Eifelverein Remagen
Ein ganzes Schiff voller Wein
Remagen. Die Erwartungen waren hoch, schließlich werden die beiden Etappen von Mehring über Leiwen nach Neumagen zu den schönsten des ganzen Moselsteigs gezählt. Das traf auch wirklich zu, diese Landschaft ist einmalig und großartig. An diesem Anblick der Moselwindungen zwischen gepflegten, ausgedehnten Weinbergen hoch hinauf bis zum Waldrand auf den Höhen kann sich ein Wanderer förmlich berauschen.
Aber in keiner Beschreibung war diese fast unerträgliche Hitze angekündigt, mit der die Remagener Wanderfreunde zu kämpfen hatten. Der Abschnitt bis Leiwen gilt ohnehin schon als schwierig. Bei diesen Temperaturen wurde er grenzwertig. Seit vielen Wochen hatte es nicht mehr geregnet, im Wald lag das Laub knöcheltief, aus Not abgeworfen von den durstigen Bäumen - und das im Juli! Der Schönheit der Landschaft tat das aber keinen Abbruch. Von einem 20 m hohen Holzturm lässt sich der Fünf-Seen-Blick genießen, das heißt, von dort sieht man fünf getrennte Abschnitte der so vielfach gewundenen Mosel in dem hier so weiten Tal. Übernachtet wurde in Leiwen und zur allgemeinen Erleichterung kam doch tatsächlich nachts das so ersehnte kräftige Gewitter mit ergiebigem Regenguss. So ging es am nächsten Morgen bei frischen Temperaturen und klarer Luft voller Schwung weiter Richtung Neumagen, wo die Remagener von römischen Legionären in voller Kriegsausrüstung und noch mehr Römern jeden Alters in farbenprächtigen zivilen Togen begrüßt wurden. Der Ort feierte Weinfest und wie immer bei solchen Gelegenheiten wird man sich in Neumagen dann seiner römischen Wurzeln ganz besonders bewusst. Nirgends sonst in Deutschland ist das römische Alltagsleben so lebendig und authentisch dokumentiert wie in Neumagen. Es war in römischer Zeit dort üblich, auf Grabmalen Szenen aus dem beruflichen Alltag der Verstorbenen darzustellen. Diese von Steinmetzen recht kunstvoll bearbeiteten Grabsteine wurden gegen Ende der Römerzeit zum Bau einer Stadtmauer verwendet und erst im 19. Jahrhundert bei Ausgrabungen wieder entdeckt. Tausende von Fundstücken traten zutage. Sie zeigen, wie in römischer Zeit die Reben geschnitten und gebunden wurden, geben einen Einblick in das Büro eines Pachteinnehmers oder führen den Betrachter in das Ankleidezimmer einer reichen Dame, die gerade frisiert wird. Eine Dienerin flicht ihr die Haare, eine andere hält der Dame einen Spiegel vor, während eine Dritte ein Gefäß mit sicher edlen Parfümen heranbringt. Am meisten bekannt geworden von allen diesen Darstellungen ist das Weinschiff. Grimmig dreinblickende Männer mit Vollbärten rudern das mit großen Weinfässern beladene Schiff. Es dokumentiert nicht nur die Technik des Baues römischer Flussschiffe, sondern zeigt auch, dass schon damals Moselweine auch andernorts ihre Liebhaber gefunden hatten und daher exportiert werden konnten. Ein Nachbau dieses Weinschiffes auf Rädern war der Höhepunkt im Festzug, während ein weiterer großer und funktionstüchtiger Nachbau auf der Mosel schwimmt und zu Rundfahrten einlädt. Schade, dafür reichte die Zeit den Remagenern nicht.
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