Kreisverwaltung stellt Kita-Situation in Sinzig klar
„Fakten sind seit zwei Jahren bekannt“
Sinzig. In der Stadt Sinzig wird über die dortige Situation der Kindertagesstätten diskutiert. Wie konnte es zu den Mehrkosten von rund 425.000 Euro kommen und warum hat die Kreisverwaltung die zunächst vorgelegten Planungen abgelehnt? Warum kann letztlich der Rechtsanspruch zum 1. August nicht realisiert werden? So lauten die Fragen.
Nach dem Sachstandbericht von Bürgermeister Wolfgang Kroeger in der jüngsten Ratsitzung hat die Kreisverwaltung den Schwarzen Peter. Die will das so aber nicht auf sich sitzen lassen und kontert mit folgender Stellungnahme.
„Bund und Land hätten den gesetzlichen Rahmen für die Betreuung von ein- und zweijährigen Kindern festgelegt. Demnach bestünden Rechtsansprüche für entsprechende Betreuungsplätze in den Kitas. Die Kreisverwaltung sei lediglich für die reine Bedarfsplanung zuständig - die Stadtverwaltung für deren Umsetzung, also für die Frage, wo und in welchen Räumlichkeiten die Kinder betreut werden sollen.
Die Fakten und die Größenordnung der finanziellen Beteiligung für die Stadt Sinzig seien dem Rat und der Stadtverwaltung seit zwei Jahren konkret bekannt. Mit der Stadtverwaltung Sinzig liefen sogar seit drei Jahren Dutzende Gespräche und Telefonate zur aktuellen Kindertagesstätten-Bedarfsplanung, darunter mehrfach jährlich Termine vor Ort. In der April-Sitzung 2011 habe der Fachbereichsleiter auch dargelegt: Die Stadt müsse bei einem Bau von fünf zusätzlichen Gruppen nach Abzug von Bund-, Landes- und Kreismitteln generell mit einer Eigenbeteiligung von rund einer Million Euro rechnen.
Im Sinzig wollte man durch die dezentrale Lösung aber wesentlich preiswerter werden. Dazu die Kreisverwaltung: „Der Kreis hat eine Musterkalkulation an alle Ausschussmitglieder per Niederschrift weitergeleitet.“ Somit seien bereits damals allen Beteiligten in Sinzig die zu erwartenden Größenordnungen der notwendigen Finanzbeteiligung der Stadt bekannt gewesen, heißt es weiter aus dem Kreishaus.
Die Kreisverwaltung habe die Zustimmung zu Standortüberlegungen nur dann in Aussicht gestellt, wenn diese geeignet wären, den Bedarf an wohnortnahen Kindertagesstättenplätzen in der Kernstadt zu decken. Diese Forderung habe auch der Jugendhilfeausschuss des Kreises (JHA), der sich mehrfach mit der Situation der Kinderbetreuung in Sinzig befasst habe, stets unterstützt. In Klartext heißt dies wohl, dass es bei der Kreisverwaltung kein überraschendes Umschwenken und keinen Paradigmenwechsel gegeben hat. Das Kernproblem. Bei der Stadt Sinzig ist möglicherweise im Bereich der Kindertagesstätte Liliput mit normalen Kita-Gruppen und nicht mit U3-Gruppen und derem wesentlich höheren Raumbedarf geplant worden.
Überrascht über den Verlauf der Ratsitzung zeigte sich auch Sinzig Pastor Achim Thieser. Auf Nachfrage des General-Anzeigers stellte der klar, das man bei der katholischen Kirche keinesfalls aus der Planung einer neuen U 3-Gruppe ausgestiegen sein. „Wir sind weiterhin in der Planung“, so Thieser. Die neue Gruppe soll allerdings nicht per Anbau, sondern im bestehenden Raumangebot eingerichtet werden. Es scheint also reichlich „Kommunikationsschwierigkeiten“ bei der Sinziger Verwaltung gegeben zu haben. Den Schwarzen Peter werden zuletzt aber jene Eltern und kleine Kinder haben, die zum 1. August in Sinzig nicht auf den Rechtsanspruch zählen können.
