Autorenlesung an der Realschule plus und FOS Untermosel
„Ich habe immer nur den Zaun gesehen“
Kobern-Gondorf. Zum diesjährigen Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus begrüßte die kommissarische Schulleiterin der Realschule plus und Fachoberschule Untermosel, Helga Weichenhöfer, die Realschulklassen 10a, 10b und 9d mit ihren Klassenlehrern sowie Zeitzeugen des Zeitzeugenprojekts der Schule. Ein besonderer Gruß galt dem Autor Ernst Heimes, der anlässlich des Gedenktages sein Buch „Ich habe immer nur den Zaun gesehen“ vorstellte.
Vom Fachbereich Geschichte wies Elisabeth Russell-Klein auf den 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz hin.
Sie informierte, dass sich die Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht intensiv mit dem Ort auseinandergesetzt hätten, an dem eineinhalb Millionen Männer, Frauen und Kinder, meist Juden aus den verschiedenen Ländern Europas, von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 wurde vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog im Jahr 1996 zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ erklärt. Die Schule in Kobern-Gondorf hat sich seitdem in jedem Jahr in einer Gedenkstunde der Opfer erinnert. Schülerinnen und Schüler errichteten an der Schule für die jüdischen Opfer aus Kobern-Gondorf eine schuleigene Gedenkstätte.
Von einem KZ an der Mosel erfuhren die Schülerinnen und Schüler erst durch die Recherchen von Ernst Heimes. Es war ihr Wunsch, mehr über dieses Lager in ihrer Nähe zu erfahren und deshalb luden sie den Autor zum Gedenktag in diesem Jahr ein. Ernst Heimes berichtete den interessierten Zuhörern anschaulich über seine jahrelangen Recherchen zum KZ Außenlager Cochem, die von vielen Schwierigkeiten geprägt waren. Es gab zunächst nur wenige, die über das „Arbeitslager“ Treis-Bruttig Auskunft geben wollten. Bis sich Ernst Heimes ein Bild vom Elend der Menschen im Lager offenbarte, gab es viele Gespräche, auch mit ehemaligen Gefangenen, Recherchen in Archiven und vor Ort. Dass es heute noch keine Gedenkstunde wie an vergleichbaren Orten, sondern lediglich Gedenksteine auf den Friedhöfen Treis und Bruttig gibt, findet Heimes sehr bedenklich.
Die Zuhörer waren von dem Vortrag sichtlich betroffen. Die anschließenden Fragen der Schüler und Zeitzeugen zeigten, dass sie dieser schrecklichen Zeit durch die Lesung sehr nahe gekommen waren. Sie empfanden es als wichtig, der Opfer des KZ Außenlagers Cochem zu gedenken.
„Diese Erinnerung ist nur durch das Buch von Ernst Heimes möglich“, betonte Elisabeth Russell-Klein nach dem Ende der Lesung. Sie bedankte sich im Namen aller bei dem Autor und stellte weiterhin fest: „Der Ort Auschwitz ist eine Mahnung an die Menschheit. Das KZ Außenlager Cochem ist eine Mahnung an uns alle hier an der Mosel“.
Die Schülerinnen und Schüler wollen sich dafür einsetzen, dass die Erinnerung an die Opfer des KZ Außenlagers auch in Zukunft wach bleibt. Eine würdige Gedenkstätte, der Erinnerung an die Opfer gewidmet, könnte in die Zukunft wirken. Dies wäre eine Konsequenz aus dem Buch „Ich habe immer nur den Zaun gesehen“ von Ernst Heimes.
