Allgemeine Berichte | 16.11.2015, 13:28 Uhr

Kultur im Gewölbe Sinzig

Geheimnisse der Liebe...

Erzählkunst und Musik im Zehnthofgewölbe

Im Sinziger Zehnthofgewölbe erklangen Klavier, Cello auch Monochord. privat
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Sinzig. Im geheimnisvoll beleuchteten, vollbesetzten Sinziger Zehnthofgewölbe entfaltete Angelika Krohne die ganze Palette ihrer Erzählkunst. Musikalisch wurde sie auf ihrer Erzählreise, die sich diesmal ganz den Geheimnissen der Liebe widmete, von den Musikerinnen Stephanie Troscheit und Monika Recker-Johnson am Klavier, Violoncello und Monochord begleitet.

Wie es dem biblischen König Salomo mit Hilfe zweier Schmetterlinge sowie der weisen und allerschönsten Bilqis gelang, seine 999 zänkischen Gemahlinnen zur Räson zu bringen, das erfuhren die Zuhörer in der orientalisch anmutenden Haremsgeschichte „Der Schmetterling, der aufstampfte“ von Rudyard Kipling. Der Literaturnobelpreisträger feiert in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag. Ausdrucksvoll gestalteten Stephanie Troscheit und Monika Recker-Johnson jeweils die Wendepunkte der Schmetterlingsgeschichte mit den schwebend-poetischen Kompositionen The Secret, Two Figures und Beneath von Adam Hurst und eigenen Improvisationen.

Im zweiten Teil des Erzählabends führte Angelika Krohne zunächst in das literarische Werk des persischen Dichters Hakim Nizami ein, der als Sufimeister auch für seine Liebesgeschichten bekannt wurde.

Aus Nizamis fast tausend Jahre altem Epos von den „Sieben Geschichten der sieben Prinzessinnen“ erzählte Angelika Krohne die humorvolle siebente Geschichte von „der Heimsuchung der Liebenden“. Während der beinahe halbstündigen Geschichte gelang es ihr, den Spannungsbogen mit starker Präsenz und schauspielerischem Talent so zu halten, das man eine Stecknadel hätte fallen hören. Auf ihrem 21-saitigen Monochord, auf dem sie mit sieben kleinen Stegen eine orientalisch anmutende Tonfolge erstellt hatte, untermalte Monika Recker-Johnson die Erzählungen von Sturmwinden, purzelnden Kürbissen, zartem Vogelsang und den immer neuen Heimsuchungen der Liebenden.

Mit einem kurzen Berbermärchen aus Marokko von der Eule des Mulay Sliman, offenbarte die Erzählerin mit einem Augenzwinkern die Antworten der Eule, warum es auf der Welt mehr Tage als Nächte, mehr Lebende als Tote und mehr Frauen als Männer gibt und vollendete damit diese märchenhafte Erzählreise. Nach lang anhaltendem Applaus beschloss Angelika Krohne den Abend mit einem Zitat des arabischen Philosophen Ibu Arabi aus dem 12. Jahrhundert:

„Es gab eine Zeit, da ich meinen Nächsten ablehnte, wenn sein Glaube nicht der meine war.

Heute ist mein Herz Herberge für alle Religionen:

Weide für Gazellen und Kloster für Christenmönche.

Tempel für Götzenbilder und Kaaba für Pilger.

Es ist Gefäß für die Tafeln der Thora und die Verse des Koran.

Denn meine Religion ist die Liebe. Und wohin auch die Karawane zieht, dort ist auch mein Weg. Denn die Liebe ist mein Bekenntnis und mein Glaube.“

Die Reihe Kultur im Gewölbe wird am 27. November um 19.30 Uhr fortgesetzt. Die französische Sängerin Myriam Jabaly präsentiert gemeinsam mit der Pianistin Bettina Höger-Lösch ihr Programm Paris Paname - Französische Chansons rund um Paris. Weitere Informationen unter www.gewoelbe-sinzig.de Pressemitteilung

der Kultur im Gewölbe

Angelika Krohne verhalf den Worten alter arabischer und persischer Dichter und Philosophen zu neuem Leben. Ian Johnson

Angelika Krohne verhalf den Worten alter arabischer und persischer Dichter und Philosophen zu neuem Leben. Foto: Ian Johnson

Im Sinziger Zehnthofgewölbe erklangen Klavier, Cello auch Monochord. Foto: privat

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