Tanzen, singen, lachen – Oberfell ließ es krachen
Historische Narrenschau mit Alaaf und Helau
Oberfell. War der homo erectus, der vor tausenden von Jahren auf dem Bleidenberg gelebt hat, ein Faasenachtsgeck? Davon sind die Oberfeller überzeugt und präsentierten in der Mosellahalle eine historische Narrenschau und die „100.000jährige Oberfeller Faasenachtskultur“. Der Dreierverbund aus KGM Oberfell, SSV Oberfell und der Feuerwehr luden zur Kappensitzung ein und bescherten der Narrenschar einen spritzigen, tollen Abend mit vielen karnevalistischen Höhepunkten. Und wieder begrüßte der Sitzungspräsident Uwe Rath das Publikum mit ausgeklügelten Reimen: „Blitz und Donner des Karnevals zucken auf euch nieder - mit schunkeln, klatschen und fröhlichen Liedern – unser Programm sprudelt über vor Humor und Witz – und haut hoffentlich auch den Letzten vom Sitz!“ Das war nicht zu viel versprochen! Los ging es mit einer außergewöhnlichen Vorstellung des Elferrats in Wort und Gesang und dem Rückblick auf nicht wirklich ernst gemeinte 100.000 Jahre Oberfeller Faasenacht: „ Hier bei uns im Moseltal – hunderttausend an der Zahl – Wollnashorn, Waldelefant – man in tiefer Erde fand – schlagt die Trommel, schwingt die Keule – tanzt ums Feuer mit Geheule!“ Ein Dankeschön für seinen zwanzigjährigen Einsatz als Sitzungspräsident bekam Uwe Rath von Jürgen Glesius: „Seit hunnertdausend Jahr liegt ihm Karneval im Blut. Er braucht die Fastnacht, er braucht den Radau - er braucht Frohsinn, lachen, schunkeln, helau. Seit zwanzig Jahren ist er für uns parat, danke für zwanzig Jahre Uwe Rath!“ Schon mit diesem Sitzungsauftakt breitete sich eine Superstimmung in der Mosellahalle aus und erreichte auch den letzten Gecken. Diese Stimmung zu halten war ganz einfach, denn das folgende Programm ließ keine närrischen Wünsche offen. Die kleine Garde der KGM, groß an der Zahl mit vierundzwanzig Tänzerinnen, begeisterte mit ihrem entzückenden Tanz und wurde mit großem Applaus belohnt. Dann stieg der Nachwuchs in die Bütt und der elfjährige Jonas Endris bewies, dass ihm der Karneval im Blut liegt. Souverän und witzig berichtete er über den unsäglichen Weihnachtsstress aus seiner Sicht: „ Den Erwachsenen ist das Wetter ganz egal, denn auf dem Weihnachtsmarkt hilft Glühwein auf jeden Fall! Papa voll – Geldbeutel leer! Advent ist halt was anderes als Fastenzeit!“ Zum Schluss resümierte er: „O stille Nacht – o heilige Nacht, wie hat das wieder Spaß gemacht.“ Die Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr war das Thema des Tanzes der mittleren Garde der KGM. Das spiegelte sich auch in ihren hübschen Kostümen wieder. Das der Bleidenberger homo erectus seiner Meinung nach der erste Karnevalist von der Mosel war, ließ Klaus Endris die Narrenschar wissen. Als „Ausscheller“ betrat er den Saal, rief „Bekanntmachung“, schwang kräftig die Schelle und gab mit Augenzwinkern Neuigkeiten, Termine und sonstige Geschichten aus Oberfell zum Besten. Die Bütt ist ihm vertraut, denn er betrat sie schon 1964 zum ersten Mal. Aus Löf war die Tanzgruppe „Black & White“ gekommen. Graziös schwebten sie als „Cinderella“ durch den Saal zur Bühne und präsentierten ihren märchenhaften Tanz. Unter dem Titel „Goldene Hochzeit“ verbarg sich ein Geplänkel zwischen Nicole Endris (Ehemann) und Michaele Deisen (Ehefrau), die nach fünfzig Jahren Vieles zu klären hatten. Und über allem stand die Frage: „Wird gefeiert oder nicht?“ Da ging es zur Sache: „Jung gefreit und ewisch bereut!“ und „Jupp isch kennt so heule. Unneröm ware mir niemals bies!“ Es war ein Schlagabtausch mit Gesang, bei dem es zum Schluss hieß: „ Unn die Moral von der Geschicht – bleiwt zusamme und trennt euch nicht!“ Auch die große Garde der KGM begeisterte mit ihrem Auftritt und zeigte in modernen Rhythmus und mit fetziger Musik, was sie wochenlang geprobt hatten. Haarsträubende Geschichten aus ihrer Ehe wusste das „Rusestängelche“ alias Brigitte Lellmann, die erste Vorsitzende der „Fidelen Möhnen Oberfell“, zu berichten. Mit Aussprüchen wie: „Hier mir off met de Männer!“ und „Isch nenn ihn Eisscholle, iss besser als Scheiss-Olle!“ und einem frechen, frivolen Vortrag hatte sie die Lacher auf ihrer Seite. Die „flotten Uhus“ vom Mosella Tanz Verein aus Kobern-Gondorf eroberten mit einem flotten Dance-Mix die Bühne. Der darauf folgende Aufbau ließ Außergewöhnliches Erahnen, und plötzlich lugten „kleine Männer“ durch die Stoffwand und trieben der Narrenschar mit ihrem Tanz und Gesang die Tränen in die Augen. Hinter dieser großartigen Idee verbarg sich die Gruppe „Sammelsurium“, bestehend aus sechs Karnevalistinnen. Eva, Lena und Ute Christ, Andrea Nikolai-Fischer, Sabine Rath und Sonja Thelen. Mit vollem körperlichem Einsatz, mit Händen und Füssen, sorgten sie für einen Riesenspaß. Die Jazztanzgruppe des TV Trimps brachte mit ihrem „Queen-Medley“ den Geist von Queen in die Mosellahalle und ließ den ganzen Saal rocken. Eine kurze Schunkelrunde unterbrach das Programm, musikalisch angeleitet vom Duo „No Name“ (Heike und Tom), bewegte sich die Narrenschar untergehakt von links nach rechts und umgekehrt. Von Löf über die Mosel war die KG „Immer fröhlich“ gekommen und zog mit Helau zur Bühne, die sie schließlich für den Höhepunkt des Abends freigeben mussten. Das Beste kam zum Schluss und wurde von Uwe Rath mit den Worten angekündigt: „ Weiter geht es mit unserem nächsten Hit – ich bin sicher, sie reißen euch alle mit – Licht aus Spot an – die Gurkentruppe ist jetzt dran – ein Michael-Jackson-Mix, ganz cool und hipp – bei denen sitzt jetzt jeder Schritt!“ Den Beweis dazu traten sie prompt an und begeisterten mit einer zwanzigminütigen Show der Extraklasse, einstudiert vom kreativen Kopf der Truppe Mario Koschinsky, mit tollen Licht- und Raucheffekten von Professor Ulrich Johannes von Kaster. Zum Finale versammelten sich alle Aktiven noch einmal auf der Bühne. Die Narrenschar erhob sich von den Stühlen, zollten mit ihrem Beifall Respekt vor der Leistung der Akteure: „Und durch die Narrhalla erschallte mit Radau, ein dreifach Oberfell Helau!“ Das tolle Programm des Abends ließ keine Wünsche offen, außer vielleicht, dass im nächsten Jahr Besucher aus der gesamten Verbandsgemeinde Rhein-Mosel nach Oberfell kommen. Es wäre schön, wenn Gecken von Rhein und Mosel gemeinsam Fastnacht feiern würden, wünscht sich Sitzungspräsident Uwe Rath. Und da die Oberfeller auf eine 100.000jährige närrische Erfahrung zurückblicken können, was sie mit dieser gelungenen Kappensitzung wieder einmal bewiesen haben, wäre ein „närrischer Gedankenaustausch“ sicher ein großer Spaß.
Die kleine Garde, groß an der Zahl, begeisterte mit ihrem entzückenden Tanz.
Der „Ausscheller“ Klaus Endris ist überzeugt, dass der Bleidenberger homo erectus der erste Karnevalist der Mosel war.
