Grafschaft eingebrochen, und diese werden wegen des Berechnungsverfahrens anders als in der Kreisstadt nicht mit Bundesmitteln ersetzt. Dies führte zu einer hohen Aufnahme von zuätzlichen Liquiditätskrediten für das laufende Geschäft. Diese Kredite müssen nun so schnell wie möglich zurückgezahlt werden, hinzu kommen die Altschulden. Um Geld für Bad Neuenahr-Ahrweiler zu geben, müsste die Gemeinde Grafschaft dieses kreditfinanzieren. Da es Kredite für freiwillige Leistungen wären, müsste angesichts der finanziellen Gesamtlage die Kommunalaufsicht aufmerksam werden. Auch ist es merkwürdig, wenn in der kleinen Grafschaft über Summen diskutiert wird, die den Beitrag des Kreises Ahrweiler für das Hallenbad übersteigen. In der Grafschaft scheint mir die Bodenhaftung zu fehlen und im Kreis scheint man auf der Geldschatulle zu sitzen.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, so formulierte es Johann Wolfgang von Goethe einst.

Eigentlich müsste ich im Gemeinderat Grafschaft bei diesem ganzen Schlamassel, den andere zu verantworten haben, ganz klar „Nein“ zu Zuschüssen der Gemeinde Grafschaft für den Neubau des Hallenbades TWIN in Bad Neuenahr-Ahrweiler sagen.

Doch dann würde mein sozialdemokratisches Herz bluten, denn ich will, dass unsere Kinder und Jugendlichen ganzjährig die Möglichkeit zum Schwimmenlernen und zum Schwimmen und Spaßhaben bekommen sollen. Und auch alle anderen Bürgerinnen und Bürger des Kreises Ahrweiler bedürfen dieses Angebotes.

Letztendlich siegt bei mir Herz über Verstand. Daher bin ich in der Gesamtschau für eine Geldzahlung, um zu helfen, den Karren am Laufen zu halten. Doch sollte die Höhe eines Zuschusses mit Maß und Ziel bestimmt werden. Ich werde meine Freunde in meiner Ratsfraktion nun um Rat fragen, um gemeinsam einen vernünftigen Vorschlag für den Gemeinderat Grafschaft einbringen zu können.

Dr. Dieter Bornschlegl, Grafschaft

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Andi-RLP: Hallo Herr oder Frau Bastian, Sie haben Recht, die Kommentarantwort von mir war falsch ausgedrückt. Das Wort "vertrauensvoll" steht natürlich im Bericht. Jedoch habe nicht ich den vertrauensvollen Abstimmungsprozess...
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Elke Zeise: Nur Schade das man als Nachbarin keine Information bekommt ob der Täter noch in U Haft ist oder wieder auf freiem Fuß ist. Habe Angst die Wohnung zu verlassen
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Anlagenmechaniker
Anzeige Uhren Vintage
Praxis an neuem Standort
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Gesundheit im Blick Lahnstein
Save the Dates
Innovatives rund um Andernach
Empfohlene Artikel
17

„Saubere Flüsse bieten Schutz vor Hochwasser“ lautete die Überschrift eines Berichts in der Ausgabe 14/2026 des BLICK aktuell. Darin hieß es u.a.: „Während die Verbandsgemeinde Bad Breisig die öffentlich-rechtliche Verpflichtung zur Gewässerunterhaltung wahrnimmt, obliegt den Grundstückeigentümern die zivilrechtliche Verkehrssicherungspflicht für Uferbereiche und Bewuchs.“

Weiterlesen

Der marode Zustand der L 83 ist in Kempenich Dauerthema.  Foto: Jochen Seifert
357

Der Artikel zeigt deutlich das Dilemma mit der Sanierung von Landes- und Kreisstraßen im Kreis Ahrweiler. Dem LBM ist der Zustand der L 83 von der K 18 bis nach Kempenich bekannt – das freut mich. Offensichtlich nicht bekannt ist der miserable und verkehrsgefährdende tatsächliche Zustand, denn dann hätte man die Straßen längst saniert. Der benannte Abschnitt der L 83 stand schon im Investitionsplan Landesstraßen der Landesregierung von 2019 – 2023 mit insgesamt 1,934 Millionen Euro.

Weiterlesen

Die CDU Rheinbreitbach freut sich auf viele Gäste beim Burgfest am 26. April.  Foto: Heinz-Werner Lamberz
36

Rheinbreitbach. Der CDU-Ortsverband Rheinbreitbach lädt ein zum Burgfest am Sonntag, 26.04.2026 ab 15:00 Uhr in und um die Obere Burg, Schulstraße 7a in Rheinbreitbach. Angeboten werden leckere, von Mitgliedern gebackene Kuchen, selbstverständlich auch Kaffee, Tee sowie andere alkoholische und alkoholfreie Getränke. Natürlich besteht Gelegenheit zu Gesprächen untereinander sowie mit Abgeordneten und Kommunalpolitikern.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nadine Kreuser.  Foto: privat
4

In Ahrweiler gehört es fest dazu: das Maibaumstellen. Gemeinsam werden die großen geschmückten Bäume aufgerichtet – mit viel Vorbereitung, Muskelkraft und Gemeinschaftssinn. Gleichzeitig sieht man in diesen Tagen vor vielen Häusern kleinere Maibäume stehen. Sie werden meist ganz persönlich aufgestellt: als Zeichen der Zuneigung, der Verbundenheit oder einfach, um einem Menschen zu zeigen: Ich denke an dich.

Weiterlesen

Symbolbild.
19

Pkw touchiert Kind an einer Bushaltestelle

21.04.:Kind bei Unfall in Marienfels verletzt

Marienfels. Am Dienstag, dem 21. April 2026, kam es gegen 16:30 Uhr in der Römerstraße in Marienfels zu einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein Kind wurde von einem vorbeifahrenden PKW leicht touchiert und erlitt dabei leichte Verletzungen.

Weiterlesen

Dr. med. Patrick Löhr, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie des Evang. Klinikums Westerwald (EKW), Leiter des zertifizierten Endoprothetikzentrums der Maximalversorgung (EPZ max.).  Foto: Anja Nassen
13

Hachenburg. Wenn konservative Therapien nicht mehr helfen, kann ein künstliches Gelenk die Lebensqualität deutlich verbessern. Doch viele Betroffene stellen sich die Frage, was vor einer Operation zu beachten ist und wie die Zeit danach optimal gestaltet werden kann.

Weiterlesen

Imageanzeige
Dauerauftrag 2025
Hausmeister, bis auf Widerruf
Dienstleistungen
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
Dauerauftrag 2026
Stellenanzeige Auszubildung zum/zur Umwelttechnologen/in
Titelanzeige
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Maifest Gönnersdorf
Stellenanzeige Kaufmännische/r Angestellte/r
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Industriemechaniker
Gesundheit im Blick
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Angebotsanzeige (April)
Gesundheit im Blick
Innovatives rund um Andernach