Allgemeine Berichte | 14.01.2015

Dieblicher Pfadfinder – Stamm Treverer - Schneekohtenfahrt 2014/15

Mission Rheingaugebirge

Eine tolle Winterlandschaft und bemerkenswerte Gastfreundschaft - das kann man auf Schneekohtenfahrt erleben. privat

Dieblich. Seit Jahren bandeln die PSD-Stämme Greif (Bruchsal, BW) und Treverer (Dieblich, RLP) an, zusammen den Winter auf Fahrt zu zwingen. Letztes Jahr war es nun endlich so weit. Gestartet wurde am Bahnhof von Eltville. Die Wanderkarte lockte die beiden Wagen voll kältetrotzender Schneekohtenfahrer nach Kling, einem beschaulichen Wanderparkplatz hinter dem Kloster Tiefenthal. Hier wurden die Essensvorräte aufgefüllt, das Greif-Treverer-Material verteilt und im Eröffnungskreis „Wind in den Augen“ angestimmt.

Die lustige Truppe kämpfte sich dann durch teilweise 20 cm (!) hohen Schnee das Rheingaugebirge hinauf. Die Karte des Landesvermessungsamts Hessen verspricht hier zahlreiche Schutzhütten am Weg. Das war auch wünschenswert, denn so hoher Schnee macht aus dem Kohtenaufbau eine echte Herausforderung.

Nach kurzer Trinkpause wurde die erste Hütte erreicht, die zwar lachhaft, aber immerhin vorhanden war. Die Hütten zwei und drei glänzten dann durch Abwesenheit. Aber das kann einen waschechten Pfadfinder ja schwerlich abschrecken. Nach etwas unklarer Navigation und dem ein oder anderen Groll über vereinzelte Anstiege sollte ein freundlicher Einheimischer weiterhelfen. Die Dunkelheit war schon deutlich schmeckbar, also hieß es die letzten Meter in Distanz und Höhe zu überwinden, bis die Hütte schließlich doch auftauchte. Sie wies zwar ein Dach auf und ließ drei Wände erahnen, doch Wand Nr. 4 musste durch ein Kohtenexperiment deutlich verbessert werden. Maja sorgte mit Unterstützung für das leibliche Wohl, nachdem der Benzin-Kocher in Gang gebracht war, Lea führte die Holz-Sammel-Crew an, der Rest friemelte und dengelte das Nachtquartier zusammen. Und wieder bewahrheitete sich die alte Weisheit: „Viele Hände, schnelles Ende“. Couscous mit Pesto erwies sich als sättigendes Fahrtenessen. Nun noch lecker Tee und ein kleines Feuerchen und alle waren glücklich. Bei langsam auftauenden Hosenbeinen entlockte die Atmosphäre dem geneigten Pfadfinder sogar noch das ein oder andere Liedchen bei Sternenhimmel.

Der nächste Tag kam bald mit neuem Schnee. Im vorgewärmten Pullover frühstückte es sich dann auch ganz gut. Sobald Kessel und Töpfe, Planen und Ponchos in und an die Rucksäcke gefummelt waren, zog der Tross weiter.

Die laut Karte versprochene Hütte stellte sich erneut als Humbug heraus. Die Bäckerei in Rauenthalwurde daher zu einem echten Glücksmoment: Berliner und heißer Kakao sind ein Traum im winterlichen Taunus. Nach Hüttenflop Nr. 4 musste ein Nachtlager her. Die eingeborenen Bäcker empfahlen Kloster, Feuerwehr, eine Grillhütte und einen Naturhof als potenzielle Gastgeber. Also wurden sympathische Mädels auf Erkundungstour geschickt. Der Rest achtete aufs Gepäck und traf Essensvorkehrungen. Doch bevor die Kocher in Gang gebracht sind, ereilt die frohe Kunde: Bei der Milchschäferei Rindler-Börner ist der Heuboden zu haben. Nach anfänglicher Skepsis seitens der Hausherren erfolgt ein traumhafter Empfang. Der Heuboden wird vom Schäfer mit zwei Laternen ausgeleuchtet, da sind die Schlafplätze im Heu schnell gefunden. Schaf, Hund, Hühner und Katzen sind die Nachbarn für die Nacht, in der es lange nicht so kalt wird.

Doch damit nicht genug: Als weiterer natürlicher Lebensraum, besonders der Dieblicher Pfadfinder, wartete hinterm Haus ein ofenbeheizter Bauwagen auf acht schlotternde Wanderfrauen und –männer. Der Ofen wurde angeheizt, die Käsenudeln gekocht und mit Klampfe und Gesang der winterlichen Nacht ein Stündchen oder zwei abgerungen. Die kuschelig warme Heunacht entschädigte für alle Steigungen, nicht vorhandene Hütten und beschwerliche Schneeschritte der Fahrt. Der Morgen des 30. Dezember kam allzubald, denn auch Schneekohtenfahrer wollen zur Silvesternacht zu ihren Liebsten. Getreu der Pfadfindertradition wurde auch dieser Ort besser hinterlassen, als er aufgefunden wurde: Bauwagen, Sanitärbereich und Heuboden wurden nach zünftigem Frühstück aufgeräumt. Nun galt es sich zu bedanken. Mit einem Ständchen beim Schäfer und einem Gastgeschenk von den Hängen des Moseltals wurde herzlich Danke gesagt. Das Andenken, ein reifer Bio-Schafsmilch-Käse, würde die kleine Gruppe den Rest der Fahrt und des ausklingenden Jahres begleiten. Bereits nach wenigen Kilometern bergab erschien der Wanderparkplatz. Ein sich in lange Tradition einreihendes, winterliches Abenteuer mit Traum-Finale endete im Abschlusskreis mit gewohnt herzlicher Verabschiedung, denn man sieht sich sicher bald wieder: Der nächste Winter kommt bestimmt. Informationen über diese und andere Aktionen der Dieblicher Pfadfinder unter www.stamm-treverer.de.

Eine tolle Winterlandschaft und bemerkenswerte Gastfreundschaft - das kann man auf Schneekohtenfahrt erleben. Foto: privat

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