Eifelverein Remagen
Wanderer entdeckten Admiral
Beim Wandern wurde ein seltener Schmetterling entdeckt
Remagen. Mit dem Fährboot Nixe in wenigen Minuten über den Rhein und schon hat man die Chance, auf einem nur 10 km langen Rundweg phantastische Ausblicke und historische Sehenswürdigkeiten ersten Ranges zu erleben. Dazu gehören im Ort Erpel die bedeutende romanische Kirche St. Severin, das stattliche barocke Rathaus und die liebevoll gepflegten Fachwerkhäuser in den engen Gassen. Mitten auf dem kleinen Marktplatz steht eine den ganzen Raum beherrschende Platane, der man ohne Weiteres ein Alter von vielen hundert Jahren zubilligen möchte. Sie wurde aber erst 1887 gepflanzt, ist also nur ein Jahr älter als der Eifelverein in Remagen, der jüngst die andere Rheinseite erkundete. Auf dem Weg hinauf zur Erpeler Ley überquerte die Wandergruppe zunächst auf einer Brücke eine kleine, tiefe Schlucht. Sie ist nicht natürlichen Ursprungs, sondern wurde im Ersten Weltkrieg gegraben für die Gleise der Bahnlinie durch den anschließenden Tunnel zur Ludendorffbrücke über den Rhein. Oben auf dem Plateau der Erpeler Ley wurden die Wanderer sofort belohnt für die Mühe des Aufstieges auf Zickzackwegen durch den Wald. Denn es bot sich ein phantastischer Ausblick. Ein kräftiger Wind jagte zwar dunkle, tiefhängende Wolken über den Himmel, aber sie waren doch hoch genug um darunter bei klarer Luft weit ins Land schauen zu können, rheinaufwärts bis über das Neuwieder Becken hinaus, gegenüber auf ferne Eifelhöhen. Besonders fesselte natürlich der Anblick von Remagen, denn aus dieser Vogelperspektive kennt man die eigene Stadt ja sonst nicht. 1909 ereignete sich hier oben eine Sensation, der sogar von der Gemeinde sofort ein großer Gedenkstein gewidmet wurde. Zum ersten Mal war ein Luftschiff über das Rheinland gefahren, wollte nach Köln, musste hier aber wegen Gegenwind umkehren nach Frankfurt. Nur wenige Kilometer weiter nördlich wurde der Aussichtspunkt Stuxhöhe erreicht. Er liegt hoch über dem Unkelstein, genau gegenüber Schloß Ernich und erlaubt einen unerwarteten Blick auf Unkelbach. „Ein Admiral! Ein Admiral!“ hieß es plötzlich. Und richtig, am Stamm einer Eiche hatte dieser selten gewordene, prächtige Großfalter auf seinem weiten Weg eine Verschnaufpause eingelegt und ließ sich bereitwillig fotografieren. Kaum zu glauben, dass diese Falter den Winter im Mittelmeerraum verbringen und den Weg dorthin sogar über die Alpen hinweg finden, obwohl sie im Sommer in Mitteleuropa geschlüpft sind und diesen Weg in ihr Winterquartier noch nie zuvor zurückgelegt haben. Bei der Rückkehr nach Erpel kam die Gruppe am sogenannten Zwergenloch vorbei. Erpel wurde im Krieg zu 54 Prozent zerstört. In ihrer Not suchte die Bevölkerung Schutz vor den Bomben in einem verlassenen Bergwerksstollen, dem Zwergenloch. Einem Gelübde folgend wurde der Stollenmund in eine Mariengrotte umgewandelt. Die kleine, blumengeschmückte Anlage neben der ehemaligen Bahnlinie zur Ludendorffbrücke lohnt einen Abstecher.
Dieser selten gewordene Admiral wurde beim Wandern entdeckt. Foto: privat
