Bäderkultur und Heilbad Bodendorf
Entwicklung der Bäderkultur und Heilbadgeschichte in Bodendorf im Rheinland
aus Sinzig
Bodendorf. Pressemitteilung des Denkmalvereins zum Vortrag Bäderkultur am 7. Mai im Schloss Sinzig.
Im Rahmen der Vortragsreihe des Denkmalvereins Sinzig präsentierte Dr. Jürgen Haffke, gebürtiger Bodendorfer und Historischer Geograf, in einem sehr gut besuchten Vortrag die Entwicklung Bad Bodendorfs vom 19. Jahrhundert bis heute.
Bauernhof und Landwirtschaft
Im 19. Jahrhundert war Bodendorf ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf mit ca. 600 Einwohnern. Die fruchtbaren Auen, gespeist durch die mäandrierende Ahr, boten ideale Bedingungen für Viehhaltung und Ackerbau. Ab 1860 wurde der Fluss begradigt, was die Nutzung weiter verbesserte. Ein Mühlengraben versorgte mehrere Mühlen. Reblausbefall und Realteilung führten nach 1900 zum Rückgang des Weinbaus. Viele Landwirte wechselten zum Obst- und später zum Erdbeeranbau.
Aufstieg zum Heilbad
Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden auf der rechten Ahrseite Betriebe zur Nutzung der Thermalquellen. Ein Gasthaus mit Badebetrieb, ein Mineralbrunnen und später ein Freibad begründeten den Aufstieg zum Heilbad. Ab 1935 durfte Bodendorf diesen Titel offiziell führen. Der Tourismus wuchs, und die Bebauung verlagerte sich in Richtung der Quellen. Der Ausbau der B 266 entlastete den Ortskern.
In den 1950er Jahren erlebte das Heilbad eine Blütezeit. Hotels entstanden, und der Erdbeeranbau gewann an Bedeutung. In den 1970er Jahren scheiterten Pläne für eine große Pflegeeinrichtung; der Tourismus ging zurück und in der Folge fehlten den Hotels die Gäste.
Die Maranatha-Gruppe übernahm dann mehrere Gebäude und errichtete ein Seniorenzentrum. Das Kurhaus wich einem Parkplatz. Die Flut 2021 traf besonders das Kurviertel; viele Gebäude wurden saniert, ein ehemaliges Hotel durch Wohnhäuser ersetzt. Das zerstörte Schwimmbad wird derzeit wieder instandgesetzt und soll 2028 neu eröffnen:
Der historische Ortskern blieb weitgehend erhalten und wurde sorgfältig restauriert. Alte Weinbergsmauern und ehemalige Obstterrassen zeugen noch heute von der früheren Nutzung und haben sich zu wertvollen Biotopen entwickelt.
Die nächste Exkursion des Denkmalvereins wird am 22. August nach Unkel führen. Interessenten können sich wie immer bei der Museumsleitung oder beim Vorstand des Vereins informieren.
