Villa Musica begeisterte im Foyer der Remagener Rheinhalle
„Brahms in Ungarn“
Remagen. Zu einem beeindruckenden Konzert unter dem Titel „Brahms in Ungarn“ hatte die Villa Musica Rheinland-Pfalz am Freitag in das Foyer der Rheinhalle eingeladen. Dort konzertierten die beiden Dozenten Peter Hörr, Violoncello und Friedemann Eichhorn, Violine mit den vier Stipendiaten Sven Stucke, Violine, Kundri Schäfer, Viola, Sarina Zickgraf, Viola und Indira Rahmatulla, Violoncello. Mit Werken von Erno von Dohnányi, Alfred Schnittke und Johannes Brahms verzauberten die Dozenten mit den Stipendiaten regelrecht das Publikum in wechselnden Besetzungen. Den Auftakt gaben Stucke, Schäfer und Hörr mit der Serenade C-Dur, op. 10 mit Marcia, Romanza, Scherzo, Tema und Rondo von Ernö von Dohnányi. Die Serenade für Streichtrio op. 10 hat Dohnányi 1903 in Wien komponiert, sechs Jahre nach dem Tod von Brahms und doch in deutlicher Nähe zur Musik des Mentors. In den Sätzen wechseln ein kräftig voranschreitender Marsch über volkstümlichen Bordun und wilde ungarische Volksthemen, schwärmerisch romantische Klänge, wirbelnde Tanzrhythmen, atemlose Triolen bis zum Einsatz des Rondo-Finales bis hin wieder zum einleitenden Marsch mit seinem ungarischen Mittelteil.
Huldigung an die expressive Moderne
Eichhorn, Zickgraf und Rahmatulla präsentierten im Anschluss das Strichtrio (1985) mit Moderator und Adagio von Alfred Schnittke (1934 bis 1998). Der deutsch-russische Komponist Schnittke komponierte sein einziges Streichtrio zum Andenken an den Wiener Berg, den Schöpfer des Wozzeck und der Lulu. Schnittkes zweisätziges Trio ist eine Huldigung an die expressive Moderne seines Wiener Vorgängers und ein Musterbeispiel für die eigene Ästhetik des 1998 verstorbenen russischen Komponisten deutscher Abstammung. Alle Musikstile der Gegenwart und Vergangenheit wollte Schnittke im Sinne einer Zeitspirale für sich verwenden und zu einer „polystilistischen Moderne“ zusammenfügen. Im Streichtrio reicht die Bandbreite der Assoziationen von Schubert über Anklänge an späten Schostakowitsch bis hin zur bohrend dissonanten Klängen. Das Streichtrio beginnt mit dem "Happy Birthday to you" in zartem Klang. Das Motiv bleibt im ganzen Werk präsent, wechselweise überlagert von Dissonanzen, in wehmütige Erinnerungsbilder getaucht oder in dichtem, dissonanten Kontrapunkt verarbeitet. Das Publikum dankte nach den ersten beiden Aufführungen mit lang anhaltendem Applaus. Nach der Pause offerierten alle sechs Musiker das Streichsextett G-Dur, op. 36 von Johannes Brahms. Sein zweites Streichsextett schrieb Brahms 1864 in Baden-Baden während des ersten Sommers, den er im mondänen Kurort am Fuße des Schwarzwaldes verlebte. Im Sextett von Brahms wechseln sich Klänge von Melancholie, Wehmut und Leidenschaft ab. Hingerissen lauschte das Publikum den sechs Musikern und dankte zum Schluss des beeindruckenden Konzerts mit tosendem Applaus. Dankbar angenommen worden waren auch die Erläuterungen der beiden Dozenten zu den jeweiligen Musikstücken der Komponisten.
