Allgemeine Berichte | 04.03.2014

Nachruf

Im Paradiesgärtlein der neuen Kirchenmusik

Im Paradiesgärtlein der neuen Kirchenmusik

Peter Bares ist tot. Zeit seines Lebens sagte er immer, dass er nicht in den Himmel kommen wolle, der sei etwas für Fromme. „Könnte es nicht sein, dass der Himmel in Wahrheit nur Stille ist und Klang und Gloria, eben seine Musik?“, das fragt Jürgen Holter in einem Beitrag für die Zeitschrift „Jesuiten“ im Jahr 2009. Die Frage ist nun für Peter Bares beantwortet.

Geboren wurde Peter Bares am 16. Januar 1936 in Essen. Seine Schulzeit verlebte er teilweise im Internat des Klosters Knechtsteden, wo er mit der Gregorianik und der Orgel in enge Berührung kam. Bares als musikalisches Wunderkind studierte mit einem Stipendium Kirchenmusik an der Folkwang-Schule in Essen bei Ernst Kaller und Siegfried Reda. Seine ersten Organistenstellen bekam er in Essen und Düsseldorf. Im Jahr 1960 kam er nach Sinzig, wobei für ihn sofort klar war, dass Sinzig eine neue Orgel brauchte. Dieses Ziel verfolgte er mit der ihm eigenen Beharrlichkeit und mit der Unterstützung des damaligen Pastors Keuser. Mit der Orgelbaufirma Walcker fand er die Möglichkeit, eine ganz neue Orgel zu konzipieren: Nie zuvor waren in eine Orgel sogenannte Spielhilfen wie Winddrossel und Tastenfessel eingebaut worden. Ebenso erfand er ganz neue Register. Hier war ein Organist am Werk, der die Literatur der neuen Musik kannte und für die Kirchenmusik fruchtbar machen wollte. Später erweiterte er die Orgel um eine Trompeteria, ein einzeln spielbares Trompetenregister im Seitenschiff der Kirche und ein Altarpositv. Beide Orgeln finanzierte er aus eigener Tasche und ermöglichte damit eine Raum-Musik in der romanischen Basilika. Als Motor der neuen Kirchenmusik initiierte er 1976 die Internationale Studienwoche für Neue Geistliche Musik in Sinzig, die er als Ein-Mann-Unternehmen durchzog. Bis zu seiner Kündigung im Jahre 1985 gastierten jedes Jahr im März die renommiertesten Organisten neuer Kirchenmusik eine Woche lang in Sinzig. Dutzende von Uraufführungen erklangen in der Sinziger Kirche. Die Stadt Sinzig und die Orgel von St. Peter wurden weltberühmt. Nach seiner von internationalen Protesten begleiteten Kündigung 1985 setzte er die Studienwoche noch zehn Mal zuerst in Bonn und dann in Köln fort. 1992 wurde er von Kunstpater Friedhelm Mennekes an die Kunst-Station Sankt Peter Köln berufen. Wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet, war dies ein Glücksfall im Leben des Peter Bares. Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses in Sinzig, die Niederlage vor dem Arbeitsgericht, das Verbot, auf „seiner“ Orgel spielen zu dürfen, die teilweise Demontage und Verstümmelung der Orgel bekam erst durch die Berufung an St. Peter in Köln seinen tieferen Sinn: Hier konnte er zum ersten Mal in seinem Leben wirklich frei nach seinen künstlerischen Vorstellungen arbeiten. So heißt es am 9. April 1993 in der ZEIT: „Das Fußvolk der schlecht bezahlten Kantoren freilich kann nur entweder neidisch oder kopfschüttelnd in dieses Paradiesgärtlein der neuen Kirchenmusik hineinblicken.“ Der verhasste „Sakro-Pop“, mit dem er sich in Sinzig auseinandersetzen musste, war nun kein Thema mehr. Köln war eine Kunst-Station, diese schien auf Peter Bares gewartet zu haben, denn auch hier gab es Pläne für eine neue Orgel. Mit der Orgelbaufirma Willi Peter fand Peter Bares eine Werkstatt, die seine Ideen verstand. "Wir wollten etwas völlig Neues, nämlich die Möglichkeit, Altbekanntes mit Experimentellem zu verbinden; es werden also ganz neue klangliche Möglichkeiten eröffnet. Peter Bares wird ein der zeitgenössischen Orgelmusik adäquates Medium geboten.“

Diese Orgel ist eine Weiterentwicklung der Sinziger und auch heute wieder die modernste auf der Welt. „Hochliegende Aliqoten wie auch die neuen Register wie Sept und Elfte kommen dem Organisten, für den individuelle Obertonzusammensetzungen eine wichtigere Rolle spielen als Klangschattierungen im Grundstimmenbereich, sehr entgegen. Die Erweiterung und Flexibilisierung der Klangmischungen im Obertonbereich resultieren aus der großen Zahl der gemischten Stimmen, insbesondere im Koppelwerk. So ist die Orgel im Sinne von Peter Bares 'dissonanzfähig'!“ So ist die Orgel von St. Peter in Köln die Krönung eines Lebenswerkes. Sie verweist aber auch auf die anderen beiden Pfeiler seines musikalischen Lebens: die Komposition und Improvisation. Die Kunst der Improvisation ist heute leider nur noch im Jazz erhalten, weniger in der Kirchenmusik. Bares lehrte Zeit seines Lebens bei den Studienwochen die Kunst der Improvisation. Seine eigenen Improvisationen führten immer in „fantastische Welten und Weiten“. Er liebte die Klangfarben der Orgel und wenn er ein Gastkonzert in einer Kirche gab, wunderten sich die Zuhörer und meinten, er habe auf einer ganz anderen Orgel gespielt als sie kannten. Am liebsten improvisierte er über Titel mit starken Bildern. So war er ein Meister der Malerei mit Tönen.

Als Organist in Sinzig leitete Bares auch den Kirchenchor. Von Anfang an sang man nur eigene Werke. Dutzende von Messen, Motetten, Allelujas und Amen hat er für „seinen“ Chor komponiert. Dabei hat er gezeigt, dass durchaus auch Laienchöre in der Lage sind, moderne Musik aufzuführen. Die Chorproben am Dienstagabend hatten einen ganz eigenen charismatischen Charakter, wenn man nach Hause ging, spürte man die Lebendigkeit, die er mit seiner Musik vermittelt hatte. Hinzu kam noch seine unterhaltsame Art, denn man erfuhr das neueste aus Politik, Gesellschaft und Kirche in Sinzig und Umgebung, und natürlich auch seine neuesten Projekte. So hatte er beschlossen, dass das Geläut von St. Peter nach unten ergänzt werden müsse. Er ruhte nicht eher, bis er das Geld für eine neue „Peter-Glocke“ gesammelt hatte, dabei kannte er keinerlei Berührungsängste.

Seine fast 3000 Kompositionen umfassen Werke für Streicher ebenso wie Bläser und Orgel. D. Susteck fasst sein kompositorisches Schaffen so zusammen: „Im Rückblick … fällt auf, dass sich Bares‘ Harmonik zur Freitonalität entwickelt. Erst verändert sich die Harmonik, später die Rhythmik. … Die Musik löst sich von den Normen zugunsten freier Elemente.“

Peter Bares war ein unermüdlicher Organisator von Konzerten und „Studientagen“ und anderen Projekten. Er war ein von der Musik Besessener, den das Leben zur Kirchenmusik geführt hat. Im persönlichen Gespräch entwickelte er einen Charme und eine Überzeugungskraft, der man sich schwerlich widersetzen konnte. In seinen Gedichten offenbarte sich sein romantisch-expressives Wesen. Nur in der Sache der Musik konnte er hart und kompromisslos sein. Peter Bares war ein Prophet, und als ein Prophet, der nichts im eigenen Land gilt (vgl. Mk 6, 4), ist er in Sinzig am 2. März gestorben.

Hanns Stüßer

Peter Bares † Foto: KW. Boll

Peter Bares † konzipierte die neue Orgel in St.Peter in Köln. Foto: KW. Boll

Peter Bares † auf dem Kirchplatz in Sinzig vor der Pfarrkirche St. Peter Foto: KW. Boll

Peter Bares † 1985 auf einer Chorfahrt in Paris. Foto: Hanns Stüßer

Im Paradiesgärtlein der neuen Kirchenmusik
Im Paradiesgärtlein der neuen Kirchenmusik

Im Paradiesgärtlein der neuen Kirchenmusik

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Monatliche Anzeige
Dauerauftrag
Kreishandwerkerschaft
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Schulze Klima -Image
Osterangebot
Kreishandwerkerschaft
First Friday Anzeige März
Stellenanzeige
Empfohlene Artikel
Monika Mombauer und Rudi Kirwald am Fairtrade-Stand beim Sinziger Frühlingserwachen
34

Sinzig. Wie in den letzten Jahren hat sich die Fairtrade-AG im Bürgerforum wieder am Sinziger Frühlingserwachen beteiligt. „Am meisten Spaß macht der Kontakt zu den Besucherinnen und Besuchern des Marktes. Da gibt es immer gute Gespräche und viele Leute sind nicht nur an den besonderen Waren, sondern auch an den Hintergründen des Fairen Handels interessiert“, freuten sich Monika Mombauer, Winfried Bleffert und Rudi Kirwald.

Weiterlesen

v.l.n.r.: Christian Luke, Iris Gesell, Sebastián Merino, Anna Evertz, Alicja Sinen
25

Im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung kam am Mittwoch, den 25. März 2026 um 18:00 Uhr der Vorstand des Fördervereins mit interessierten Fördervereinsmitgliedern und der Schulleitung in den Räumlichkeiten der Lindenschule zusammen. Zu Beginn standen die Tagesordnungspunkte „Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr“ und „Bericht des Kassenwartes zur Mitgliederentwicklung und zu den Finanzen“ auf der Agenda.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Adobe Stock
82

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
24

Bücherbrücke Meckenheim/Alfter stärkt Lesefreude bei Kindern

Bibfit-Programm bringt Vorschulkinder spielerisch in die Bibliothek

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Kreishandwerkerschaft
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Anzeige "Rund ums Haus"
Rund ums Haus
Fahrer gesucht (m/w/d)
Koblenz blüht
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Ostergruß
Tag der offenen Tür
Innovatives rund um Andernach
SB Standesamt
PR-Anzeige
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Osteraktion
Anzeige Lange Samstage