Eröffnung verschoben – Behörden suchen in Rolandseck nach schneller Problemlösung
Treppe zum Rolandsbogen abgestürzt
Rolandseck. „Ich kam von fern gezogen, zum Rhein, zum Rhein. Beim Wirt zum Rolandsbogen, da kehrt ich fröhlich ein.“ Mit diesem Vers aus der Geschichte der Rheinromantik ist vorerst Schluss. Waren in den vergangenen Jahren noch sechsstellige Summen in die Sanierung des Rolandsbogens, in den Ausbau der Glaskuppel über der Terrasse geflossen, so machte nun der Absturz eines Teiles der einzigen Zuwegung zum Restaurantbetrieb dem Geschäftsverlauf einen Strich durch die Rechnung. „Achtung Lebensgefahr“ steht auf dem Schild an der Absperrung, die ein Betreten des Geländes zur Zeit verhindert. Das Podest des Treppenaufganges, von dem es bereits eine herrliche Aussicht über das gesamte Rheintal gibt, ist diese Woche etwa zehn Meter in die Tiefe gestürzt. Zum Glück hat der Restaurationsbetrieb gerade Betriebsferien. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass kein Personenschaden zu beklagen ist. Bei der Suche nach der Ursache des Unglücks sind mehrere Behörden tätig. Jörg Pferdzig von der Eigentümergemeinschaft Develop-Visio GmbH aus Bonn ließ verlauten, dass für das Wegbrechen der Treppe eine mehr als 900 Jahre alte Trockenmauer die Verantwortung tragen könnte.
Durchweichter Boden
Das Unglück kam nicht ganz überraschend, bereits vor Wochen waren kleinere Mauerwegbrüche, am von Professor Kurt Roessler seit Jahren liebevoll gepflegten Weinreben des nördlichsten Weinbergs von Rheinland-Pfalz, bemerkt worden. Eine Sicherungsfirma war mit der Betreuung der Trockenmauer beauftragt worden. Diese habe aber die Gefahr erkannt, die Arbeiten eingestellt, um weitere Untersuchungen einzuleiten und keine Menschen zu gefährden. Nun sei die Mauer aber schneller eingestürzt, als man die Sanierungsarbeiten hätte voran treiben können, so die Mitteilung aus Bonn. Als Ursache zieht das Landesamt für Geologie und Bergbau, das ebenfalls hinzugezogen wurde, eine „Durchweichung des Bodens“ in Betracht, „die zum Absturz geführt haben könnte“. Diese Durchweichung könne von erhöhten Regenmengen aber auch von einem Wasserrohrbruch aus dem vergangenen Herbst im Restaurant hoch oben herrühren. Die Gefahr eines Hangrutsches, wie andernorts zur Zeit zu beklagen sei, schließen die Experten bei dem Felsgelände der ehemaligen Rolandsburg aus dem 12. Jahrhundert aus.
Betreten untersagt
Der Kreis als untere Aufsichtsbehörde hat selbstverständlich ein Betreten des Geländes für Unbefugte untersagt, zumal es sich bei dem Treppenaufgang der 76 Stufen um den einzigen öffentlichen Zugang zum Restaurationsbetrieb handelt. Das Restaurant, das von der Hotelkette „Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt“ in Berlin betrieben wird, sollte an Aschermittwoch wieder geöffnet werden. Daraus wird nun leider nichts. Jetzt ziehen die Behörden erst einmal Sicherungsmaßnahmen des Geländes in Betracht. An Stahlnetze wird da gedacht, die einen weiteren Gesteinsabrutsch verhindern sollen und die Menschen bei den anstehenden Sanierungsarbeiten schützen werden. Gutachten zur Statik des Aufganges und des umliegenden felsigen Geländes müssen gemacht werden, und ohne weitere Fördermittel, die zur Sanierung des Aufganges bereits zugesagt waren, wird es auch nicht gehen. Da stehen Verhandlungen im Raum.
Eine Behelfstreppe
An eine Behelfstreppe auf der anderen Seite des Burgfrieds wird gedacht, um den Restaurationsbetrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen zu können. So sollen Gäste aus nah und fern alsbald wieder am Rolandsbogen stehen können und sich der Worte von Alexander von Humboldt erinnern, der die Aussicht als einen „der sieben schönsten der Welt“ bezeichnet haben soll. Oder mit Vicco von Bülow leben, der ins Gästebuch schrieb: „Warum esse ich nicht jeden Tag hier“.
