THW-Ortsverband Sinzig
Deutscher Katastrophenschutz als Export-Modell für andere Länder
Angehende tunesische Katastrophenschützer erhielten beim THW in Sinzig ihr Rüstzeug
Sinzig. Zwölf angehende tunesische Katastrophenschützer waren vom 17. Februar bis 3. März beim THW-Ortsverband Sinzig zu Gast, um dort die Grundzüge für den Aufbau eines Katastrophenschützes in ihrem nordafrikanischem Land zu erlernen.
Für die Ausbilder Michael Laß, Fabian Simanzik, Patrick Tarrach, Rainer Odenthal Sven Ockenfels, Adrian Niessen und Frank Schulze war die Ausbildung eine große Herausforderung, denn Unterrichtssprache war Französisch und teilweise auch Englisch. Zur Unterstützung waren vom THW-Ortsverband Dresden noch Holger Kunert und vom Ortsverband Münster Kathrin Hess dabei. Als studierte Islamwissenschaftlerin verfügte sie über arabische und französische Sprachkenntnisse und war eine große Verständnishilfe für manchmal doch recht ungewöhnliche Verhaltensweisen der Gäste. Die in Deutschland weitgehend übliche Freiwilligkeit solcher Hilfsdienste zum Schutz der Menschen gilt weltweit inzwischen als Exportschlager. Eine freiwillige Organisation, wie Feuerwehr und THW in der Bundesrepublik, ist in Tunesien völlig unbekannt und selbst eine hauptamtliche Feuerwehr ist nur in den großen Städten ansatzweise vorhanden. Wenn es dort brennt, brennt es halt. Zwischen Feuerwehr und Katastrophenschutz wird nicht unterschieden und beide Sparten wurden bisher sträflich vernachlässigt. Das Deutsche Ehrenamtssystem zur Selbsthilfe gilt als nachahmenswertes Vorbild und viele Länder versuchen es nachzuahmen. Für die Bundesregierung ein geeignetes Mittel, den jungen Demokratien auch auf dem Gebiet des Katastrophenschutzes Hilfe zu leisten. Erst die politische Revolution vor zwei Jahren hat es ermöglicht, den Aufbau eines Brand- und Katastrophenschutzes stärker voranzutreiben und bisher haben sich an den drei Orten Ben Arous bei Tunis, Jendouba im Norden und Sidi Bouzid in Landesmitte bereits 164 Personen, darunter erstaunlich viele Frauen gemeldet, die mithelfen wollen, die freiwilligen Organisationen aufzubauen. Aus diesem Kreis rekrutieren sich die zwölf Gäste, die 14 Tage lang in Sinzig ausgebildet wurden. Die Revolution hat es auch ermöglicht, dass Awatef Ghanmi als Frau mit nach Deutschland durfte, denn es war bisher undenkbar, dass eine Frau gemeinsam mit den Männern Hand anlegen durfte. Trotzdem zeigte sie selbstsicher, dass auch eine Tunesierin ihre Frau stehen kann und auch in dieser Beziehung eine neue Zeit begonnen hat. Und das, obwohl die junge Demokratie noch zu kämpfen hat. Eine Tauchpumpe zum Auspumpen mit Wasser vollgelaufener Keller oder einen gewaltigen Bohrhammer und viele Dinge mehr haben Colonel Hermessi und seinen Mitstreiter Oussama Ayadi vom Office Nationale de la Protection Civile (ONPC) in Tunis vollkommen zum Staunen gebracht. Die Ausbildung fand innerhalb eines vom Bundesinnenministerium sowie dem Auswärtigen Amt in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk (THW) durchgeführten Projektes beim THW-Ortsverband in Sinzig statt. Zum Ausbildungsziel gehörte auch das Wissen und die Fähigkeit, später in ihrem Land einen eigenen Katstrophenschutz aufzubauen. Das THW Deutschlands wird die Tunesier dabei materiell und auch durch Wissensvermittlung weiterhin unterstützen. So wird die Ausbildung vom Auswärtigen Amt finanziell getragen. Ortsbeauftragter Frank Schulze zeigte sich überrascht über das große Interesse der Medien am Projekt „Ehrenamt Tunesien“. Überregionale und regionale Presse sowie das Fernsehen berichteten ausführlich. Natürlich haben sich auch bereits Vertreter der beteiligten Ministerien sowie THW-Präsident Albrecht Broemme vom Erfolg der Aktion überzeugt. Auf dem Ausbildungsplan standen nicht nur theoretische Unterrichte, sondern besonders viele praktische Übungen. Ob mit dem schweren Presslufthammer innerhalb einer Übung in Niederzissen ein Gebäude halb abgerissen wird oder aus der Ahr mit Pump en Wasser entnommen wird, alle Beteiligten gehen mit Fröhlichkeit an die Sache heran. Für die Gäste bedeutete das, mit vielen Geräten umzugehen, die sie bisher in der Heimat gar nicht kennen, aber irgendwann einmal zu bekommen hoffen. Neben aller Arbeit gehörte natürlich auch eine Fahrt noch Köln und Bonn zum Programm, denn etwas sollten die Gäste ja auch von Deutschland sehen.
