Ministerin Eveline Lemke informiert über das Heilbadprädikat von Bad Bodendorf
Das Bad wird seinen Titel im Sommer verlieren
Das förmliche Aberkennungsverfahren läuft.
Sinzig. Bad Bodendorf wird sein Heilbadprädikat wohl im Sommer verlieren. Dies gaben am vergangenen Montag Sinzig Bürgermeister Wolfgang Kroeger und Wirtschaftsministerin Eveline Lemke bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Sinziger Rathaus bekannt.
Für Lemke als Überbringerin der schlechten Nachricht kein einfacher Termin, ist sie doch selbst Bad Bodendorfer Bürgerin und weiß um den hohen emotionalen Wert des im Jahre 1972 verliehenen Bad-Titels.
Aber das förmliche Aberkennungsverfahren läuft.
„Ich stehe für eine transparente Politik und kann als Bad Bodendorerin die gravierenden Mängel nicht vom Tisch wischen“, machte Lemke aber auch deutlich.
Um sich anerkanntes Heilbad“ nennen zu dürfen, muss eine Gemeinde eine Reihe von Bedingungen und Qualitätskriterien erfüllen. Diese Anerkennungsvoraussetzungen sind im Kurortegesetz Rheinland-Pfalz geregelt.
Eine Überprüfung für das Heilbad Bad Bodendorf hat ergeben, dass der Stadtteil Bad Bodendorf mehrere Voraussetzungen zum Führen dieses Prädikats nicht nachweisen kann. Eine maßgebliche Kurmitteleinrichtung fehlt bereits seit 1998. Ministerin Lemke informierte heute Sinzig darüber, dass aufgrund des Umfangs und der Art der fehlenden Voraussetzungen ein Widerruf des Heilbadprädikats beabsichtigt ist. Innerhalb einer Anhörungsfrist bis zum 24. Mai habe die Stadt Sinzig Gelegenheit sich zum beabsichtigten Widerruf zu äußern.
Ganz konkrete fehlt in Bad Bodendorf ein Kurmittelhaus und leistungsfähige Einrichtungen für die Anwendung des anerkannt guten Heilwassers. Zudem wurde bereits bei Ortsterminen im Jahr 2003 und nochmals 2013 bemängelt, dass die Gestaltung des Kurbereichs um das städtische Thermalbad nicht als prägendes Erscheinungsbild mit Kurcharakter angesehen werden. Der gesamte Kurbetrieb soweit noch vorhanden spielt keine zentrale Rolle im Bad Bodendorfer Wirtschaftsleben mehr. Abhilfe könnte wohl nur mit Millioneninvestitionen geschaffen werden. Mittel die die Stadt Sinzig definitiv nicht hat.
Wirtschafts- und Tourismusministerin Eveline Lemke bedauert die Notwendigkeit, sieht allerdings gleichzeitig Entwicklungsalternativen für den Ort: „Der Gast vergleicht Bad Bodendorf nicht zwangsläufig mit den großen bekannten Bädern, das Gesamtpaket an bädertypischen Angeboten und Einrichtungen muss jedoch stimmen.“ Die Ministerin führte weiter aus, das Vorhalten der Anerkennungsvoraussetzungen für Heilbäder und Kurorte sei mit hohen Kosten verbunden. Lemke: „Nach dem Prinzip der Wirtschaftsförderung sollte der zu erwartende gesamtwirtschaftliche Nutzen die Kosten rechtfertigen.“
Touristisches Entwicklungspotenzial sieht die Ministerin beim Anschluss von Bad Bodendorf an die regionalen Wander- und Radwege. Durch Vernetzung könne Bad Bodendorf noch besser an der touristischen Wertschöpfung in der Region teilhaben.
Der Bürgermeister von Sinzig Wolfgang Kroeger bedauert die aktuelle Entwicklung um das Heilbadprädikat. „Wir werden die weitere Vorgehensweise in den städtischen Gremien beraten. Entscheidend wird hierbei sein, ob die Voraussetzungen für den Erhalt des Heilbäderprädikats mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln geschaffen werden können.
Unabhängig vom Prädikat identifizieren sich die Bad Bodendorfer Bürger jedoch mit ihrem Ortsnamen. Daher muss in jedem Fall unser gemeinsames Ziel im Erhalt des Namenszusatzes ,Bad Bodendorf‘ liegen. Daher haben wir die Bitte an die Landesregierung, die Möglichkeiten zum Erhalt des Namenszusatzes, Bad Bodendorf‘ zu prüfen.“ Ob die Bad Bodendorfer wieder zu einfachen Bodendorfer werden ist noch nicht sicher. Die Entscheidung liegt letztlich nicht im Wirtschaftsministerium, sondern beim Innenministerium.
Bei der inhaltlichen Ausrichtung der touristischen Angebote befinde sich Bad Bodendorf bereits in einem Umstrukturierungsprozess vom Gesundheits- in Richtung Erholungstourismus, so Bürgermeister Kroeger weiter. Der Schwerpunkt liegt hier seit ein paar Jahren im Ausbau der Wanderweginfrastruktur.
So kann Bad Bodendorf mit dem Rheinburgenweg und dem Ahrsteig gleich zwei überregionale Prädikatswanderwege vorweisen. Mit dem Rotweinwanderweg kommt ein weiterer sehr beliebter Wanderweg im Land hinzu.
„Die Stadt würde sich daher freuen, wenn sie von der Landesregierung Unterstützung bei der weiteren Stärkung dieser touristischen Säule mit Anschluss an das überregionale Rad- und Wanderwegenetz erhalten würde“, so der Sinziger Bürgermeister weiter.
Seit dem Jahr 2003 war die Mängelliste in Sinzig bekannt, schwebte das Aberkennungsverfahren wie ein Damoklesschwert über Bad Bodendorf.
