Kunstausstellung Remagen
Christian Bergantins Ausstellung „Turbolenze“ mit moderner Malerei in Remagen
aus Remagen
Remagen. Schon beim Betreten der Galerie ArtspaceK2 war spürbar: Dieser Nachmittag sollte mehr werden als die Eröffnung einer Kunstausstellung.
An den Wänden leuchteten kräftige Farben, dunkle Linien durchzogen die Bilder, Material und Farbe schienen in Bewegung geraten zu sein.
Kunstfreunde, Gäste und interessierte Besucher waren zusammengekommen, um die Ausstellung „Turbolenze“ des venezianischen Künstlers Christian Bergantin kennenzulernen.
Die Vernissage wurde zu einer Begegnung mit einer Malerei, die nicht stillstehen will. Bergantins Bilder fordern den Blick heraus, ziehen ihn an und lassen ihn zugleich immer wieder los. Sie erzählen keine eindeutigen Geschichten. Sie stellen Fragen.
Der Künstler, 1972 in Cavarzere in Venetien geboren, verbindet in seinem Werk Elemente des Expressionismus, der italienischen Arte povera und des Action Painting mit einer ganz eigenen, materialbetonten Bildsprache. Farben werden nicht einfach aufgetragen, sondern scheinen miteinander zu ringen. Linien wirken wie Spuren einer spontanen Bewegung. Oberflächen werden zu Erinnerungsräumen.
Einen besonderen Akzent setzte die Laudatio von Hanns Stüßer. Er nahm die Besucher mit auf eine gedankliche Reise durch Bergantins Kunst und stellte dabei eine scheinbar einfache, aber grundlegende Frage: „Was sehen wir eigentlich, wenn wir ein Bild sehen?“ Natürlich sehen wir zunächst Farben, Formen, Linien und Flächen. Doch damit, so Stüßer, sei die Begegnung mit einem Kunstwerk noch lange nicht beendet. Jeder Betrachter bringe seine eigenen Erinnerungen, Erfahrungen und Erwartungen mit. Ein Bild könne dadurch für jeden Menschen etwas anderes auslösen.
Gerade darin liege die besondere Qualität von Bergantins Arbeiten. Sie zeigten etwas und entzögen sich gleichzeitig einer eindeutigen Erklärung. Sie machten sichtbar und verwiesen zugleich auf etwas, das hinter dem Sichtbaren liege.
Stüßer bezeichnete das Kunstwerk deshalb als einen „Resonanzraum“ – einen Ort, an dem Wahrnehmung, Erinnerung und persönliche Erfahrung miteinander in Beziehung treten. Eine gute Interpretation bedeute nicht, einem Bild eine fertige Botschaft aufzuzwingen. Vielmehr gehe es darum, die Spuren wahrzunehmen, die das Werk selbst anbietet.
„Turbolenza“ – Unruhe als schöpferische Energie
Besonders eindrucksvoll ist das titelgebende Werk „Turbolenza“. Rot, Orange, Gelb, Grün und Blau treffen aufeinander, während schwarze, kraftvolle Linien die Farbflächen durchschneiden. Nichts scheint endgültig festgelegt. Der Blick wandert über die Leinwand, sucht Halt und wird immer wieder weitergeführt.
Die Unruhe des Bildes ist dabei kein Zufall. Sie ist Teil des künstlerischen Konzepts. Turbulenz bedeutet bei Bergantin nicht lediglich Chaos. Sie kann vielmehr eine schöpferische Kraft sein – eine Bewegung, aus der neue Ideen und neue Formen entstehen.
Die schwarzen Linien wirken wie Risse, gleichzeitig aber auch wie Spuren innerer Bewegung. Was zunächst wie Zerstörung aussieht, wird damit zum Ausgangspunkt einer neuen Ordnung.
Zwischen Erinnerung und Geheimnis
Auch die weiteren ausgestellten Arbeiten öffnen unterschiedliche Türen in Bergantins künstlerische Welt.
In „Flashback“ taucht aus einem intensiven Farbnebel eine schemenhafte Gestalt auf. Das Bild scheint den Augenblick festzuhalten, in dem eine Erinnerung plötzlich wieder gegenwärtig wird. Die Vergangenheit erscheint – und entzieht sich im gleichen Moment wieder.
„Splitter“ führt dagegen in eine dunklere Welt. Materialfragmente, Farbspritzer und dunkle Flächen vermitteln den Eindruck von Bruch und Zersplitterung. Doch auch hier bleibt es nicht bei der Zerstörung. Aus den einzelnen Fragmenten entsteht auf der Leinwand etwas Neues.
Besonders geheimnisvoll wirkt „Segreto“. Das dreidimensionale Werk ist verhüllt, verschnürt und nur teilweise einsehbar. Man erkennt Spuren von Schrift, Farbe und Material – aber nicht das Ganze. Das Geheimnis wird nicht gelüftet. Es bleibt bestehen.
Ein Nachmittag, der zum Gespräch einlud
Nach der offiziellen Eröffnung und der Laudatio nutzten die Gäste die Gelegenheit, die Werke aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und miteinander ins Gespräch zu kommen. Gerade diese Mischung aus Kunstbetrachtung, persönlicher Begegnung und Austausch machte den Nachmittag zu einer gelungenen Vernissage.
Christian Bergantins „Turbolenze“ verlangt keine schnelle Antwort. Die Ausstellung lädt vielmehr dazu ein, vor einem Bild stehen zu bleiben, den Blick wandern zu lassen und den eigenen Gedanken Raum zu geben.
Vielleicht liegt genau darin die Stärke dieser Kunst: Sie will nicht alles erklären. Sie will etwas in Bewegung bringen.
Hanns Stüßer brachte diesen Gedanken in seiner Laudatio auf den Punkt: Hinter dem, was wir sehen, kann noch etwas anderes beginnen – etwas, das sich nicht vollständig in Worte fassen lässt.
Etwas Unsichtbares, von dem nur Spuren bleiben.
Hanns Stüßer
Vernissage Galerie artspaceK2. Foto: H. Stüßer
Turbolenza 2020 Foto: C. Bergantin
Weitere Themen
Vernissage Galerie artspaceK2. Foto: H. Stüßer
RegioMAGAZIN
Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.
- 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
- Neue Ausgabe jeden Tag
- Für unterwegs gemacht
Lebensmittel retten in Mayen
foodsharing Mayen rettet Lebensmittel auf dem Lukasmarkt 2026 nachhaltig
Mayen. Wenn die Lichter des traditionellen Lukasmarkts ausgehen und das Abschlussfeuerwerk verklungen ist, beginnt für ein ganz besonderes Team die wichtigste Schicht. Auch in diesem Jahr – und damit bereits im vierten Jahr in Folge – waren die Ehrenamtlichen von **foodsharing Mayen** am Sonntagabend im Einsatz, um übrig gebliebene Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren.
Weiterlesen
Zuhause gesucht für Kater mit rot-weißem Fell
Kater Tom sucht nach seinem Zuhause, wahrscheinlich Niederzissen, Bächelsberg
Niederzissen. Seit dem 22.09.2026 schläft Kater Tom auf dem Balkon und möchte unbedingt ins Haus, was aber wegen der dort bereits wohnenden Katze nicht geht, denn sie vertragen sich nicht.
Weiterlesen
Jürgen B.Hausmann gastierte in der Laacher See-Halle
Der „dritte Anlauf“ passte
Mendig. „Wie das Leben so spielt…“ aus 27 Jahren Kabarett und fast 62 Jahren Leben: Geschichten zum Totlachen, zum Schmunzeln und zum gerührt sein. Jürgen B. Hausmann begeisterte das Publikum in der ausverkauften Laacher See-Halle mit einer kabarettistischen Retrospektive von 1964 bis heute.
Weiterlesen