Kölner Dieselnetz: Neue Züge kommen in der zweiten Jahreshälfte zum Einsatz
DB: „Hersteller Alstom arbeitet mit Hochdruck daran, Mängel zu beheben“
Wolfgang Groß sieht diese Situation derzeit nicht als tragisch an
Region. Der bereits einmal verschobene Einsatz neuer Fahrzeuge im Bereich des „Kölner Dieselnetzes“ (Blick aktuell berichtete bereits ausführlich) verzögert sich erneut. In einer Pressemitteilung teilten Deutsche Bahn AG Logistik sowie die drei beteiligten Verkehrsverbünde Nahverkehr Rheinland, SPNV Nord sowie Nahverkehr Westfalen-Lippe jetzt folgendes mit:
„Die Neufahrzeuge vom Typ „Alstom Coradia LINT“ werden nach aktuellem Sachstand erst im Laufe der zweiten Jahreshälfte im Kölner Dieselnetz zum Einsatz kommen. Der Betreiber, die DB Regio NRW, setzt derzeit bereits vier der neuen Fahrzeuge zur Ausbildung seiner Triebfahrzeugführer ein. Weitere Züge werden in den kommenden Wochen zu Testzwecken ausgeliefert. Gemeinsames Ziel von Alstom und DB Regio NRW ist es, vor Inbetriebnahme einen technischen einwandfreien Zustand der Züge sicherzustellen. Dies ist Voraussetzung für einen stabilen Fahrgastbetrieb. Vorher jedoch sind Nachbesserungen im Bereich der Software erforderlich, zudem wird die Zuverlässigkeit der Funktion der Trittstufen optimiert. Außerdem gibt es zahlreiche Fertigungsmängel. Der Fahrzeughersteller Alstom arbeitet mit Hochdruck daran, die Mängel schnellstmöglich zu beseitigen. Aus der vorliegenden Zulassung sowie aus der Abnahme der ersten Züge für das Kölner Dieselnetz bestehen offene Themen, zum Beispiel bezüglich der Tür- und Schiebetrittsteuerung, die wir als Hersteller aktuell in Abstimmung mit dem Betreiber lösen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Auslieferung aller Fahrzeuge bis zum Sommer nicht gesichert. Unser gemeinsames Ziel ist weiterhin, die Fahrzeuge baldmöglichst in den Fahrgastbetrieb zu bringen“, sagt Dr. Martin Lange, für Transport zuständiges Vorstandsmitglied der Alstom Deutschland AG. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen sukzessive alle 56 Alstom Coradia LINT im Kölner Dieselnetz verkehren. Zwischenzeitlich bleiben weiterhin die derzeit eingesetzten Bestandsfahrzeuge im Einsatz.
„Gewährleistung eines stabilen Betriebs steht im Vordergrund“
„Wir verstehen und akzeptieren, dass die Zweckverbände Nahverkehr Rheinland, SchienenPersonenNahverkehr Rheinland-Pfalz und Nahverkehr Westfalen-Lippe als Besteller der Leistungen von ihren Möglichkeiten zur finanziellen Kürzung vertraglich vereinbarter Vergütungen Gebrauch machen“, so Dirk Helfert, Leiter des Verkehrsbetriebs Rheinland von DB Regio NRW. Gleichzeitig behalte sich auch DB Regio NRW als Betreiber des Kölner Dieselnetzes Schritte gegenüber dem Fahrzeughersteller Alstom vor. Unabhängig von finanziellen Fragen und Regelungen steht für uns jedoch die Gewährleistung eines stabilen Betriebs im Sinne unserer Fahrgäste im Vordergrund,“ betont Helfert in der Presserklärung abschließend.
Zum „Kölner Dieselnetz“ gehören die Linien RB 23 (Bonn Hbf. - Euskirchen - Bad Münstereifel), RB 25 (Köln-Hansaring - Gummersbach - Marienheide - Meinerzhagen), RE 12 (Köln Messe/Deutz - Euskirchen - Gerolstein - Trier Hbf.), RE 22 (Köln Messe/Deutz - Euskirchen - Gerolstein), RB 24 (Köln Messe/Deutz - Euskirchen - Kall/Gerolstein), RB 83 (Jünkerath - Gerolstein - Trier Hbf.) und RB 30 (Bonn Hbf. - Ahrbrück). Insgesamt umfassen die Leistungen rund 7,2 Millionen Zugkilometer pro Jahr.
Zunächst mit bisherigen Zügen
Derweil verkehren auf den genannten Strecken weiterhin die bisherigen Züge, zumeist der Serie „Talent.“ Der objektive Beobachter muss vermerken, dass diese - bis auf wenige Zugausfälle sowie teilweise defekte Toilettenanlagen und Türen - mittlerweile wieder mit einer insgesamt stabilen Fahrleistung und Pünktlichkeit fahren. Wolfgang Groß, Sprecher der Ahrtalbahnfreunde und auch beruflich bedingt ein Kenner des Internationalen Bahnverkehrs, sieht dies ähnlich und „als nicht so tragisch.“ In diesem Fall liegt die Ursache auch nicht an der durchaus oft zu Recht kritisierten Deutschen Bahn AG, sondern an neuen Zügen, die im Regel-Fahrbetrieb Probleme bereiten. „Probleme mit neuen Fahrzeugen sind bundesweit üblich, in großem Stil etwa in München,“ so Groß. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hatte die Fahrzeuge Anfang Dezember 2013 zugelassen. „Das EBA hat im aktuellen Fall keinen Einfluss mehr, da es nicht um Sicherheitsprobleme geht, sondern Betriebsmängel auftreten, etwa an der Klimaanlage,“ so Groß. Ähnliche Probleme hat die Deutsche Bahn AG bereits länger mit der neuen ICE-Flotte, die wegen Herstellermängeln nach wie vor nicht in Betrieb kommt. Und im Nachbarland Niederlande, so weiß Wolfgang Groß, hat die Holländische Bahn eine ganz Zugserie wegen Mängeln an den italienischen Hersteller Ansaldo zurückgegeben.
Ganz aktuell, am 17. März 2014, unterzeichneten AnsaldoBreda, deren Mutter Finmeccanica und die niederländische Eisenbahngesellschaft NS ein Abkommen zur Zurücknahme der Hochgeschwindigkeitszüge V 250 Fyra. Die NS erhält demnach 125 Millionen Euro reduziert bei einem Einkaufspreis von 213 Millionen Euro ihren Verlust auf 88 Millionen Euro. Das Abkommen sieht vor, die Züge nach Italien zurückzubringen, wo sie überholt und wieder verkauft werden. Wenn dieser Verkauf erfolgreich abgewickelt werden kann, erhält die NS zusätzlich ein Maximum von 21 Millionen Euro pro Zug ausgezahlt. AnsaldoBreda stehe bereits mit mehreren Interessenten in Verhandlungen bezüglich des Weiterverkaufs. Als Teil der Vereinbarung werden beide Parteien auf finanzielle Ansprüche verzichten, darunter auf für beide Seiten entstandene Folgeschäden. Der Niederländische Finanzminister Dijsselbloem beziffert den durch den Zug verursachten Gesamtschaden auf 340 Millionen Euro, sieht das Verhandlungsergebnis aber als „vertretbar“ an.
Behördliche Zulassung
Das Eisenbahnbundesamt (EBA) teilte auf Rückfrage von Blick aktuell zu den aktuell aufgetretenen Problemen bei den Fahrzeugen Alstom Coradia LINT ergänzend Folgendes mit: „Im Rahmen der Serienzulassung brauchte dabei nur das erste Fahrzeug die formelle behördliche Zulassung, alle bauartgleichen Fahrzeuge können in der Verantwortung des Unternehmens in Betrieb genommen werden. In die vertraglichen Absprachen zwischen Hersteller und Besteller der Fahrzeuge ist das EBA indes nicht eingebunden. Fragen zum Zeitplan für die Serienproduktion und Auslieferung sowie zur vertraglichen Abnahme der Züge durch den Besteller bitte ich daher, an diese Parteien zu richten.“
