Allgemeine Berichte | 17.05.2013, 14:11 Uhr

Internationaler Museumstag im Sinziger Schloss

Das Kleinod im Grünen punktete

Historie, Architektur, Sammlungen und die Sonderausstellung „Franz Steinborn“ begeisterten die Gäste

Zoe interessiert sich besonders für die vor- und frühgeschichtliche Abteilung und findet den Mammutzahn einfach nur toll.
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Sinzig. Seit Jahren ist das Sinziger Schloss eine bemerkenswerte Station beim Internationalen Museumstag. Das war auch diesmal so, als sich das Kleinod im Grünen seinen Gästen als eine Schatzkammer der Historie, der Kulturgeschichte bürgerlichen Lebens und als Hort gut sortierter Sammlungen erschloss. Denn, was immer noch zu wenigen Menschen bekannt ist, es beherbergt in der 1858 fertiggestellten ehemaligen Sommerresidenz der Familien Bunge und Koenigs das gut sortierte städtische Heimatmuseum.

Sicher hätten sich Museumsleiterin Agnes Menacher und die Aktiven des mitveranstaltenden Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums einen noch größeren Zustrom an Besuchern gewünscht. Aber die rund 120 Interessierten, die am vorletzten Sonntag diese Adresse ansteuerten, sahen ihre Erwartungen durchweg übertroffen und gingen, angefüllt mit vielen Eindrücken und bereichert um einiges Wissen über die Sinziger Geschichte und die einstigen Schlossbewohner, nach Hause. Wer wollte, konnte eigenständig die Architektur des Hauses sowie sämtliche Museumsabteilungen mit Schwerpunkten zur Stadtgeschichte, Düsseldorfer Malerschule, Frühgeschichte und römischer Zeit erkunden.

Drei spannende Führungen

Tatsächlich nahmen die meisten Besucher jedoch gerne die Gelegenheit wahr, sich kompetent im und um das Schloss führen zu lassen. Bereits am Vormittag übernahm dies der stellvertretende Vereinsvorsitzende Hans D. Jüchtern, während Vorsitzender Karl-Friedrich Amendt die Nachmittagstour leitete.

Dabei erforderte die durchwachsene Wetterlage Improvisationsgeschick. Amendt, der die Zuhörer rund zwei Stunden mit seinen Ausführungen fesselte, schob die Außenbesichtigung des Schlosses im Park so lange hinaus, bis der Regen aufhörte. Unabhängig von der Witterung war dagegen Agnes Menacher, die den Gästen die neue Sonderausstellung „Franz Steinborn - Zeichnungen“ vorstellte. Da einige, die Amendt gefolgt waren, ebenfalls teilnehmen wollten, ließ die Museumsleiterin es langsam angehen. Sie begann ihre Einführung im großen Kultursaal, der sich anlässlich des Museumstags wieder zum „Schloss-Café“ gewandelt hatte, indem sie zuerst aus der Autobiografie des beliebten, in Bad Neuenahr geborenen Sinziger Malers und Lehrers (1900-1961) vorlas.

Steinborns Zeichnungen und private Einsichten

Unterdessen stärkten sich die motivierten Besucher, zum Teil ehemalige Schüler von Franz Steinborn, bei Kaffee und Kuchen, bevor sie im zweiten Obergeschoss den Originalzeichnungen begegneten. Vor den rund 50 selten bis nie gezeigten Landschaften, Orten und Porträts, Tier- und Pflanzenstudien ergänzte Irene Steinborn, die Tochter des Künstlers, manches aus ihrer Erinnerung. Zur Überraschung Menachers wartete sie mit einem Fund aus privatem Bestand auf: ein Notizbuch ihres Vaters von einer Reise nach Paris.

Das Interesse an den Arbeiten und der Person Steinborns, dessen künstlerische Betätigung sich durch große Produktivität auszeichnete, war beachtlich. Nicht nur, dass man während Menachers Vortrag eine Stecknadel hätte fallen hören können. Auch davor und danach drängte es immer wieder Besucher, darunter Vereinsmitglied Roman Faßbender, nicht nur die Ausstellung anzusehen, sondern auch darin Platz zu nehmen, um sich eingehend das ausgelegte Fotoalbum von Steinborn anzusehen, in dem private Aufnahmen mit abfotografierten Arbeiten seines Malers wechseln. Einen malerischen Akzent zur Ausstellung der Zeichnungen setzt im Erdgeschoss derzeit übrigens Steinborns „Ave Maria bei der Überfahrt“. Es handelt sich um eine Kopie jenes berühmten Bildes, das der Schweizer Künstler Giovanni Segantini 1886 schuf.

Klein, aber hellwach

Agnes Menacher und Karl-Friedrich Amendt begrüßten die Gelegenheit, Schloss und Heimatmuseum mit ihren vielen Besonderheiten an dem weltweit begangenen Museumstag herauszustellen. Viele Helfer, ob Freunde des Museums oder Mitglieder des Denkmalvereins, erwiesen sich einmal mehr als wertvolle Unterstützer. Was die Museumsleiterin besonders freute, war die recht große Anzahl junger Menschen unter den Besuchern. So findet Zoe, die schon als Kleinkind mit ihrer Oma das Museum besuchte, inzwischen ganz allein den Weg zu der Abteilung mit ihren Lieblingsstücken. Es sind die Überreste frühgeschichtlicher Fauna, die bei einer Überschwemmung des Rheins vom Oberlauf in den Sinziger Kiesgruben abgelagert wurden. Fasziniert betrachtet Zoe etwa den riesigen Mammutzahn, auch die Backenzähne und ist begeistert, „dass sie hier gefunden wurden“. Die neun Monate alte Sophia, die mit ihren Eltern von Bonn nach Sinzig kam, kümmern derlei Details natürlich noch nicht. Aber wer weiß, so wach, wie sie sich im Hause umgesehen hat, ist mit dem Museumsbesuch vielleicht ein Körnchen für das Fundament späteren Bildungshungers gelegt worden.

Zoe interessiert sich besonders für die vor- und frühgeschichtliche Abteilung und findet den Mammutzahn einfach nur toll.
So jung und schon bildungshungrig: Sophia kam mit ihrer Mutter von Bonn ins Museum.

So jung und schon bildungshungrig: Sophia kam mit ihrer Mutter von Bonn ins Museum.

Zoe interessiert sich besonders für die vor- und frühgeschichtliche Abteilung und findet den Mammutzahn einfach nur toll.

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