Leserbrief zum andauernden Streik der Erzieherinnen in Winningen
Eltern am Ende ihrer Kräfte
„Der unbefristete Streik der Erzieherinnen geht weiter“, diese Nachricht schockierte diese Woche die Eltern der Winninger Kindertagesstätte, hatten sie doch gehofft, die Tarifparteien kämen zu einer Lösung des Konflikts oder würden sich zumindest an den Verhandlungstisch begeben, sodass die Erzieherinnen ihre Arbeit wieder aufnehmen.
Die kleine Moselgemeinde ist vom Streik der Erzieherinnen besonders stark betroffen, denn hier beginnt nun schon die dritte Woche des unbefristeten Arbeitskampfes. Seit dem 8. Mai ist die Kindertageseinrichtung ohne Notbetreuung komplett geschlossen. Zunächst konnten die Betreuungsengpässe der Eltern durch Oma und Opa, Freunde und sonstige Familienmitglieder abgefangen werden, aber mit jedem Streiktag steigt der Druck der Eltern. Sie haben Angst um ihre Arbeitsplätze und damit um ihre Existenz, zunächst hatten die Arbeitgeber der Eltern zumeist Verständnis gezeigt und ihnen die nötigen Freiräume verschafft, dies ist aber nun nicht mehr bei allen der Fall.
Außerdem leiden sie mit ihren Kindern, die nicht verstehen, warum der Kindergarten geschlossen ist, ihre Freunde treffen wollen und teilweise mehrmals täglich zwischen verschiedenen Bezugspersonen wechseln müssen.
Aus diesem Grund haben sich circa 35 Eltern am Donnerstag, 21. Mai, kurzfristig zum gemeinsamen Austausch zusammengefunden. Auch Vertreter der Ortsgemeinde Winningen als Träger der Kindertagesstätte waren anwesend. Erfreulich ist, dass es der Gemeinde gelungen ist, ab dem 22. Mai in Absprache mit VERDI eine „Notgruppe“ für besonders betroffene Familien einzurichten. Hier können allerdings nur 25 der 98 Kinder betreut werden.
Besonders ärgert es die Eltern, dass in den Medien kaum über den Streik berichtet wird und der Position und Situation der Eltern kaum Beachtung geschenkt wird. Daher planen sie nun stärker die Öffentlichkeit zu suchen, obwohl dies zwischen Arbeit, Kinderbetreuung und der Organisation des Alltags schwierig wird.
Die Eltern sind nicht gegen die Erzieherinnen und stehen weder auf der Seite der Arbeitgeber noch auf der Seite von VERDI, aber sie fordern: „Setzt euch an den Verhandlungstisch, findet eine Lösung und beendet diesen Streik!“
Bianca Kröber, Winningen
