Interessanter Vortrag zum Thema „Faire Kleidung“
Der Verbraucher kann nur bedingt Einfluss nehmen
Sinzig. Das Bürgerforum AG Fairtrade Sinzig und der Arbeitskreis Eine Welt der Pfarreiengemeinschaft Sinzig konnten Dr. Sabine Ferenschild vom Institut Südwind e.V. Bonn für einen Vortrag zum Thema „Faire Kleidung“ gewinnen. 30 interessierte Teilnehmende folgten gebannt den Fakten zur Herstellung der Kleidung. „Faire Kleidung gibt es nicht“, setzte Ferenschild als Statement vor ihren Vortrag und erläuterte anhand der Arbeitsbedingungen in der gesamten Herstellungskette von Textilien die ganze erschreckende Dimension der ausbeuterischen und umweltschädlichen Wirtschaftsweise der Textilindustrie. Viele der Teilnehmenden haben schon Bilder über die furchtbaren Zustände in den Nähereien in Bangladesch, Indien oder China gesehen und die Brände in den Fabriken sowie den Zusammensturz ganzer Gebäude in den Nachrichten verfolgt. Dies ist aber nur ein Bereich der Herstellungskette. Vor der Konfektionierung der Textilien mit Zuschneiden, Nähen und Verpacken stehen noch fünf weitere Schritte für die Herstellung von Textilien: Bei der Baumwolle sind dies der Anbau und die Ernte, die mechanische Bearbeitung der Fasern, die Spinnerei, die Strickerei bzw. Weberei sowie die Veredelung durch Färben, Drucken und Ausrüsten der Stoffe. In jedem dieser Bereiche gibt es menschenunwürdige Arbeitsbedingungen sowie schädliche Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Besonders fatal ist zum Beispiel die Anpflanzung genetisch veränderten Saatgutes, das für die Umweltbedingungen in Indien nicht geeignet ist und schon viele indische Bauern durch Missernten und Verschuldung in den Selbstmord trieb. Als Verbraucher könne man nur bedingt Einfluss auf die Textilindustrie nehmen. Möglichkeiten bestehen zumindest in einem verantwortungsbewussten Kaufverhalten: „Kaufen Sie nur Kleidung, die Sie wirklich brauchen“, gab Ferenschild als Tipp, der von den Teilnehmenden ergänzt wurde: „Wir sollten Kleidung länger tragen, gebrauchte Kleidung weitergeben und uns nicht dem Modediktat unterwerfen“. Ferenschild stellte einige Siegel vor, auf die die Verbraucher achten können, wie IVN-, GOTS-, Fair-wear-foundation oder Fairtrade-Siegel. „Diese Siegel betrachten aber meist nur einzelne Aspekte der Herstellungskette, und es mangelt teilweise an neutralen Kontrollen“, klärte Ferenschild auf. Da bei der Herstellung noch nicht alle Bereiche unter komplett fairen Bedingungen ablaufen, könne man eben nur bedingt fair produzierte Kleidung bekommen. Um wirklich Veränderungen zu bewirken, müsse die Politik handeln und massiven Druck auf die Kleidungsindustrie ausüben. Hier empfahl Dr. Sabine Ferenschild den Teilnehmenden, die Politik in die Pflicht zu nehmen: „Fragen Sie in politischen Diskussionen, was die Politiker tun, um Einfluss auf die Textilindustrie zu nehmen. Fordern Sie mehr Druck der Politik auf diesen Wirtschaftszweig, wie zum Beispiel durch gesetzliche Auflagen und Kontrollen.“ Weitere Informationen zu diesem Themenbereich gibt es bei der Kampagne für Saubere Kleidung unter www.saubere-kleidung.de.
